Nachdem am vergangenen Wochenende durch einen spektakulären Hack eine Sicherheitslücke beim Dienstleister Trident Media Guard aufgedeckt wurde, hat die französische Regierung mit einer ungewöhnlichen Sofortmaßnahme reagiert.

Die Daten des für die Sammlung und Speicherung von IP-Adressen vermeintlicher Urheberrechtsverletzer verantwortlichen Unternehmens werden mit der zuständigen Behörde Hadopi in Zukunft nicht mehr elektronisch, sondern mit physikalischen Datenträgern ausgetauscht. Das bestätigte das Amt in einer dürren Stellungnahme am Mittwochabend. Die Jagd nach vermeintlichen Raubkopierern wurde gleichzeitig temporär eingestellt, wann eine Wiederaufnahme erfolgt, ist aktuell nicht abzusehen.

Nach Angaben des Branchendienstes "TorrentFreak", der das Debakel für Präsident Nikolas Sarkozy aufgedeckt hatte, wurden vor einigen Tagen über ein Leck in den Servern von Trident Media Guard Passwörter, Scripts und Software entwendet, mit der es möglich ist, gefälschte Dateien in P2P-Netzwerken einzustellen. Damit sollen Urheberrechtsverletzer zuerst angelockt und dann abgemahnt werden. Dieses Verfahren ist äußerst umstritten, dass es überhaupt zur Anwendung kommt, war bislang nicht bekannt. Durchgesickert sind außerdem verschiedene interne IP-Adressen von Trident Media Guard Servern.

Frankreich hatte im vorvergangenen Jahr ein Gesetz eingeführt, das harte Strafen für Raubkopierer vorsieht, will damit europaweit eine Vorreiterrolle im Kampf gegen Internetpiraterie einnehmen - und übertreibt es nach Ansicht von Kritikern maßlos.

Die zentrale Rolle im Kampf gegen die Internetpiraterie spielt die Aufsichtsbehörde Hadopi. Sie wertet von Internet- Dienstleistern gesammelte Daten über Urheberrechtsverletzungen aus und mahnt die Raubkopierer zunächst per eMail ab. Bei weiteren Gesetzesverstößen kommt eine zweite Mahnung per Einschreiben. Wer sich dann noch einmal erwischen lässt, riskiert drastische Strafen, die von einem Richter verhängt werden ("Three-Strike").

Mit 300.000 Euro Bußgeld und bis zu drei Jahren Gefängnis müssen Wiederholungstäter rechnen. Auch wer selbst gar nicht illegal handelt sondern nur seinen Internet-Zugang zur Verfügung stellt, soll in Zukunft mit 1.500 Euro zur Kasse gebeten werden. Damit werden Eltern für das Treiben ihrer Schützlinge ohne Wenn und Aber haftbar gemacht. Zudem können die Richter bis zu einem Jahr die Internet-Verbindung kappen lassen. Verbraucherschützer ud Bürgerrechtler sehen dies als unzulässigen Eingriff in die Kommunikationsfreiheit.

Dass nun ausgerechnet bei den Raubkopiererjägern von Trident Media Guard elektronisch eingebrochen wurde, spielt Kritikern in die Hände, die stets genau vor einem solchen Szenario gewarnt hatten.