Der neue Chef des Österreichischen Rundfunks (ORF) heißt wie der alte: Alexander Wrabetz wurde wie erwartet vom politisch kontrollierten Stiftungsratsgremium mit 29 Ja-Stimmen wiedergewählt, sechs Enthaltungen gab es.
Der Manager hatte ein besseres Ergebnis als bei seiner ersten Wahl angestrebt, damals hatte er eine Mehrheit von 20 Stimmen. Wrabetz tritt seine neue Amtszeit am 1 Januar 2012 an, sie dauert bis 31. Dezember 2016. Die Wahl galt im Vorfeld als gesichert, unter anderem deshalb, weil einer der 35 Stiftungsräte eine Person benannt hatte, die für die Funktion geeignet war. Zu einem Hearing wurde lediglich noch der Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz geladen - dem aber keine Chancen eingeräumt wurden.
Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) hate scharfe Kritik an der Personalie geäußert und darauf verwiesen, dass Wrabetz mit dem Ziel gescheitert sei, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk Unverwechselbarkeit und Eigenständigkeit zu verpassen. Der VÖP fordert unter anderem eine Beschneidung der Werbemöglichkeiten des ORF und ein Verbot der Kommerzialisierung seiner Online-Videothek "TV-thek". Wrabetz setzt sich für das Gegenteil ein.
Medienbeobachter im In- und Ausland hatten die Wahl als Farce bezeichnet, weil es nicht um Sachfragen, sondern lediglich um ein politisches Machtspiel gegangen sei. Der 51-jährige studierte Jurist Wrabetz leitet den Sender, zu dem drei Fernseh- und zahlreiche Radioprogramme gehören, seit 2006. Kritiker hatten bereits im Vorfeld bemängelt, dass sich wegen der starken politischen Einflussnahme auf den ORF kein international profilierter Gegenkandidat beworben hatte. Der Österreichische Rundfunk musste zuletzt finanziell von den Steuer- und Gebührenzahlern gestützt werden.
Wrabetz will in den kommenden Monaten unter anderem eine Erhöhung der monatlichen Entgelte für den öffentlich-rechtlichen Sender durchsetzen. Beim Zuschauer ist der ORF-Generaldirektor nicht sonderlich beliebt. Bei einer Umfrage sprachen sich vor wenigen Tagen noch 44 Prozent gegen eine zweite Amtsperiode von Wrabetz aus. Von 400 Befragten stellten nur 19 Prozent dem Manager für seine bisherige Arbeit gute Noten aus, 31 Prozent votierten für "Genügend" bzw. "Nicht genügend".







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