Nur 150 Tage vor der Sat-Analogabschaltung nutzt noch immer ein Millionenpublikum analoge Sat-Empfänger. Die Zahl der analogen Sat-Haushalte ist mittlerweile auf unter zwei Millionen gesunken, schätzt Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). Allein seit Juli seien 1,7 Millionen digitale Sat-Receiver und 1,2 Millionen Fernseher mit integriertem Digitalsat-Tuner in Deutschland verkauft worden, sagte Hecker am 29. November in Berlin auf der Veranstaltung „Deutschland wird digital – sind wir (um)gerüstet?“. Zuletzt war von 2,3 bis 2,5 Millionen analogen Sat-Haushalten die Rede.
Die analoge Programmverbreitung via Astra 19,2° Ost endet am 30. April 2012 um 3 Uhr morgens. Zwei Stunden später werden die neuen HD-Kanäle der öffentlich-rechtlichen Sender aufgeschaltet, sagte Michael Albrecht, ARD-Koordinator DVB, im Gespräch mit Digitalmagazin. Insgesamt zehn weitere hochauflösende Kanäle starten ARD und ZDF dann, konkret handelt es sich dabei um WDR HD, BR HD, NDR HD, SWR HD, ZDF Neo HD, ZDF Info HD, ZDF Kultur HD, 3 Sat HD, Phoenix HD und Kika HD.
Bis dahin ist mit Blick auf die Analogabschaltung noch viel zu tun. Sorgen bereiten insbesondere Gemeinschaftsanlagen, die mit erheblichem Aufwand umzurüsten sind. Bei 40.000 Anlagen ist dies noch der Fall, erläuterte Herbert Strobel, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Satellit & Kabel und Geschäftsführer von Astro Strobel. Ausstehende Eigentümerversammlungen, die schwierigen Witterungsverhältnisse und lange Lieferzeiten führten in diesem Bereich zu massiven Problemen. Die Experten gehen deswegen mittlerweile davon aus, dass sich die Umrüstarbeiten sogar noch bis Jahresende 2012 hinziehen werden.
Wie viele analoge Sat-Zuschauer am 1. Mai 2012 vor schwarzen Bildschirmen sitzen, lässt sich indes schwer abschätzen. „Wenn es so weiter geht, werden es zwischen ein und zwei Millionen sein“, warnte Brigitte Busch, Sprecherin von ARD Digital. Sie hofft darauf, dass es tatsächlich „nur“ 500.000 Haushalte sein werden. Die Betroffenen (vor allem ältere Zuschauer) seien wenig technikaffin und sehr schwer zum Umsteigen zu bewegen, skizzierte Busch die aktuelle Lage.
Die Sender, die in den vergangenen Aktionswochen gut 600 Spots zur Analogabschaltung gezeigt und 4.200 Mal Laufbänder eingesetzt haben, wollen nun den Druck weiter erhöhen. „Ab 21. Januar – 100 Tage vor der Abschaltung – geht es in die heiße Phase“, kündigte Brigitte Busch an. Dann sollen – auch in Abstimmung mit den Privatsendern – die Laufbänder auf den Analogkanälen sukzessive vergrößert werden. „Wir werden die Programme regelrecht zerstören“, fand Albrecht drastische Worte.




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