Statt nur „more of the same“, bietet der im Herbst 2009 auf Sendung gegangene Privatsender Servus TV ein individuelles Programmangebot, das den österreichischen Fernsehmarkt quantitativ und qualitativ bereichert. Unter allen national verbreiteten Fernsehprogrammen enthält Servus TV den höchsten Informationsanteil. Freilich erreicht Servus TV dieses Ziel vor allem auch durch Ausstrahlung vieler kurzfristiger Wiederholungen. Dieses und zahlreiche weitere Untersuchungsergebnisse zu den heimischen Fernsehsendern sowie Vergleiche zu Programmen aus Deutschland und der Schweiz zeigt die am 28. Februar von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR-GmbH) vorgelegte TV-Programmanalyse 2011. Die im zweijährigen Rhythmus zum vierten Mal veröffentlichte Studie analysiert detailreich die zwei großen Programmbereiche Unterhaltung und Fernsehpublizistik bei ORF Eins, ORF 2, ATV, Puls 4 und erstmals auch bei Servus TV.

„Zusammen mit den TV-Programmen aus Deutschland und der Schweiz, bietet das deutschsprachige Fernsehen den österreichischen Zusehern die größte Vielfalt weltweit. Gerade die deutschen Programme bedeuten aber auch eine harte Konkurrenz für die heimischen Fernsehveranstalter“, hebt Alfred Grinschgl, Geschäftsführer des Fachbereichs Medien der RTR-GmbH, die einzigartige Wettbewerbssituation hervor und verweist in dem Zusammenhang auf die besondere Bedeutung fernsehpublizistischer Programminhalte. „Insbesondere mit Nachrichten, Magazinen, Reportagen und Dokumentationen, die über österreichische Themen und Menschen berichten, können sich unsere TV-Programme differenzieren und starke Argumente zum Einschalten liefern. Sie tun dies auch bereits recht erfolgreich mit zielgruppenspezifisch unterschiedlichen Angeboten.“

So kommt laut Programmanalyse 2011 Servus TV auf einen Anteil von 61,3 Prozent Fernsehpublizistik im Programm, wovon zwei Drittel auf Reportagen und Dokumentationen entfallen. Allerdings sind zwei von drei publizistischen Sendeminuten bei Servus TV kurzfristige Wiederholungen. ORF 2 bleibt das Programm mit der größten Informationsvielfalt und strahlt Fernsehpublizistik mit einem Anteil von 43,4 Prozent aus. Dabei behandelt ORF 2 mit einem Programmanteil von acht Prozent am häufigsten politische Informationen und kontroverse Themen im österreichischen Fernsehen, wenngleich die öffentlich-rechtlichen Sender SF 1, ARD und ZDF derartigen Inhalten mit durchschnittlich rund 16 Prozent die doppelte Sendezeit einräumen. ATV hat den Bereich Fernsehpublizistik mit vorwiegend Boulevard-Themen deutlich ausgebaut, liegt mit 17,2 Prozent jedoch hinter Puls 4 (24,6 Prozent), das vor allem stark auf Service-Magazine setzt. Mehr publizistische Inhalte als 2009 sendet ORF Eins, bleibt aber mit fünf Prozent das Schlusslicht. Stattdessen ist ORF Eins mit Abstand das Programm mit dem größten Unterhaltungsanteil (83 Prozent) vor Puls 4 (50 Prozent), ATV (45 Prozent), ORF 2 (38 Prozent) und Servus TV (sieben Prozent). Die im Auftrag der RTR-GmbH von Jens Woelke vom Institut für Kommunikationswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster erstellte Programmanalyse 2011 ist vollständig unter http://www.rtr.at/de/komp/SchriftenreiheNr12012 abrufbar.