Netcologne fordert Verzicht auf Grundverschlüsselung
Rundfunkanbieter, Kabelnetzbetreiber und Gerätehersteller – alle möchten die Digitalisierung. Werner Hanf, Geschäftsführer des Kabelnetzbetreibers Netcologne, fordert jedoch: „Die Digitalisierung darf nicht auf Kosten des Kunden passieren“, wie das Unternehmen am 20. Juli mitteilte. Während die Programme der großen privaten Sendergruppen im analogen Kabel frei und ohne Zusatzkosten für die Kunden zu empfangen sind, so sieht es digital anders aus: Hier fordern die privaten Rundfunkanbieter, dass ihre Programme generell nur grundverschlüsselt eingespeist werden dürfen. Dazu soll der Kabelnetzbetreiber zukünftig an den Programmanbieter eine Gebühr pro Kunde für die Einspeisung zahlen. Es ist klar, dass diese Kosten an die Kunden weitergegeben werden müssen. Werner Hanf: „Für mich ist dieses Vorgehen ein Abzockmodell. Und dazu wenig kundenfreundlich: Denn für Kunden ist es schwer zu verstehen, warum sie identische Inhalte im analogen Kabel kostenlos bekommen, im digitalen Kabel jedoch bezahlen müssen. Warum sollten sie dann zum digitalen Fernsehen wechseln?“
Kein erschwerter Übergang von analog zu digital für die Kunden
Werner Hanf als Vertreter der mittelständischen Kabelnetzbetreiber plädiert dafür, kostenlose und frei empfangbare analoge TV-Inhalte per Simulcast ebenso im digitalen Kabel zu verbreiten. Durch eine Verzicht auf die Grundverschlüsselung kann so die Wechselbereitschaft der Kunden von analog zu digital erhöht werden. Davon profitiert auch die Unterhaltungsgeräteindustrie, die ihre Geräte mit digitaler Empfangstechnik besser vermarkten kann, was wiederum den Digitalisierungsprozess beschleunigt.
Werner Hanf unterstreicht vielmehr die Möglichkeiten des digitalen Kabels: Neue, hochwertige Formate wie interaktives TV können über das digitale Kabel realisiert werden ebenso wie Video on Demand. Das eröffnet Sendern und Kabelnetzbetreibern auch neue Vermarktungsmöglichkeiten und zusätzliche Umsätze.
Digitalisierung darf kein Erlösmodell werden
„Die Digitalisierung darf nicht dazu dienen, Geschäftsmodelle zu optimieren“, so Werner Hanf. Gerade internationale Finanzinvestoren vertreten die These, dass Fernsehen in Deutschland zu „billig“ sei. Denn in Deutschland hat die heutige Struktur mit öffentlich-rechtlichen und privaten, werbefinanzierten Sendern zu einem umfangreichen Free-TV-Angebot geführt, das im internationalen Vergleich sehr hochwertig ist. Bei den jetzigen Plänen zur Digitalisierung besteht die Gefahr, dass zukünftig immer mehr attraktive Inhalte im Free-TV verknappt und in das digitale und bezahlte Programmangebot verschoben werden.
„Auch wenn das nicht offen kommuniziert wird – dadurch begründet sich doch die Forderung nach einer möglichst schnellen ‚Zwangsdigitalisierung’ und nach der Abschaltung des analogen Kabelfernsehens“, so Werner Hanf.
Die mittelständischen Kabelnetzbetreiber werden sich dieser Entwicklung nicht anschließen. Die Unternehmen möchten alle Inhalte, die jetzt analog frei empfangbar sind, in einer möglichst langen Übergangsphase im Simulcast-Betrieb sowohl analog als auch digital einspeisen. Kunden sollen durch zusätzliche Angebote, neue Formate und eine höhere Qualität, vor allem mit Inhalten in HDTV, vom digitalen Fernsehen überzeugt werden.




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