Der ORF will seine Online-Videoplattform ORF-TVthek künftig mit Werbung vermarkten. Am Dienstag wurde ein seit längerem erwarteter Antrag bei der Medienbehörde KommAustria eingereicht. Außerdem will der Sender die TVthek um Kaufproduktionen aus dem Dokumentar- und Kulturbereich sowie um ein umfassendes und zeitlich unbegrenzt abrufbares ORF-TVthek-Archiv erweitern. Bisher waren auf der Plattform nur Eigen- und Koproduktionen zugelassen. Beantragt wurden auch "technische Maßnahmen, die eine noch bessere und übersichtlichere Auffindbarkeit der Sendungen gewährleisten sollen", so der ORF.

Von den Privatsendern, die die Pläne des ORF schon länger kritisieren kam ein promptes ""Nicht genehmigungsfähig". Beim Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) sieht man die Pläne jedenfalls nicht im Einklang mit dem ORF-Gesetz.

Die neuen Online-Werbepläne des ORF würden mit dem Hinweis auf neue Inhalte lediglich "getarnt", so VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm gegenüber der APA. "Dieses zusätzliche Angebot nimmt unserer Meinung nach eher die Funktion eines Feigenblatts ein, damit der ORF im Auftragsvorprüfungsverfahren ein Argument hat, um die angestrebte Vermarktung der TVthek überhaupt argumentieren zu können." Problematisch sehen die Privatrundfunkveranstalter auch eine mögliche Ausweitung der Online-Bereitstellungsdauer auf teilweise 30 Tage.

Gänzlich anders sieht das der ORF. Laut Generaldirektor Alexander Wrabetz soll das Angebot zusätzlicher Kaufproduktionen aus dem Dokumentations- und Kulturbereich den öffentlich-rechtlichen Mehrwert der Plattform weiter stärken. Die Forderung nach Werbung auf der TVthek begründet Wrabetz damit, dass die vorgesehenen Erweiterungen des Sendespektrums einen enormen finanziellen Aufwand bedeute, "der in Zeiten rigider Sparprogramme nur durch zusätzliche Einnahmen aus Online-Werbung finanzierbar ist".

Finanzdirektor Richard Grasl ergänzte: "Die zunehmende Verlagerung von TV-Angeboten in nonlineare Systeme macht es für den ORF unbedingt notwendig, Werbemöglichkeiten in der TVthek zu nutzen." Außerdem steige die Nachfrage der Werbewirtschaft danach stark an, erklärte Grasl. Um den Kritikern gleich vorweg den Wind aus den Segeln zu nehmen, beruhigte der ORF, er wolle die Vermarktung "mit starken Selbstbeschränkungen beantragen" und nur einen kleinen Teil des Inventars kommerziell verwerten. Kindersendungen sollen etwa gänzlich ausgelassen werden.

"Aufgrund dieser Selbstbeschränkung ist auch das zu erzielende Umsatzpotenzial vergleichsweise gering", hieß es. Nach eigenen Angaben wären dank TVthek-Vermarktung rund 800.000 Euro pro Jahr zu erwirtschaften, was 0,4 Prozent der Gesamt-Werbeeinahmen des ORF und ebenfalls rund 0,4 Prozent des gesamten Online-Werbemarkts in Österreich in Höhe von rund 200 Mio. Euro entspreche.