Harsche Kritik hagelte es für die Pläne der deutschen Telekom, Breitbandanschlüsse nach Erreichen eines bestimmten Download-Volumens in ihrer Geschwindigkeit zu reduzieren. Von einer wenig schmeichelhaften Umbenennung in „Drosselkom über Warnungen vor Verletzung der Netzneutralität bis hin zu einer Einschaltung des Kartellamts reichten die Reaktionen zur Datenbremse, welche nur durch zusätzliche Zahlungen vonseiten der User zu umgehen sein wird.
Dieser Umstand und auch die Tatsache, dass datenintensive Anbieter gegen Entgelt oder der Telekom-eigene TV-Dienst „Entertain bevorzugt behandelt werden könnten warf den Vorwurf einer Zweiklassengesellschaft auf, wenn Inhalte künftig im Sinne der Netzneutralität nicht gleich behandelt würden.
Wie stehen Österreichs Internet-anbieter zu den Plänen der deutschen Kollegen? Beim Verband Internet Service Providers Austria ISPA sei es „grundsätzlich nicht bekannt, dass unsere Mitglieder die Einführung einer derartigen nutzungsabhängigen Drosselung der Geschwindigkeit oder Ähnliches planen. Klar sei jedoch, dass immer höhere Bandbreiten und größere Datenvolumina, die von den Nutzern gefordert werden, auf- seiten der Internetanbieter auch steigende Kosten verursachen. „In Kombination mit dem großen Preisdruck kann das manche Anbieter vor ein Problem stellen.
Man habe „keine Pläne, eine Datenbremse einzuführen, war bei A1 Telekom Austria auf Anfrage von media net zu hören. Ebenso bei UPC, wo man „nicht daran denke, Drosselungen wie die bei der deutschen Telekom vorzunehmen; man sei für künftig steigende Daten-volumina dank guter Infrastruktur „bestens gerüstet.
Bei Tele2 betont man, dass es aktuell keine Mehrklassengesellschaft gibt, „Tele2 muss und möchte weiterhin die Freiheit erhalten, individuelle Produkte, Services und Lösungen für Kunden anbieten zu können. Man werde dies wie bisher mit der „erforderlichen Transparenz für den Kunden tun.
„Zurzeit gibt es keine Pläne der Salzburg AG, verschiedene Internet-Klassen für unserer Kunden einzuführen, verneint auch die Salzburg AG.
Als Infrastrukturen wie Verkehrswege erachtet Liwest-GF Günther Singer Breitbandanschlüsse, wo wie die Maut bei Autobahnbetreibern auch Breitbandnetze mit Investitionsbeiträgen unterstützt werden müssten. „Dabei sollten nicht die Endkunden bezahlen müssen, sondern die Anbieter von OTT-Diensten, die ihr Geschäftsmodell auf das Vorhandensein von schnellen Infrastrukturen aufbauen. Aus dieser Sicht betrachtet, würde sich auch die Liwest wünschen, dass entsprechende Regelungen getroffen werden. Solange derartige Vorgaben gesetzlicher Art nicht existieren, gäbe es bei Liwest auch keine Mehrklassengesellschaft bei den Kunden.
Bei „3 verweist man auf die schon aktuell unterschiedlichen Qualitätsstufen bzw. Geschwindigkeiten. Kunden, die mehr bezahlen, können mit ihren 3Data-Tarifen auch mit höherer Geschwindigkeit surfen. „Dieser branchenweite Trend wird sich auch in Zukunft Stichwort LTE fortsetzen, so 3CEO Jan Trionow gegenüber media net. Wachsender Datenverkehr und immer leistungsfähigere Devices erfordern „leistungsstarke Netze und damit verbunden hohe Investitionen. Gleichzeitig ist es den sog. Over-the-Top-Playern wie Apple, Google, Facebook in den letzten Jahren gelungen, in die Wertschöpfungskette der Telekombetreiber einzudringen und Unmengen an Internetverkehr zu generieren. Und während vielfach der Wunsch geäußert wurde, dass auch die OTTs einen Betrag zum Infrastrukturausbau leisten sollen, verstehen diese es sehr gut, von den von ihnen verursachten Problemen abzulenken und die Diskussion auf ‚Nebenschauplätze zu verlagern, so Trionow weiter.
Auch bei T-Mobile verweist man auf bereits bestehende Tempobremsen, wie beispielsweise im Bereich des mobilen Internets, aber auch Breitband-Angeboten, die je nach Preis mit unterschiedlichen Leistungen hinterlegt sind. Letztlich stehe hinter solchen Staffelungen eine Überlegung: „Wenn es nur unbegrenzte Nutzung gibt, dann subventionieren jedenfalls User mit geringerer Nutzung User mit starker Nutzung, war bei T-Mobile zu hören, was „als wenig faires und auch allen anderen Marktregeln widersprechendes Preismodell angesehen werde.
Im Ministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, welches mit der Breitbandstrategie 2020 den flächendeckenden Ausbau forciert, betonte man den Stellenwert des Wettbewerbs, wodurch von Beschränkungen sowieso Abstand genommen würde, da der Kunde ausweichen könne. Aktuell haben 79,3% der österr. Haushalte Internetzugang, ca. 98% davon verfügen über eine Breitbandverbindung.




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