Mit der Eingliederung der Hauptabteilung „Online und Neue Medien in die neue Direktion für Technik, Online und Neue Medien des ORF vor knapp über einem Jahr stellte der öffentlich-rechtliche Rundfunk die Weichen für künftige Anforderungen an ein modernes Medienhaus.
Welchen technischen und strukturellen Herausforderungen der ORF 2013 de facto gegenübersteht, erläutern Michael Götzhaber, Direktor für Technik, Online und Neue Medien, und Thomas Prantner stellvertretender Direktor für Technik & Leiter Hauptabteilung Online und Neue Medien, im Gespräch mit media net.
Ein zentrales Projekt als Basis für künftige ORF-Angebote definiert sich über das Schlagwort „Multimediale Contentverwertung, einhergehend mit der Schaffung eines einheitlichen Content Management Systems. „Unsere Generalstrategie ist es, Content auf allen Plattformen zu jeder Zeit live und on demand abrufbar zu machen, erläutert Götzhaber.
Um dieses Vorhaben auch in der Realität zu verankern, bedarf es laut Prantner noch „umfassender Synergiearbeiten, denn es könne nicht sein, dass „ein und dieselbe Meldung vier Mal für vier verschieden Ausspielkanäle produziert werden muss. Deshalb sollen wie in den Landesstudios bereits vorgelebt einheitliche Systeme künftig Content zur standardisierten Ausspielung aufbereiten.
Diese Basis der funktionierenden multimedialen Contentverwertung ist vor allem hinsichtlich Weiterentwicklung von HBB-TV, Smart-TV und TVthek wesentlich. Das „Premium-Produkt des ORF im multimedialen Bereich, die erfolgreiche Videoplattform ORF-TVthek, wurde von Thomas Prantner im November 2009 gegründet. HBB-TV, ein technologischer Standard für Hybrid-TV, sei laut Götzhaber ein „wichtiges Produkt im breiten ORF-Portfolio. So wolle man über internetfähige TV-Geräte primär die TVthek und aktuelle Wetterangebote ausspielen können. Im nächsten Schritt sollen mit Zeitplan 2014 Inhalte von Ö3 sowie die News- und Sport-Site des ORF.at-Netzwerks über HBB-TV verfügbar sein.
Angedacht sei auch ein an die neuen Möglichkeiten angepasster Teletext. Dabei betont Götzhaber die verordnete Kosteneffizienz: „Wir sprechen nicht von zusätzlichem redaktionellen Aufwand, sondern von Schnittstellenprogrammierung, über die wir mit einheitlichen Content Management- Systemen bereits vorhandene Inhalte ausspielen können.
Pläne für ORF-TVthek
Für die Amortisierung dieser Projekte relevant ist für Götzhaber und Prantner naturgemäß auch die in Schwebe befindliche Vermarktung der ORF-TVthek, welche zuletzt in Spitzenmonaten 15 Mio. Abrufe verzeichnete. Der Antrag dazu wurde wie berichtet gestellt und liegt bei der Medien-behörde zur Entscheidung.
Klare Visionen verfolgen die Macher dennoch: „Wir sind der festen Überzeugung, eine Gesamtverantwortung für die heimische Onlinebranche zu tragen. Wenn der Marktführer blockiert wird, kann das nie zu einem Vorteil für alle dahinter werden, so Prantner.
Geprüft werde in diesem Zuge auch die Ausweitung der Live-Streams (im Antrag an die Medienbehörde inkludiert). „Wir prüfen die Möglichkeit, auszubauen in Richtung Livestreaming aller vier Kanäle 24 Stunden täglich und sieben Tage die Woche, so Götzhaber.
Eine weitere Ambition ist der Ausbau der Verfügbarkeit des Contents. So darf der ORF aktuell nur Eigen-, Auftrags- und Coproduktionen auf der TVthek anbieten, nicht aber zugekaufte Sendungen für ‚Weltjournal, ‚Universum, etc. „Diese Unschärfe muss korrigiert werden und wir sprechen immer von öffentlich-rechtlichen Inhalten, so Prantner.
Diese sollen künftig nicht nur im Bereich des Bewegtbilds, sondern auch im Hörfunk online abrufbar sein: in Form einer ‚Radiothek; eine, laut Prantner, aufgrund des Datenmanagements „wesentlich aufwendigere Entwicklungsarbeit als im TV-Bereich.
Hier wurde ein eigener Projektleiter für die Entwicklung beauftragt. „Das Ziel ist es, 2014 mit der ‚Radiothek zu starten, so Prantner. Ein erster Schritt sei mit FM4 im Audio on demand-Modus bereits getan.
Hybridquote 2014: „positiv
Durch die Verlagerung des Medienkonsums weg vom TV-Gerät hin zur Nonlinearität gewinnt auch die Hybridquote an Gewicht: Ziel sei die Zusammenführung aller Messwerte, um so am achten Tag nach einer Sendung die tatsächliche Seherschaft ermittelt zu haben. „AGTT und ÖWA arbeiten bereits daran; erste Auswertungen der Hybridquote im nächsten Jahr wären sehr positiv, so Direktor Götzhaber.




Reply With Quote