„Das duale Rundfunksystem, bestehend aus der öffentlich-rechtlichen und der privatwirtschaftlichen Säule, ist aus der Balance geraten oder war vielleicht nie in der Balance! Wir wollen aufzeigen, wie das System funktionieren kann und muss", so Klaus Schweighofer, Vorstandsvorsitzender des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP) und Vorstand der Styria Media Group, in seinen Eröffnungsworten zur vergangenen Dienstag erstmals durchgeführten Rundfunk-Plattform Österreich.
Zugegen waren: Markus Breitenecker (SevenOneAustria), Klaus Schweighofer (VÖP-Präsident und Vorstand Styria Media Group), Martin Blank (Servus TV), Martin Gastinger (ATV). Moderiert wurde die Veranstaltung von Kurier -Chefredakteur Helmut Brandstätter, der auch ein bisschen die Rolle des ORF übernehmen musste, da die öffentlich-rechtliche Anstalt niemand zur Diskussion entsandte.
Deshalb bemühte sich auch VÖP-Präsident Schweighofer gleich zu Beginn, festzustellen, dass dies keine Veranstaltung der Privatsender sei, sondern durchaus als ernstgemeinter Versuch, über das wichtige Thema Rundfunkfinanzierung senderübergreifend zu diskutieren.
In das selbe Horn stieß Markus Breitenecker, der in Gegenwart seiner Kollegen einen nationalen „Schulterschluss forderte, gegen die „Bedrohung der großen Player wie Google".
Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, einige Spitzen gegen den ORF loszulassen; er warf ihm vor, nicht transparent aufzuzeigen, dass er wirklich sparen würde und untermaute dies mit einem Chart, das belege, dass die Einnahmen des ORF in den letzten Jahren vor allem durch Gebühren gestiegen seien. Wobei: Es gehe gar nicht um die Frage der Ausgewogenheit in der Finanzierung, sondern viel- mehr um die Ausgewogenheit im Programm.
Servus-TV Chef Martin Blank, dessen Sender auch eine hochqualitative Nische für gleich drei Länder besetzt, sieht die Bedrohung für seinen Sender eher durch ORF III und zwar dann, „wenn im ORF hochqualitatives Programm zu ORF III verschoben werde".
Aufs Programm schoss sich auch ATV-Boss Martin Gastinger ein: Hier kaufe der ORF etwa im Serien-Bereich alle teuren Erstausstrahlungsrechte für Österreich, um sie dann zu „nachtschlafender Zeit zu vernichten, statt einige Rechte auch dem ORF zu überlassen und dieses Geld für erfolgreiche Eigenproduktionen wie etwa Vier Frauen und ein Todesfall zu nützen".
Generell findet der ATV-Boss, dass der ORF für internationale TV-Show-Rechte wie etwa ‚Dancing Stars zu viel Geld ausgebe: „Bei dieser Show kostet eine Folge 500.000 Euro, bei zehn Folgen sind das fünf Millionen Euro für Inhalte, die nichts mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu tun haben", so Gastinger.
Alle Diskutanten betonten ungewöhnlich versöhnlich die Wichtigkeit und Bedeutung des ORF, aber in einem ausgewogenen dualen System. Nur: Der ORF blicke „seit Jahrzehnten auf jährlich steigende Erlöse aus Programmentgelten zurück. Im Zeitraum von 1980 bis heute sind diese Einnahmen des ORF um durchschnittlich fast 4% pro Jahr gestiegen, während die Inflationsrate im gleichen Zeitraum durchschnittlich um gut 2% pro Jahr gestiegen ist. Betrachtet man die Entwicklung des ORF-Gesamtbudgets inklusive der Werbeerlöse in den letzten fünf Jahren, zeigt sich auch hier eine Steigerung um durchschnittlich über 2% pro Jahr. Dies ist einerseits bedingt durch die zusätzliche Zuwendung des Staats im Zeitraum 2010 bis 2013 in Höhe von insgesamt 160 Millionen Euro; andererseits wurden die Rundfunkgebühren ab Mitte 2012 erhöht, was zusätzlich rund 40 Millionen Euro im Jahr einbrachte", so der VÖP in einer Aussendung nach der Enquette.
Naturgemäß anders sieht der ORF die ganze Sache. Ebenfalls in einer Aussendung nach dem Event versuchte er die Kritik der Privaten zu entkräften. Der ORF spricht von „Falschmeldungen, die es richtig zu stellen gelte".
Etwa habe man bei den Sportrechten auch einige Großevents wie die Champions League oder die WM-Qualifikationsspiele auswärts nicht mehr bekommen.
Und was vor allem den Vorwurf der üppigen Ausstattung bzw. Inflationsanpassung betrifft, so laufe auch dieser ins Leere. Der ORF hierzu: Dieser ORF-Anteil wurde in den vergangenen 30 Jahren nie vollständig an die Inflation angepasst. Die Inflation seit 1984 betrug rund 85%. Das pro Monat und Teilnehmer dem ORF zufließende Programmentgelt ist zwischen 1984 und 2012 aber nur um 74,14% (von 10,21 auf 17,78 € ) gestiegen. Insgesamt spricht der ORF von „Krokodilstränen, die die Privaten hier im Bezug auf den heimischen TV-Markt vergießen würden", denn es sei Faktum, „dass der österreichische TV-Markt inzwischen von deutschen Sendern maßgeblich dominiert", werde, so der ORF.




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