Die wichtigsten Verbände, Marktteilnehmer und das BMWi diskutierten auf dem SmartHome-Branchentreff auf der IFA die erforderlichen Rahmenbedingungen für einen Durchbruch vernetzter Heime zum Massenmarkt
Der Markt für „Smart Homes“ bietet gute Aussichten für alle Beteiligten: Intelligent vernetzte Häuser versprechen den Endkunden mehr Komfort, höhere Sicherheit und Einsparungen bei den steigenden Energiekosten. Hersteller, Händler und Handwerk sehen die Chance für einen dynamisch wachsenden Markt. Doch diesen positiven Aussichten stehen auch Herausforderungen gegenüber: Fehlende Standards, ein in zu viele Insellösungen segmentiertes Produkt- und Technikangebot, noch hohe Kosten sowie häufig zu komplexe Produkt- und Bedienkonzepte stehen bislang der schnellen Entwicklung eines Massenmarkts entgegen.
In diesem Spannungsfeld trafen sich am 8. September 2013 hochrangige Vertreter der im Themenbereich Smart Home engagierten Verbände BVT (Bundesverband Technik des Einzelhandels e.V.), VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.), ZVEH (Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke) und Fachverband Consumer Electronics im ZVEI (Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronik-industrie e.V.) sowie Institutionen zum Branchenforum „SmartHome@IFA“ auf der IFA in Berlin. Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung hatte sich zum Ziel gesetzt, Antworten auf noch offene Fragen zu finden und die erforderlichen nächsten Schritte für eine erfolgreiche Entwicklung dieses Marktsegments zu definieren.
Das Treffen resultierte in der Vereinbarung zwischen den veranstaltenden Verbänden sowie des ebenfalls teilnehmenden IT-Branchenverbands BITKOM (Bundesverband Informations-wirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.) und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), die Entwicklung des Marktes und übergreifender Standards durch engere Abstimmungen zu beschleunigen.
Branchenteilnehmer suchen übergreifenden Standard für Smart Homes
Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender Aufsichtsrats des IFA-Veranstalters gfu, betonte in seiner Rede zur Eröffnung des Branchenforum die Mehrwerte, die Smart-Home-Lösungen den Kunden bieten. Er wies aber auch auf bestehende Bedenken von Kundenseite, vor allem im Hinblick auf Datensicherheit und Manipulationssicherheit, hin.
Stefan Schnorr, Ministerialdirektor beim BMWi, verwies auf eine von seinem Haus im Jahr 2011 in Auftrag gegebene Studie, die für das Jahr 2025 bereits ein Marktvolumen in Deutschland von 20 Milliarden Euro für Smart-Home-Lösungen prognostiziert. In dieser Zahl sind Konsumgüter wie Smart TV noch gar nicht enthalten. Deutschland sei in der Haustechnik stark und müsse diese Expertise in die Entwicklung und Verbesserung von Heimvernetzungs-Lösungen einbringen. In diesem Zusammenhang verwies Schnorr auch auf das Zertifizierungsprogramm „Smart Home and Building“, mit dem das Zusammenspiel vernetzter Komponenten durch ein Prüfsiegel nach außen sichtbar dargestellt werden soll.
Dr. Claudia Häpp von der BSH Bosch Siemens Hausgeräte GmbH stellte fest: Connectivity ist keine Vision mehr, sondern längst unser Lebensmodus. Dabei präsentierte sie verschiedene Konzepte zur Steigerung des Kundennutzens von der datenbank-gestützten Ermittlung der Wasserhärte bei der Inbetriebnahme von Hausgeräten, über digitale Einkaufslisten bis hin zu neuen Servicekonzepten per Ferndiagnose. Die von BSH sowie vielen weiteren Mitgliedern geförderte Initiative EEBus sei in der besten Position, zu einem übergreifenden Standard für Smart Homes und Energieeffizienz zu werden.
Harald Gerstner, Head of Partnermanagement bei der Smart-Home-Plattform Qivicon der Deutschen Telekom, betonte die Vorzüge der von ihm vertretenen Plattform. Er betonte jedoch, dass es sich dabei nicht um einen Technologie-Standard, sondern um eine Integrationsplattform für viele auf dem Markt bisher separat auftretende Technologien und Lösungen handele. Basis ist die „Home Base“ – eine von Qivicon propagierte Zentraleinheit, mit der sich Lösungen der beteiligten Partnerunternehmen steuern lassen.
Die Sichtweise und Erfahrungen des im Bereich Gebäudeautomation erfolgreichen Anbieters Busch-Jäger präsentierte deren Vertriebsmarketing-Leiter Andreas Jeide. Er stellte heraus, dass auch das von Busch-Jäger und vielen anderen Installationstechnik-Anbietern favorisierte Vernetzungssystem KNX die Vorzüge eines offenen Standards biete. Dabei betonte Jeide, dass neben Komfortaspekten auch Sicherheits-Anwendungen eine wichtige Rolle bei der Heimvernetzung spielen – wie etwa im Zusammenhang mit „Ambient Assisted Living“ (AAL), der Unterstützung von älteren und gebrechlichen Personen durch intelligente Wohnumgebungen. Zudem verwies auch Jeide auf die wichtige Rolle von Smart Homes im Zusammenhang mit der Energiewende. Auch die in der ZVEI-Fachabteilung „KNX Deutschland“ zusammengeschlossenen Unternehmen sehen in der EEBus-Iniative einen vielversprechenden Kandidaten für eine gemeinsame, offene Smart-Home-Plattform.
Praxisbezogene Erfahrungen und Einschätzungen eines im Smart-Home-Segment erfolgreichen Händlers trug Walter Nixdorf bei, Geschäftsführer der in Paderborn ansässigen Nixdorf Elektro+Leuchtenhaus GmbH. Er betonte, dass Beratungsleistung und individuelle Konzeptionen für breit gefächerte Kundenwünsche eine wichtige Chance für den Fachhandel darstellen, um sich gegen die Konkurrenz durch Großflächen-Märkte und das Internet zu behaupten.
Verbände und Institutionen wollen noch enger zusammenarbeiten
Die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion skizzierten die Anforderungen an eine gemeinsame Plattform: Dr. Andreas Gördeler, Ministerialrat beim BMWi, stellte dabei die Bedeutung mittelständischer Unternehmen für den Wirtschaftsstandort Deutschland heraus und betonte, dass sich künftige Lösungen vor allem auf die Erwartungen der Verbraucher konzentrieren müssen.
Willy Fischel, Geschäftsführer des BVT, unterstrich, dass sich schon heute viele Fachhändler intensiv weiterbilden, um ihren Kunden bedarfsgerechte Lösungen und Services anzubieten.
Dr. Hans Heinz Zimmer, Vorstandsvorsitzender des VDE, forderte in diesem Zusammen-hang, Vorteile und Nutzen von Smart-Home-Lösungen den Endverbrauchern noch besser zu vermitteln. Die Zusammenarbeit von IT und Elektrotechnik könnte die Keimzelle für einen Siegeszug in Deutschland entwickelter Angebote auch im internationalen Markt sein.
Ingolf Jakobi, Hauptgeschäftsführer des ZVEH, ergänzte, dass schon heute 36.000 ausge-bildete Gebäudetechniker und 2.500 spezialisierte Elektriker bereit stünden, um die Smart-Home-Wünsche der Kunden zu realisieren. Das Handwerk genieße dabei besonders hohes Vertrauen von Seiten der Endverbraucher.
Marco Junk, Geschäftsleiter Märkte & Technologien bei BITKOM, warnte davor, dass sich keineswegs die technisch beste Lösung durchsetzen müsse, wenn Anbieter mit besonders hoher Marktmacht das Feld für sich entdecken. Er mahnte zur Eile bei der Verbesserung der Zusammenarbeit und Entwicklung übergreifender Standards.
Dr. Klaus Mittelbach, Geschäftsführer des ZVEI, erinnerte am Beispiel der Gesetzgebung zu den intelligenten Stromzählern „Smart Meters“ daran, dass politische Prozesse zur Definition von Rahmenbedingungen angesichts sich schnell entwickelnder Märkte oft zu viel Zeit in Anspruch nehmen.
Task Force zur Plattform-Entwicklung
Trotz der zum Teil unterschiedlichen Sichtweisen und Schwerpunkte waren sich alle Diskussionsteilnehmer darüber einig, dass eine noch zu definierende Task Force aus den beteiligten Verbänden und Institutionen mit klaren Ziel- und Zeitvorgaben die Bedingungen für übergreifende Standards und integrative Plattformen entwickeln soll. Die traditionellen Stärken des deutschen Handwerks und der mittelständisch geprägten deutschen Industrie hätten dann gute Chancen, den Smart-Home-Markt nicht nur hierzulande zu einem erfolgreichen Massenmarkt voranzutreiben.




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