„Die Talsohle ist erreicht; das Licht am Ende des Tunnels war kein Zug, sondern das Streaming-Service" mit diesen Worten bilanzierte Hannes Eder, Präsident IFPI Austria, das Musikjahr 2013.

In Zahlen ausgedrückt, heißt das: 150 Mio. € wurden 2013 am österreichischen Musikmarkt mit physischen Tonträgern, Online-Verkäufen, aus Lizenzerträgen und neuen Geschäftsfeldern erwirtschaftet. Das entspricht einem Rückgang von zwei Prozent gegenüber 2012, ein Jahr zuvor waren es noch acht Prozent. Dass der Rückgang dieses Jahr eben „nur zwei Prozent ausmacht, liegt am Boom der Streaming-Dienste wie Spotify & Co. Eder: „Streaming schlägt bei den Konsumenten ein wie selten ein Musikservice zuvor. Grenzenlos Musik hören, wann und wo ich will, ist offenbar ein Angebot am Puls der Zeit. Streaming entwickelt sich neben den Downloads zum zweiten digitalen Standbein am Musikmarkt und hat das Poten-zial, die gesamte Branche wieder in Schwung zu bringen.

Österreich sei so Eder im internationalen Markt weder besonders gut noch schlecht entwickelt. „Wir finden eine ziemlich inhomogenen Markt vor, so Eder. Während Streaming-Dienste in nordischen Staaten wie Schweden oder Norwegen bereits 70% des Markts ausmachen, ist zum Beispiel in den USA der Download-Markt dominierend.

Und wie sieht es in Österreich konkret aus? Mit einem Umsatzplus von 17% wächst der heimische Online-Musikmarkt zum neunten Mal in Folge und erreicht 2013 bereits 31 Mio. €. Damit stammt schon jeder vierte in Österreich mit Musik erwirtschaftete Euro aus den verschiedenen Musik-Angeboten im Internet.

Hauptverantwortlich dafür sind die enormen Umsatz-Steigerungen mit Streaming-Abos: 6,5 Mio. € bedeuten eine Vervierfachung dieser Umsätze (+ 330%). Die physischen Tonträger CD, Musik-DVD und Vinyl erreichten 2013 einen Umsatz von 88 Mio. €, was einem Rückgang von acht Prozent bei einem nach wie vor hohen Umsatzniveau (Vergleichswert 2012: 96 Mio. €) entspricht.

Die Lizenzeinnahmen über die Verwertungsgesellschaft LSG sind von 22,5 auf 23 Mio. € angestiegen und die Umsätze aus sonstigen Geschäftsfeldern vor allem Merchandising und Synchrights steuerten weitere rund acht Mio. € zum Gesamtumsatz von 150 Mio. € bei.

Trotz steigender Beliebtheit von gestreamten Einzelsongs wird das Album als künstlerisches Konzept vermehrt nachgefragt vor allem auch in digitaler Form als Download aus den zahlreichen Online-Shops. Der Umsatz mit dem Download ganzer Alben hat um vier Prozent auf 13 Mio. € zugelegt und ist damit das größte Einzelsegment am Online-Musikmarkt. Downloads von Einzelsongs gingen hingegen bei einem Umsatz von 10,5 Mio. € um acht Prozent zurück. Der Konsum von Einzeltitel verlagert sich offenbar teilweise auf das stark wachsende Streaming-Segment. Knapp eine Mio. € steuern Handy-Klingeltöne bei ein konstanter Wert.

Interessant: Auch wenn immer mehr Musikfans die vielfältigen Online-Musikangebote nutzen, wurden 2013 auch mit physischen Tonträgern Umsatzzuwächse erzielt. Wie schon in den vergangenen Jahren hält der positive Trend beim Verkauf von Vinyl-Schallplatten an. 2013 sind die Vinyl-Umsätze wieder um satte 25% auf 2,5 Mio. € gestiegen. Der besondere Klang und das haptische Erlebnis machen Vinyl zu einem Kult-Produkt in einer florierenden Nische. Auch die Musik-DVD entwickelt sich positiv und konnte im vergangenen Jahr sogar ein Plus von 5% auf acht Mio. € Umsatz erzielen. Der Löwenanteil des Umsatzes mit physischen Tonträgerprodukten entfällt mit 77,5 Mio. € Umsatz nach wie vor auf die CD, ein Minus von 10% bei einem nach wie vor hohen Umsatzvolumen. Der Verlust von Präsentations-flächen im Handel macht es zunehmend schwierig, die vorhandene Nachfrage nach CDs zu bedienen. Insgesamt wurde mit physischen Tonträgern ein Umsatz von 88 Mio. € erzielt (2012: 96 Mio. €, gemessen nach media control GfK Kassendaten).

Neues Einnahmen-Potenzial ortet die IFPI auch bei der Festplattenabgabe. Eine aktuelle OGH-Entscheidung, wonach auch auf Festplatten eine Urheberrechtsabgabe anfällt, „könnte nun endlich dazu führen, dass österreichischen Künstlern und Produzenten diese Vergütung nicht mehr ungerechtfertigt vorenthalten wird, so IFPI-Geschäftsführer Franz Medwenitsch.