Herr Frehner, die Abschaffung der TV- und Radiogebühren, die Sie in der Initiative fordern, ist eine weitgehende Forderung. Warum so radikal?
Es ist der Auftrag der SRG, den Service public zu garantieren, ich stelle aber fest, dass das Schweizer Fernsehen weit mehr macht. Deshalb muss man dem SRF die finanziellen Möglichkeiten nehmen, eine derart breite Palette anzubieten.
Welche Formate stören Sie denn besonders?
«Schweiz sucht den Superstar», oder wie das heisst. Oder all diese seichten US-Soaps. Immer wenn ich ausnahmsweise mal SRF einschalte, läuft irgendein Schmarren. Auch die ganzen Spielshows gehören nicht zum Service public. Mit dem neuen Radio- und Fernsehgesetz soll die SRG sogar noch mehr Geld bekommen. Kein Wunder, fährt das SRF mit hundert Leuten an die WM und macht launige Berichte über die Favelas. Immer wenn eine Organisation zu viel Geld hat, ohne dass sie sich darum kümmern muss, woher es kommt, gibt es unvernünftiges Zeug.
Sie bestreiten also nicht, dass es Aufgaben gibt, die die öffentlichen Sender erfüllen müssen. Wie soll ihnen das gelingen, wenn Sie der SRG den Geldhahn ganz zudrehen?
Wenn wir die Billag-Mittel streichen, sind wir gezwungen zu überlegen: Gibt es Aufgaben, für die wir ein staatliches Fernsehen brauchen? Und dann kommt man wohl zum Schluss, dass es eine Sendung wie «Schweiz aktuell» braucht oder einen rätoromanischen Sender. Mir gefallen auch Sendungen, in denen man etwas über das Leben in anderen Landesregionen erfährt. Es gibt ein öffentliches Interesse daran, etwas über die unterschiedlichen Kulturen, auch die Gegensätze, zu erfahren. Das kostet etwas, dem widersetze ich mich bestimmt nicht. Das Geld ist gut investiert in den Zusammenhalt des Landes.
Gäbe es keine Billag mehr, müsste dann die Finanzierung dieser «SRG light» über den Staat sichergestellt werden, also durch Steuergelder?
Es könnte eine Fernsehsteuer sein wie heute, aber auch über die Bundessteuern abgewickelt werden. Solche Fragen müssten Bundesrat und Parlament beantworten, wenn wir mit unserer Initiative erfolgreich sind. Es ist klar, das sind heikle Fragen. Und wahrscheinlich würden auch Sachen hineingepackt und finanziert, von denen ich finde, dass sie nicht zum Service public gehören. Aber zumindest würde mal eine Diskussion stattfinden. All das Beigemüse müsste sich dann selber finanzieren.
Bräuchte es auch eine Reduktion der öffentlichen Radio- und TV-Sender?
Nicht unbedingt. Mich stört nicht die Anzahl Sender per se, sondern dass die SRG das Volk abzockt. Künftig sollen ja sogar jene die Gebühr bezahlen müssen, die nicht mal TV schauen oder Radio hören!
Wie hoch soll denn der Betrag sein, den ein Haushalt für den Service public, wie Sie ihn sich vorstellen, maximal bezahlen soll?
Vielleicht 40 Franken im Jahr.
Das wäre noch ein Zehntel des heutigen Beitrags – damit liesse sich doch kein Service public sicherstellen!
Das ist viel Geld, so viel bezahlen wir für die Autobahnvignette. Die Leute sind wohl etwa gleich häufig im Auto unterwegs wie sie vor dem TV sitzen (lacht).
Die SVP schimpft häufig über das «linke Staatsfernsehen» – geht es Ihnen nicht in erster Linie darum, eine ungeliebte Institution totzusparen?
Das ist bei mir nicht der Hauptbeweggrund, ich betrachte die SRG gelassener als einige meiner Parteikollegen. Ich finde viele Sendungen sehr gut! Aber natürlich gibt es ein gewisses Ungleichgewicht, linke Journalisten sind sicher in der Überzahl.
Glauben Sie, dass Sie mit ihren Argumenten das Volk überzeugen können?
Ja, klar. Die Leute überlegen sich sehr gut, ob sie 500 Franken mehr oder weniger in der Tasche haben wollen – das hat schon beim Kampf gegen eine Preiserhöhung für die Vignette bestens funktioniert. Und jetzt betrifft es fast alle Bürger dieses Landes. Sie werden sich fragen: Brauchen wir das Schweizer Fernsehen wirklich? Viele werden antworten: nein. Zuerst müssen wir schauen, dass wir die 100‘000 Unterschriften zusammenbringen. Es sind junge, motivierte Leute am Werk. Aber ich weiss aus Erfahrung, dass die Unterschriftensammlung ein hartes Stück Arbeit ist.




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