Käthe Kruse ist mehr als nur die berühmte "Puppenmutter": In der bewegenden Filmbiografie schlüpft Friederike Becht am Samstag, dem 4. April 2015, um 20.15 Uhr in ORF 2 in die Rolle der Unternehmerin "Käthe Kruse", die zu den faszinierendsten Frauenfiguren des 20. Jahrhunderts zählt. Die gleichnamige ORF-Premiere beleuchtet die weniger bekannten Facetten ihres bewegten Lebens mit Höhen und Tiefen: Käthe Kruse war Schauspielerin, Mutter und vielseitige Künstlerin. In einer Zeit, in der von Gleichberechtigung noch lange keine Rede war, tritt sie aus dem Schatten ihres berühmten Partners, um als Unternehmerin Karriere zu machen. Ihr bahnbrechender Markenschutzprozess, mit dem sie ihr geistiges Eigentum gegen einen übermächtigen Spielzeugfabrikanten verteidigt, geht in die Geschichte ein. Neben Becht standen auch Fritz Karl ("Spuren des Bösen - Schande") in der Rolle von Max Kruse und Ursula Strauss, die derzeit den vierten "Schnell ermittelt"-Film dreht, als Mutter Christiane vor der Kamera - und das in aufwendiger Maske. Ebenfalls aus Österreich und mit dabei: Karin Lischka ("Atmen"). In weiteren Rollen sind u. a. Franz Dinda, Helena Schönfelder, Rainer Bock und Wilfried Hochholdinger zu sehen. Regie führte Franziska Buch nach einem Drehbuch von Sharon von Wietersheim.
Regisseurin Franziska Buch: "Es kommt darauf an, einen Fokus zu finden"
"Beim fiktionalen Erzählen historischer Figuren kommt es darauf an, einen Fokus zu finden, wenn man einer Figur gerecht werden will. In unserem Fall ist es der Werdegang von Käthe Kruse in ihrer Bindung zu Max Kruse. Natürlich sind die Fakten eines Lebens dabei wichtig, aber sie müssen auch durch Fiktionalisierung mit Leben erfüllt werden, sonst wird es langweilig. Man muss sich trauen zu interpretieren, nur dann bekommt die Geschichte einen Fokus." Und weiter über die Hauptdarstellerin: "Friederike Becht ist eine von Deutschlands interessantesten und herausragendsten jungen Schauspielerinnen, die wir für die Rolle der Käthe Kruse gewinnen konnten. Ich war von ihrer erstaunlichen Präsenz, ihrem Fleiß und ihrer Professionalität sowie ihrer beeindruckenden Wandlungsfähigkeit immer wieder begeistert. Ich habe mich sehr für sie gefreut, als ich hörte, dass sie den Ulrich-Wildgruber-Preis erhalten hat. Man wird in Zukunft noch sehr viel von ihr hören."
Friederike Becht: "Mutig, emanzipiert und stark"
Friederike Becht ist in der Hauptrolle von Käthe Kruse zu sehen: "Die Käthe Kruse, von der wir erzählen, war eine Schauspielerin, ein verstoßenes, ungeliebtes Kind. Eine Frau, die sich trotzdem ihr Recht auf Leben erkämpft hat, die aus ihrem kleinen Dasein etwas machen und ihrer Mutter helfen wollte. Sie war Schneiderin, hat ihr Leben lang nur gearbeitet und versucht, diesem Menschen etwas zurückzugeben und etwas zu finden, das ihr einen Platz im Leben gibt. Sie muss schon emanzipiert gewesen sein, um damals den Schauspielerberuf zu wählen, aber sie hatte gar keine andere Wahl. Und dieser Weg ist schon ein mutiger, und so gesehen war sie auch emanzipiert und stark." Im Bett ihres Sohnes liegt zwar eine Spieluhr von Käthe Kruse, wirklich viel wusste Becht aber vor diesem Film nicht über die titelgebende Hauptfigur: "Ich habe mich für das Casting eingelesen und dann begonnen, Bücher und Biografien durchzugehen. Wir erzählen nicht komplett naturtreu alles genauso, wie es war, sondern machen einen Film daraus und versuchen, sie gut zu zeichnen, auch weil wir aus dem Stückchen Leben, das wir erzählen, immer einen Schwerpunkt wählen."Ursula Strauss: "Eine mutige, starke Frau - ihre Geschichte finde ich faszinierend"
Ursula Strauss über ihre Rolle: "Sie war eine Frau, die es nicht leicht gehabt hat. Sie hat ihr uneheliches Kind aufgezogen, wofür man damals wie eine Aussätzige behandelt worden ist. Was sie auszeichnet, ist, dass sie das Kind nicht weggegeben, sondern es bei sich behalten und es durch harte Arbeit irgendwie geschafft hat, das Kind großzuziehen, das letztendlich mit genau derselben Situation konfrontiert wird wie ihre Mutter. Ich glaube, die beiden hatten eine sehr innige Beziehung - auch wenn man das vielleicht auf den ersten Blick nicht so sieht. Der Kern ist ein inniger, liebevoller, liebender, aber ich glaube nicht, dass sie das so stark gezeigt hat." Und weiter über Käthe Kruse: "Ich hatte zwar keine Käthe-Kruse-Puppe, aber der Name hat mir natürlich etwas gesagt. Ich kenne die Puppen, ich kannte sie als Puppenmacherin und wusste, dass die Puppen berühmt sind. Aber ich wusste nicht, wie ihr Weg war, ich wusste nicht, dass sie diesen Prozess geführt - und gewonnen hat. Und wie sie damit umgegangen ist. Käthe Kruse ist eine mutige, starke Frau - ihre Geschichte finde ich faszinierend." Für ihre Altersmaske steht Ursula Strauss rund zweieinhalb Stunden in der Maske: "Unsere Maskenbildner sind Künstler - es ist ein Kunstwerk. So schlüpft man in eine andere Zeit, und das macht mir großen Spaß. Und ich mag Historisches."
Fritz Karl: "Ein zeitloses Thema"
Fritz Karl spielt Max Kruse, der jahrelang in wilder Ehe mit Käthe Kruse zusammenlebt: "Max Kruse war ein Bildhauer. Sehr traditionell, ein Freigeist. Doch sein künstlerischer Zenit war überschritten. Es kam eine andere Kunstrichtung, und er wurde einfach von der neuen Zeit und dem neuen Stil überholt. Aber er war oder ist - so wie ich ihn spiele - trotzdem ein Querdenker, der sich in seiner künstlerischen Identität sehr wohlfühlt und kämpferisch ist, der gewisse bürgerliche Konventionen ablehnt - wie eigentlich auch die Ehe, auch wenn er Käthe schließlich doch wirklich aus Liebe heiratet. In Wirklichkeit war das alles ein bisschen anders. In Wirklichkeit hat er bis zum Schluss mit der Frau Prozesse geführt und gewissermaßen von ihr gelebt. Und außerdem: Ein älterer Mann mit einer jüngeren Frau, eigentlich ein zeitloses Thema." Über Käthe Kruse: "Das ist das Geschenk dieses Berufs, dass man immer wieder auf Biografien oder Geschichten stößt, die man vielleicht so nicht kennt. Ich kannte auch Max Kruse nicht - den habe ich dann über Tagebücher und Biografien kennengelernt. Was wirklich interessant ist, ist das, was der Mann erlebt: Ein Mädchen, das er mit 17 oder 18 Jahren kennenlernt, die sich an seiner Seite total emanzipiert, was ihm teilweise gar nicht recht ist, weil er plötzlich nicht mehr die Frau zu Hause hat, sondern eine eigenständige Künstlerin mit einem eigenen Leben, eigenen Gedanken."
Mehr zum Inhalt
Als uneheliche Tochter einer Näherin hat die junge Katharina Simon (Friederike Becht) keine rosigen Zukunftsaussichten. Doch in der zielstrebigen Frau schlummern ungeahnte Talente. Mit 17 Jahren debütiert sie mit großem Erfolg als Schauspielerin am Berliner Lessingtheater. Die Welt liegt ihr zu Füßen, als sie auf der Premierenfeier den prominenten Künstler Max Kruse (Fritz Karl) trifft. Die beiden werden ein Paar; der frisch geschiedene Bildhauer aber ist nicht bereit, erneut zu heiraten, auch nicht als Käthe ein Kind von ihm erwartet. Auch ohne Trauschein verleben beide glückliche Jahre, doch ihr uneheliches Zusammenleben entspricht nicht den Moralvorstellungen der feinen Berliner Gesellschaft. Als der Bildhauer keine Käufer mehr für seine Skulpturen findet, erwägt er eine Trennung auf Zeit. In dieser schwierigen Situation ergreift Käthe die Flucht nach vorne. Zusammen mit ihrer Mutter Christiane zieht sie auf den Monte Verità im Tessin, eine Künstlerkolonie, in der alternative Lebensformen erprobt werden. Auf Max’ briefliche Anregung hin bastelt Käthe hier für ihre kleine Tochter eine Puppe -nicht ahnend, dass dies den Wendepunkt in ihrem Leben bedeutet. Der natürliche Gesichtsausdruck mit lebendiger Mimik begeistert Kinder und Eltern gleichermaßen. Die Presse feiert Käthes liebenswürdige Puppe, ein großer amerikanischer Spielwarenhändler bestellt gleich 200 Stück. Käthe aber lässt sich von dem ungeahnten Erfolg nicht fortreißen. Sie überblickt die Situation und eröffnet eine Manufaktur, um die Puppen nach ihren Qualitätsvorstellungen zu produzieren. Für Max, dessen Stern immer weiter sinkt, ist es nicht einfach, der erfolglose Mann einer aufstrebenden Unternehmerin zu sein. Als der mächtige Spielzeugfabrikant Bing (Wilfried Hochholdinger) Käthes Erfolgsmodell kopiert - und seine maschinell gefertigten Billigprodukte auch noch mit dem Slogan "Imitation der Käthe-Kruse-Puppe" bewirbt -, droht ihrer Manufaktur das Aus. Doch Bing ahnt nicht, was es heißt, sich mit Käthe Kruse anzulegen.
"Käthe Kruse" ist eine Koproduktion von Rich and Famous Overnight Film und epo-film Wien in Koproduktion mit ARD Degeto, BR, MDR und ORF - gefördert von Fernsehfonds Austria, FilmFernsehFonds Bayern, Mitteldeutsche Medienförderung, Cinestyria Filmcommission and Fonds, Cine Art und der Stadt Graz.




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