Der ORF darf seine geplante Radiothek umsetzen. Die KommAustria genehmigte das Projekt laut einem Bericht vom „Standard“ unter bestimmten Auflagen. Dem ORF ist es demnach verboten, PreRoll-Werbung bei Ö1 zu schalten, Kinder- und Archiv-Sendungen dürfen überhaupt keine Werbung enthalten. Darüber hinaus untersagt die KommAustria dem ORF, User mit Werbeblockern auszusperren. Das Angebot muss auch mit aktiviertem Werbeblocker funktionsfähig bleiben, außerdem muss es in der Radiothek die Funktion geben, Werbung überspringen bzw. ausblenden zu können. Grundsätzlich hat die Medienbehörde Werbung in der geplanten Radiothek aber erlaubt. Pro Visit darf allerdings nur ein PreRoll-Clip ausgespielt werden - es sei denn, ein Nutzungsvorgang dauer länger als zehn Minuten. Noch ist die Entscheidung der KommAustria nicht rechtskräftig, innerhalb von vier Wochen kann der ORF Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einreichen.
Ähnlich wie bei der TVthek will der ORF in der Radiothek seine Radio-Inhalte bündeln und ausspielen. Das Angebot soll wenig überraschend unter radiothek.ORF.at zu finden sein.

Jährliches Wachstum von zehn Prozent
Der ORF geht lauf dem KommAustria-Bericht davon aus, dass rund 85 Prozent der geplanten Erlöse durch Audio-PreRolls generiert werden. „Die restlichen 15 Prozent ergeben sich durch alle anderen Arten von Display-Ads.“ Laut dem Bericht soll die Radiothek jährlich um etwa zehn Prozent wachsen.

Private sind gegen Radiothek
Bei den privaten Radiosendern dürfte die Entscheidung der KommAustria auf wenig Verständnis stoßen. Bereits vor einem Jahr hieß es vom Verband Österreichischer Privatsender (VÖP), dass die Radiothek-Pläne des ORF eigentlich nicht genehmigungsfähig seien. Der Verband sprach damals von einer „unkontrollierbaren Erweiterung des Hörfunkangebots des ORF“ und befürchtete „deutlich negative Konsequenzen für die Wettbewerbssituation der österreichischen Privatsender“.
Das sieht man bei der KommAustria aber offenbar anders. In dem Bericht, den der „Standard“ auf seiner Webseite übrigens vollständig veröffentlicht hat, wird festgehalten, dass der angepeilte Werbemarkt gar nicht dem Radiowerbemarkt entspreche. Auch der Radiohörermarkt sei nur ein „benachbarter Markt“, so die Medienbehörde. Die ORF-Radios besitzen mit etwa 74 Prozent Marktanteil bereits jetzt eine starke Stellung im Markt: „Es stellt sich die Frage, ob diese Marktposition durch das neue Angebot noch zusätzlich gefestigt wird und sich daraus negative Auswirkungen auf den Radiowerbemarkt ergeben können.“ Die KommAustria beantwortet diese Frage anscheinend mit einem „nein“.
Eine Öffnung der TVthek für private Radios ist nicht geplant. Hier argumentiert die KommAustria mit einem ähnlichen Fall aus Großbritannien: 2006 untersuchte die britische Medienaufsichtsbehörde OFCOM das damals geplante „iPlayer Radio“ der BBC, einem ähnlichen Angebot wie der ORF-Radiothek. Das Fazit: Die BBC darf das Angebot betreiben und muss private Inhalte nicht aufnehmen. Zur Begründung sagten die Medienwächter damals, dass es für die Privatradios schwieriger werden würde ein eigenes Angebot an den Start zu bringen, wenn sie alle beim „iPlayer Radio“ mitmachen würden. Die Privatradios selbst würden die BBC damit noch stärken, so die OFCOM.

Privatradios planen eigenes Angebot
Die britischen Privatradios argumentierten damals ähnlich wie die österreichischen Privaten heute: Der ORF weitet seine Radio-Macht ins Netz aus und die Privaten haben keine Chance dagegen anzukommen. Der Vorsitzende des VÖP, Klaus Schweighofer, schlug 2014 bereits vor, dass auch die Privatradios Zugangs zur ORF-Radiothek haben sollten. Konkrete Anfragen sind beim ORF diesbezüglich aber noch nicht eingegangen. Inzwischen planen die Privatsender einen eigenen Radioplayer, der noch in diesemSommer starten soll.
Welche Vor- und Nachteile ein geschlossenes bzw. offenes System für den Radiomarkt habe, könne erst „nach Einführung des neuen Produkts aufgrund valider Daten“ gesagt werden, heißt es in dem Bericht der KommAustria.