Der französisch-israelische Milliardär Patrick Drahi baut sein Engagement auf dem US-Kabelmarkt kräftig aus. Sein Kabel- und Telekomkonzern Altice mit Sitz in den Niederlanden kauft den Anbieter Cablevision und wird damit nach eigenen Angaben zur Nummer vier der US-Branche. Der 52-jährige Drahi hat sein Portfolio in den vergangenen Jahren mit einer milliardenschweren Einkaufstour rasant ausgebaut und zimmert an einem internationalen Telekom-Imperium.
Altice zahlt je Cablevision-Aktie 34,90 US-Dollar, wie beide Unternehmen am Donnerstag, den 17. September mitteilten. Damit beträgt der Kaufpreis rund 9,6 Milliarden US-Dollar (8,5 Mrd Euro). Inklusive Schulden liege der Unternehmenswert bei 17,7 Milliarden Dollar. Der Deal soll im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossen werden und braucht noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter.
Altice war bereits im Mai auf dem US-Markt aktiv geworden und hatte für gut 8 Milliarden Dollar 70 Prozent am Anbieter Suddenlink übernommen. Cablevision hat 3,1 Millionen Kunden vor allem in der Metropolregion New York. Auf dem fragmentierten US-Markt rollt seit einigen Jahren eine Fusionswelle, weil das Videostreaming von Internetfirmen wie Netflix die Kabelanbieter mit ihren verhältnismäßig hohen Preisen gehörig unter Druck setzt.
Drahi, geboren in Casablanca und Sohn eines Mathelehrerehepaars, hatte im Alter von 28 Jahren sein erstes eigenes Unternehmen gegründet und Kabeldienste in Südfrankreich angeboten. Seine kurz darauf gestartete zweite Firma finanzierte er mit einem Studentenkredit - heute wird sein Vermögen von „Forbes“ auf 15,9 Milliarden US-Dollar geschätzt.
In Frankreich mischte Drahi im vergangenen Jahr auch den Mobilfunkmarkt auf, als er im Rennen um die Übernahme der damaligen Vivendi-Tochter SFR den großen Mischkonzern Bouygues ausstach. Er führte SFR mit seiner Kabelnetzfirma Numericable zusammen. Eher nebenbei übernahm er noch die linksliberale Tageszeitung „Libération“ und das Magazin „L'Express“. Sein Versuch, die Telekom-Sparte von Bouyges abzukaufen, scheiterte allerdings im Frühjahr. Altice ist auch in Belgien, Luxemburg, Portugal, Israel und der Schweiz aktiv.
Kehrseite des rasanten Wachstums ist ein hoher Schuldenberg: Mitte des Jahres beliefen sich die Schulden des Konzerns bereits auf mehr als 33 Milliarden Euro. Drahi stellte dem bei einer Anhörung vor französisischen Abgeordneten Ende Mai entgegen, dass der Börsenwert der Gruppe ähnlich hoch sei wie die Schulden - das Verhältnis der beiden Zahlen enspreche damit dem Kredit-Anteil bei einem Hauskauf.




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