„Die Leute glauben Journalisten nicht mehr“, sagt Ulrik Haagerup, Nachrichtenchef des dänischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks DR. Begriffe wie „Lügenpresse“ sind nicht erst seit gestern im Umlauf, Journalisten sind eine der unbeliebtesten Berufsgruppen. Haagerup will das ändern. Dafür beschäftigt er sich mit dem Thema „Constructive News“ und hat bereits ein Buch mit einem gleichnamigen Titel veröffentlicht. Er ist der Meinung, dass Journalisten zu viele negative Berichte produzieren, die oft destruktiv und wenig lösungsorientiert seien. „Das zeichnet ein falsches Bild der Welt“, sagt er.
Nun hat ihn der ORF nach Wien eingeladen, um seine Ideen eines besseren Journalismus vor den Redakteuren zu präsentieren – und diskutieren. Stefan Ströbitzer, Leiter der TV-Programmentwicklung und Projektleiter für multimediales Arbeiten im Rahmen des Medien*standort-Projekts, sagt, dass es darum gehe, den Journalisten im Haus Inspirationen und neue Ideen für ihre *Arbeit mit auf den Weg zu geben. Die zwei Workshops mit Haagerup seien komplett ausgebucht gewesen.
Haagerup sagt, es brauche nicht mehr Nachrichten, sondern einen „besseren Journalismus.“ Das Ziel müsse es sein, die Welt mit beiden Augen zu sehen. In der Flüchtlingskrise müssten beide Seiten betrachtet werden. So dürfe es nicht nur darum *gehen, wie die Flüchtlinge die Staatskasse belasten. Auf der anderen Seite müssten Probleme angesprochen werden. „Journalisten müssen Journalisten bleiben und dürfen nicht zu Politikern werden.“ Es gehe darum, sich von keiner Seite vereinnahmen zu lassen.
„Wir machen das, was wir gestern gemacht haben“
In Dänemark gab es ein Bild von spielenden Flüchtlingskindern sowie ein Foto eines Mannes, der Flüchtlinge bespuckt hat. Sein Sender habe beide Szenen gezeigt. Haagerups Idee klingt wie die klassische Journalismus-Definition: Präsentiert den Rezipienten beide Seiten einer Geschichte. Das Problem: Tragödien und negative Schlagzeilen verkaufen sich oft besser. „Wir sind konservativ und machen immer das, was wir gestern gemacht haben“, sagt Haagerup. Man müsse anfangen, neu zu denken.
Manchmal scheint es wie ein Kampf gegen Windmühlen. Zu viele Medien schielen auf das schnelle Geld mit einfachen Meldungen, Polizei*meldungen sind online der Renner. Unterkriegen lassen will sich Haagerup nicht. „Manchmal muss man auch naiv sein: Es ist möglich, den Journalismus zu ändern. Es ist nur eine Frage der Einstellung.“
„Das ist nicht die Neuerfindung des Journalismus“
Für Stefan Ströbitzer sind das gute Ansätze, um zumindest die eigenen Herangehensweisen zu überdenken. „Aber das Thema ‚Constructive News‘ ist nicht die Neuerfindung des Journalismus.“ Beim ORF habe man längst damit begonnen, so seien im Zuge der Flüchtlingskrise auch *lösungsorientierte Beiträge zu hören und sehen gewesen. In der Sendung €co gab es zuletzt eine Reihe über österreichische Firmen, die in ihren Bereichen zum Weltmarktführer aufgestiegen sind.




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