Vor wenigen Monaten hatte Nikolaus Harnoncourt seine aktive Zeit als Dirigent aus gesundheitlichen Gründen beendet, nun erschüttert die Nachricht über seinen Tod nicht nur die Musikwelt. ATV 2 ändert dem Künstler zu Ehren sein Programm und widmet ihm am Sonntag, den 13. März, gleich drei Sendungen: Um 16.10 Uhr geht Franz Zoglauer in „Bravissimo“ auf das Wirken und den Tod des großen Dirigenten ein. Anschließend zeigt ATV 2 um 16.15 Uhr die von Harnoncourt dirigierte Schumann-Oper „Genoveva“. Und auch „Highlights – Das Kulturmagazin“ stellt um 18.50 Uhr den großen Dirigenten in den Mittelpunkt.
2008 dirigierte Nikolaus Harnoncourt im Opernhaus Zürich das engagierte Zürcher Orchester für das von Martin Kušej inszenierte Werk „Genoveva“ – die einzige Oper Robert Schumanns, geschrieben 1847/48 in Dresden. „Eine Pioniertat, die zu den stärksten Erinnerungen an meine Intendanz in Zürich gehört“, bezeichnet Alexander Pereira diese international gefeierte Produktion.
Für Nikolaus Harnoncourt stellt Schumanns Werk nichts Geringeres als eine Wiederentdeckung der Oper dar. Der angesehene Dirigent und vehemente Verfechter der „Genoveva“ nahm die Oper im Jahr 1997 auf und präsentierte 2008, zusammen mit Martin Kušej, die erste szenische Produktion dieses Werks in der Zürcher Oper. Mit dem Zürcher Orchester demonstriert er, wie radikal, wie unkonventionell und wie modern Schumanns Traum einer neuen Musikdramatik war.
Das Werk gehört der deutschen Romantik an und orientiert sich an deutschsprachigen von Komponisten wie Weber und Wagner geschaffenen Opernwerken. Trotz seiner liedhaft-schlichten und anrührenden Passagen, seiner wirkungsvollen Choräle und Gesänge, seiner schillernden orchestralen Farben und seiner kühnen Instrumentationseffekte hat es das Werk auf der Bühne nie zum Klassiker gebracht.
Die Geschichte der Heiligen Genevieve oder Genoveva von Brabant spielt im Mittelalter und handelt davon, dass Genovevas Ehemann Siegfried sich auf einen Kreuzzug begibt und seine Frau allein zurücklässt. Er bittet seinen Freund Golo, über sie zu wachen. Dieser nutzt die Situation aus, drängt sich der jungen Frau auf und wird verschmäht. Gedemütigt und voller Rachegefühle, erzählt er Siegfried, dass Genoveva sich der Untreue schuldig gemacht hat. Siegfried, voller Zorn, verurteilt sie zum Tode, deckt die Intrige allerdings bei seiner Rückkehr auf und rettet seine Frau in letzter Minute. Die Oper schließt mit einem Happyend.
Kušejs minimalistische Produktion holt Robert Schumanns Genoveva aus der Ferne einer mittelalterlichen Schauerlegende ganz nah heran und zoomt fast klinisch auf das Seelenleben der Protagonisten. Damit spiegelt er Schumanns psychologisch komplexe Führung der Gesangstimmen.
Die Zentralgestalt des Dramas, Genoveva, rein und keusch auch im Moment der äußersten Anfechtung, bringt Juliane Banse auf die Bühne. An ihrer Seite singt Shawn Mathey mit seinem „perfekten Tenor“ (Opéra) den Golo. Martin Gantner beeindruckt als Siegfried genauso wie Cornelia Kallisch in ihrer Rolle als Margaretha, Amme und Hexe in Personalunion.
Auch „Highlights – Das Kulturmagazin“ erinnert im Anschluss an „Genoveva“ um 18.50 Uhr an Nikolaus Harnoncourt. An den Dirigenten, Musiker und Schriftsteller, der ein geradezu fanatischer Kämpfer für die Anliegen der Komponisten und der gefährdeten Kultur unseres Landes war.




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