"Die ORF-Sendung 'Im Zentrum' war bisher ein Diskussionsformat, wo die verschiedenen Positionen der Gäste beleuchtet werden. Daraus jetzt eine One-Man-Show für den SPÖ-Parteivorsitzenden zu machen, weil es gerade politisch opportun ist, ist sehr besorgniserregend", hält ÖVP-Mediensprecher Generalsekretär Peter McDonald fest, und weiter: "Der ORF muss als Leitbetrieb der heimischen Medienlandschaft für eine freie und unabhängige Berichterstattung stehen. Dafür hat der Sender unterschiedlichste Formate zur Verfügung. Um bestimmte Themen, wenn gewünscht, mit einer Einzelperson aufzuarbeiten, gibt es die 'Pressestunde', den 'Report', die 'ZiB' und viele andere." Für die ÖVP ist klar: Ein öffentlich-rechtlicher Sender muss bei der Auswahl seiner Gäste, insbesondere, wenn es um Vertreter aus der Politik geht, besondere Sensibilität an den Tag legen. "Eine einseitig nur an den SPÖ-Parteivorsitzenden ergangene Einladung für eine Diskussionsendung widerspricht daher klar dem öffentlich-rechtlichen Auftrag und der gebotenen Unabhängigkeit des ORF", so McDonald.

"Durch diesen Schachzug entsteht der Eindruck, dass sich der ORF mit einem Handlangerdienst für die SPÖ dafür hergibt, den Meinungsschwenk des SPÖ-Parteivorsitzenden in der Flüchtlingsfrage nicht nur zu kaschieren, sondern ihn auch fälschlicherweise durch seine Einzelstellung zum Erfinder der Strategie zu machen", betont McDonald. Dies sei nur das aktuellste "Entgegenkommen" dem Kanzler gegenüber, der es einfach nie ins ZiB 2 Studio zu schaffen scheint. "Eigentlich fehlt nur noch, dass Faymann am Sonntag wieder einmal im Bundeskanzleramt interviewt wird", so der ÖVP-Mediensprecher.

Durch derartige Signale, die in Richtung politischer Interventionen interpretiert werden können, setzt Generaldirektor Wrabetz, der sich im Sommer der Wiederwahl stellt, die Glaubwürdigkeit und Objektivität des ORF aufs Spiel. "Wir fordern den Generaldirektor auf, unverzüglich Stellung zu den im Raum stehenden Vorwürfen zu beziehen und seinen Ansatz im Sinne einer unabhängigen Berichterstattung zu überdenken", so McDonald.