Lange wurde darüber debattiert, ob man die Kandidaten, die sich als ORF-Generaldirektor bewerben, auch öffentlich anhören soll. Letztlich einigte man sich im Stiftungsrat auf eine Präsentation der Konzepte - ohne anschließende Fragerunde. Das, was ORF III da am Montagabend um 18 Uhr zeigte, war streng genommen also gar kein Hearing. Das folgt erst am Dienstag vor dem Stiftungsrat.
Dennoch erfreute sich die Live-Präsentation der Konzepte auf ORF III großer Beliebtheit - auf Twitter gab es in der Zeit kein anderes Thema. Die Regeln für Alexander Wrabetz und Richard Grasl: Sie dürfen 15 Minuten ihre Konzepte vorstellen, sollen sich möglichst auf ihre eigenen Ideen konzentrieren und nicht über die des Gegenüber referieren und sehen die Präsentationen des jeweils anderen nicht.
Wrabetz machte den Anfang - so wollte es das Los. Wie schon in den vergangenen Wochen zählte der amtierende ORF-Chef zunächst die Vorzüge des ORF auf - und das man im Ausland sehr geschätzt werde. Wrabetz spulte sein Konzept aus den vergangenen Wochen ab: Mehr Social Media, Stärkung der Info-Schiene in ORF eins und weiterer Ausbau von ORF III. Der ORF-Chef hatte bei seiner Präsentation eher das große Ganze im Blick. Als nach 14:30 Minuten ein Gong ertönt, wird Wrabetz sichtlich nervös und fordert ein, noch ausreden zu dürfen - durfte er natürlich.
Grasl und die Komfortzone
Direkt im Anschluss kam Grasl auf die Bühne und wünschte dem Publikum fast einen guten Morgen. Der Finanzdirektor begann seine Präsentation mit den Worten „Ich habe beschlossen, meine Komfortzone zu verlassen, um Magisches zu leisten.“ Der ORF benötige mehr „Braunschlags“ und „Vorstadtweiber“, sagte er. Zudem plane er eine „Informationsexplosion“. So soll es in Zukunft möglich sein, Dokumentationen zu aktuellen Ereignissen, Grasl bezog sich auf den Putschversuch in der Türkei, innerhalb von 24 Stunden zu produzieren und im Hauptabend ins Programm zu nehmen. Grasl präsentierte im Gegensatz zu Wrabetz sehr detailliert seine Programm-Ideen. Finanzieren will er diese durch Einsparungen in Verwaltung und Technik.
„Ich trete an, weil ich glaube dass nach zehn Jahren eine Veränderung notwendig ist“, sagte er über Alexander Wrabetz, der inzwischen schon seit 2006 ORF-Generaldirektor ist. Zum Schluss reichte Grasl Wrabetz die Hand und bot ihm, falls er am Dienstag die Wahl gewinnt, einen Job an. Wrabetz könne sich weiter um die EBU kümmern, er würde gerne weiter mit ihm zusammenarbeiten, so Grasl. Der Finanzdirektor beendete seine Präsentation schließlich deutlich vor dem Ende der 15 Minuten.
Beide zeigen das gleiche Foto
Kurios: Als die beiden Kandidaten beschrieben, wie sich die Mediennutzung er Menschen in den vergangenen Jahren verändert hat, zeigten sie in ihrer Präsentation das gleiche Bild. Am Dienstag stellen Wrabetz und Grasl ihre Konzepte noch einmal vor dem Stiftungsrat vor und stellen sich auch den Fragen der einzelnen Stiftungsräte. Danach wählt das oberste ORF-Gremium einen neuen Generaldirektor. Mit einer finalen Entscheidung ist gegen Mittag bzw. früher Nachmittag zu rechnen.




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