Ein Jahr nach dem tragischen Tod von 71 Flüchtlingen, die in einem Kühl-Lkw auf einer Autobahn in Österreich aufgefunden wurden, sind nun neue Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat bekannt geworden. Nach Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung soll dieselbe Schlepperbande für rund 30 weitere Schleusungsfahrten verantwortlich sein. Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, bestätigte darüber hinaus, dass 13 dieser Fahrten einen unmittelbaren Deutschlandbezug gehabt hätten: "Eine davon war ebenfalls eine Großschleusung mit 81 Personen". Dieser Lkw war von Bundespolizisten in Sachsen entdeckt worden, neun Tage vor der Todesfahrt nach Österreich. Beide Fahrten wurden vom selben Schleusernetzwerk organsiert.
Gegenüber NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung äußerte sich nun erstmals ein Mitglied der Bande im Interview. Demnach habe die Gruppe anfänglich Lkw mit Planen zum Transport der Menschen genutzt. "Aber während der Fahrt haben die Flüchtlinge die Planen oft zerschnitten", deshalb sei man auf geschlossene Lkw mit Metallaufbau umgestiegen, sagte Ilmaz A., der wegen gewerbs -und bandenmäßigen Schleusens zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde und derzeit in der JVA Bautzen einsitzt.
Er hatte den Lkw mit den 81 Menschen nach Sachsen gefahren. Auch während seiner Fahrt trommelten die verzweifelten Flüchtlinge gegen die Wände des Lkw, berichtet Ilmaz A.: "Als ich das Klopfen hörte, habe ich sofort meinen Chef angerufen. Der hat gesagt, dass ich die Fahrt fort setzen soll." Das Interview ist Teil der Dokumentation "Erstickt im Lkw – Das Ende einer Flucht", die das Schicksal der Opfer und die Machenschaften der Schleuserbande rekonstruiert. Das Erste zeigt den Film in der Reihe "Story im Ersten" am Montag, 22. August, um 23.30 Uhr.




Reply With Quote