Die Medienpolitik hatte in der vergangenen Woche sowohl bei der Enquete von Medienminister Thomas Drozda zur Zukunft der Presse- und Medienförderung, als auch auf den Österreichischen Medientagen Hochkonjunktur. ATV-Eigentümer und Tele-München-Chef Herbert Kloiber sieht trotz allem „noch nicht den Willen, eine verbesserte Rundfunkordnung oder gar ein ausgewogenes duales Rundfunksystem zu schaffen. Ganz zu schweigen vom Willen, über die nächsten zwei, drei Jahre hinaus gestalten zu wollen.“ Das sagte er in einem Interview mit dem „Kurier“. Ihm zufolge wäre es bereits eine große Entlastung für den privaten Runkdfunk, „würde man die unsägliche Werbesteuer abschaffen, die es für Online nicht gibt, obwohl dort das Wachstum zumindest prozentual weit vor TV liegt.“ Eine Umstellung der Gebühren, damit diese auch den privaten Runkfunk fördern, wären laut Kloiber „wünschenswert“ und nennt eine Option: „Man könnte für Fördermittel über Einhebungen von deutschen Werbefenstern nachdenken, wovon ich zwar durch die RTL2-Anteile auch selbst betroffen wäre, was ich aber für gerechtfertigt halte.“

Auf das Interview im deutschen „Handelsblatt“ angesprochen, in dem Kloiber sagte, dass ATV sein „größter Fehler“ war, sagt er gegenüber dem „Kurier“: „Ich habe in dem Interview, auf das Sie anspielen, im Grunde nur einen Satz gesagt: Das Portfolio, das ich meinem Sohn übergeben möchte, will ich so weit in Ordnung bringen, dass Problemzonen besonderer Art nicht darin vorkommen. Denn es werden, dafür sorgt die weltweite Entwicklung, neue Problemzonen in anderen Teilen der Tele München Gruppe kommen, die er dann bewältigen wird müssen.“ Zudem bekräftigte Kloiber nochmals, dass er die Existenz von ATV nie in Frage gestellt habe - dass er ATV nicht zusperren möchte, machte er bereits in der Vergangenheit deutlich, denn: „Ich habe ja auch nicht wie Herr Mateschitz erklärt, dass ich alle rausschmeiße und das Unternehmen schließe, weil es keine Freude mehr macht. Ich habe schon viel Verantwortungsgefühl für meine Leute, die über viele Jahre und große Strecken einen guten Job gemacht haben und machen.“

Auch über potenzielle Käufer wurde in den letzten Wochen bereits spekuliert. Etwa, dass die ProSiebenSat.1 PULS 4-Gruppe Interesse an einer Übernahme habe, was Geschäftsführer Markus Breitenecker aber dementierte. Zudem hätten sich im Nachgang des Interviews „drei, vier ernstzunehmende, nichtösterreichische Interessenten gemeldet. Die schauen sich ATV nun genau an. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Unternehmen ATV weiterexistieren wird und vielleicht eine neue Blüte mit frischem Geld und Impulsen erleben wird, nur wohl nicht unter dem Dach der Tele München Gruppe“.

Und wie soll es konkret mit AVT weitergehen? „ATV muss am Werbemarkt Teil eines Verbunds werden, so dass man mit den Großen auch auf Kundenseite mithalten kann. ATV bekommt jedes Jahr in etwa das Gleiche an Werbespendings, weil die Performance in der Primetime ja sehr ordentlich und in der Zeitzone zwischen 18 und 22 Uhr sogar hervorragend ist. Nur genügt das netto und mit ein bisserl Förderung und Teleshopping nicht, um eine schwarze Null zu schreiben“, schließt Kloiber.