Im Rahmen der Plenarsitzung des ORF-Publikumsrates am Mittwoch unter dem Vorsitz von Ilse Brandner-Radinger informierte Generaldirektor Alexander Wrabetz das Gremium über die stabile Entwicklung in allen ORF-Medien und gab einen Überblick über die Programmerfolge der letzten Wochen. Im Fernsehen habe man mit 35,4 Prozent Marktanteil in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr eine stabile Entwicklung, im Radio sei man nach der Revision der Daten Marktführer. Im Online-Bereich liege ORF.at mit 80 Millionen Visits pro Monat weiterhin auf hohem Niveau. Und die ORF-TVthek würde heuer einen Zuwachs von 30 Prozent verzeichnen.
An Höhepunkten der letzten Wochen hob Wrabetz „9 Plätze - 9 Schätze“ mit knapp über einer Million, „Terror - Ihr Urteil“ mit bis zu einer Million und den „Universum Salzburg“-Schwerpunkt mit 1,2 Millionen Zusehern hervor. Weiters berichtete Wrabetz über ORF III. Mit 1,8 Prozent Marktanteil und 600.000 täglichen Zusehern liege man deutlich über den vergleichbaren Angeboten und habe einen Eigenproduktionsanteil von 70 Prozent.

Keine Beteiligung an Digitalradio DAB+

Das Gremium wurde von Wrabetz auch darüber informiert, dass sich der ORF nicht am Digitalradio-Standard DAB+ beteiligen werde. Diese Entscheidung sei vor wenigen Tagen in der ORF-Geschäftsführung gefallen. Die Absage würde auch dann gelten, wenn sich die ORF-Sendertochter ORS bei der Ausschreibung von DAB+ bewirbt. Bei der ORS ist die Entscheidung laut Wrabetz noch nicht gefallen.
Begründet wurde die Entscheidung damit, dass es an DAB+-Erfolgsbeispielen in anderen europäischen Ländern mangeln würde. Deswegen werde man beim ORF weiterhin auf den Standard UKW setzen. Für Wrabetz sprechen auch technische und finanzielle Gründe gegen DAB+. Der Standard biete keine bessere Audioqualität, die Mindestfeldstärke reiche nicht für guten Empfang in Häusern und die Tunnelversorgung sei ungeklärt. Außerdem habe der ORF kein Geld für eine teure Parallelausstrahlung von UKW und DAB+.
Dem Digitalisierungskonzept der Medienbehörde KommAustria folgend, sollen im ersten Halbjahr 2017 eine oder mehrere Bedeckungen im DAB+-Standard ausgeschrieben werden, damit 2018 der Regelbetrieb anlaufen kann.

Diskussion über Gebührenerhöhung

Der ORF-Publikumsrat hat am Mittwoch neben einer Reihe anderer Dinge auch über die noch für heuer im Raum stehende Erhöhung der ORF-Gebühren diskutiert. Der bürgerliche Publikumsrat Andreas Kratschmar sagte: „Es sieht so aus, als ob der Krampus die Gebührenerhöhung bringen soll“. Vor dem 4. Dezember wolle man das Thema offenbar aus dem Bundespräsidenten-Wahlkampf raushalten. Laut ORF-Gesetz muss der öffentlich-rechtliche Sender alle fünf Jahre prüfen, ob es zu einer Anpassung der ORF-Gebühren kommt. Die vorerst letzte Anhebung fand 2012 statt, der Antrag dafür erfolgte 2011. Die Inflation ist seit damals um über zehn Prozent gestiegen. Es wird daher noch für heuer ein Antrag auf Erhöhung erwartet. Entschieden werden die GIS-Gebühren im ORF-Stiftungsrat, der Publikumsrat hat ein Mitspracherecht, kann eine Erhöhung aber nicht verhindern, wenn der Stiftungsrat einen sogenannten Beharrungsbeschluss fasst.

Kritik an Berichterstattung
Die Publikumsrätin Susanne Fürst - sie wurde von der FPÖ-Bildungsakademie entsandt - kritisierte, dass der ORF gegenüber der FPÖ nicht objektiv sei. Als Beispiel nannte sie unter anderem ein Interview, in dem dem ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer ihrer Ansicht nach zu viel Raum eingeräumt wurde, um seine Entscheidung, warum er Alexander Van der Bellen bei der ersten Stichwahl zur BPW-Wahl gewählt habe und ihn auch bei der Wiederholung der Stichwahl wählen werde, zu begründen. Weiters kritisierte Fürst, dass die ZiB2-Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher „einen bösen Blick wie eine Klapperschlage“ aufsetze, wenn sie den FPÖ-Parteiobmann Heinz-Christian Strache interviewt. Wrabetz wies diese Vorwürfe zurück und verteidigte die Redaktion vor dem Publikumsrat.
Weiters berichtete der Publikumsrat Karl Guschlbauer, der die Landwirtschaftskammer vertritt, anlässlich der BPW-Wahl von einer Beschwerde gegen den TV-Chefredakteur Fritz Dittlbacher, weil dieser in einer Analyse in der „Zeit im Bild“ am 9. Mai zum Kanzlerwechsel gesagt hätte, dass dieser dem „berechenbareren Kandidaten, und das wäre Van der Bellen, durchaus nützen“ könnte. „Weil im Endeffekt dann doch viele lieber die Sicherheit als die Eskalation haben.“ Guschlbauer sieht darin eine Vermischung von Information und Meinung. Er forderte die Einführung eines Meinungskommentars wie es ihn auch im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen gebe. Bei einer klaren Trennung und als Meinungskommentar wären Dittlbachers Aussagen „kein Problem“, erklärte Guschlbauer.