Der Streit der beiden Medien-Riesen wirkt bizarr. Nur wenige Stunden vor Ablauf eines Ultimatums einigten sich Sky und Discovery zwar auf einen 16 TV-Sender umfassenden und mehrere 100 Millionen Euro teuren Vertrag - aber ausgerechnet der Kampf um 45 Fußball-Spiele geht in eine weitere Runde.

Der ungewöhnliche Konflikt schwelt seit ein paar Wochen und „war ein bisschen lauter“, wie es die deutsche Discovery-Managerin Susanne Aigner-Drews noch kurz vor der Teil-Einigung ausdrückte. Einen „Krieg der Worte“ nannte es hingegen das Wirtschaftsnachrichten-Portal „Business Insider“. „Beispiellos“ schrieb die „Süddeutsche Zeitung“.

Erst kurz vor dem Auslaufen des alten Vertrages schlossen die Unternehmen am Dienstagabend (31. Januar) eine neue Vereinbarung. Der Kontrakt regelt die Einspeisung von insgesamt 16 TV-Kanälen des US-Unternehmens Discovery in das deutsche und britische Sky-Netz. Dadurch können Sky-Kunden hierzulande weiterhin Discovery Channel und die drei Pay-Varianten von Eurosport sehen.

Doch kurioserweise gibt es noch keine Einigung über die Fußball-Bundesliga.

„Die Gespräche zu den 45 Spielen des Bundesliga-Rechtepakets A, für das Eurosport die Pay-TV-Rechte erworben hat, werden in den kommenden Wochen fortgeführt“, teilte Discovery mit. Das könnte für Fußballfans teuer werden. Sie benötigen in der neuen Fußball-Saison möglicherweise einen zweiten Decoder, um die 40 Bundesligaspiele, den Supercup und die vier Relegationspartien zu sehen. Diese Begegnungen, die meisten am Freitagabend, werden zukünftig von der Discovery-Tochter Eurosport gezeigt.

Angesichts des Finanz-Volumens ist der Zwist um ein paar Fußballspiele verwunderlich. Erstaunliche Zahlen, die normalerweise geheim bleiben, sind durch den ungewohnt öffentlichen Streit bekannt geworden. Sky hatte Discovery nach eigenen Angaben mehrere 100 Millionen Pfund angeboten. Aber Discovery habe „eine Zahlung von nahezu einer Milliarde Pfund verlangt“, hatte Sky in Großbritannien mitgeteilt.

Wie viel Geld nun tatsächlich fließt und wie lange der mehrjährige Kontrakt genau läuft, das wollten die Unternehmen nach dem kleinen Frieden nicht verraten. Eine Milliarde Pfund wohl nicht, denn der Sky-Manager Elke Walthelm erklärte: „Die Vereinbarung wurde geschlossen, nachdem Discovery unseren Vorschlag akzeptiert hat, den wir Ihnen vor über einer Woche unverändert unterbreitet haben.“

Discovery schien diese Aussage nicht zu gefallen und konterte. Wenige Minuten nach der Sky-Aussage verbreitete das US-Unternehmen: „Das Geschäft mit Sky ist bedeutend besser als unsere vorherige Einigung und ihr Angebot.“

Das Duell der beiden Medien-Riesen geht also weiter - nicht nur beim Poker um die Bundesliga-Spiele. In Kürze startet die UEFA den Verkauf der Champions-League-Rechte. Bisher hält Sky in Deutschland das Pay-TV-Paket und zeigt die meisten Partien exklusiv. Aber Discovery ist mit seiner Tochter Eurosport auf Expansionskurs und hatte vor dem Bundesliga-Paket bereits die Olympia-Rechte für ganz Europa erworben. „Pay ist der Wachstumsmarkt für uns“, sagte die Geschäftsführerin Aigner-Drews.

Besonders kurios dürfte es beim Motorsport werden. Discovery gehört zum Medienimperium des US-Unternehmers John Malone, der soeben für vier Milliarden Euro die Formel 1 gekauft hat. Derzeit aber zeigt Sky, das zum Reich des Medien-Tycoons Rupert Murdoch gehört, die Rennen im deutschen und britischen Pay-TV.