Sentinel-2B, Europas nächster Copernicus-Satellit wird von Airbus-Ingenieuren auf seinen Start am 7. März 2017 vom Raumfahrtzentrum Kourou in Französisch-Guayana vorbereitet. Sentinel-2B ist der fünfte Satellit, der im Rahmen des europäischen Umweltüberwachungsprogramms Copernicus in die Umlaufbahn gebracht wird. Das Copernicus-Programm ist ein operatives Gemeinschaftsvorhaben unter der Führung der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Sentinel-Satelliten der Copernicus-Mission liefern Fernerkundungsdaten der Erde und bieten wichtige Dienste für Umwelt- und Sicherheitsaufgaben.

„Sentinel-2B stellt die nächste bedeutende Etappe des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus dar, an dessen Umsetzung Airbus federführend mitwirkt. Die Sentinel-2-Mission erreicht mit den zwei hochentwickelten Satelliten ihre volle Leistungsfähigkeit, und die große Nutzer-Community erhält nun nahezu in Echtzeit noch mehr 'farbenfrohe' Daten“, sagte Nicolas Chamussy, Leiter von Space Systems bei Airbus.

Sentinel-2 bietet mit „Color Vision“ für das Copernicus-Programm optische Bilder vom sichtbaren Bereich bis zum kurzwelligen Infrarotbereich des elektromagnetischen Spektrums. Die 1,1 Tonnen schweren Satelliten liefern aus 786 Kilometern Höhe optische Bilder auf 13 Spektral-Kanälen mit einer Auflösung von 10, 20 oder 60 Metern bei einer einzigartigen Abtastbreite von 290 Kilometern. Das optimierte Design der Multispektralkameras sorgt für unübertroffene Bildqualität über ein sehr breites Sichtfeld.

Die Struktur und die Spiegel des Teleskops wurden aus Siliziumkarbid gefertigt, das durch seine ausgezeichnete optische Stabilität und seine minimale thermo-elastische Verformbarkeit eine hervorragende geometrische Bildqualität bietet, die in der Kategorie „optischer Bildgeber“ bisher noch nicht erreicht wurde. Die gesammelten Daten werden zur Überwachung in den Bereichen Landnutzung, Bodenversiegelung, Bodenbewirtschaftung, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Naturkatastrophen (Überschwemmungen, Waldbrände, Erdrutsche, Erosion) und zur Unterstützung humanitärer Hilfsmissionen genutzt. Umweltbeobachtungen in Küstenbereichen gehören ebenso zum Aufgabenspektrum wie die Überwachung von Gletscher-, Eis- und Schneeflächen.

Die Sentinel-2-Mission besteht aus zwei identischen Satelliten, die um 180 Grad versetzt in einer Konstellation im selben Orbit positioniert sind, um eine optimale Abdeckung und Datenlieferung zu gewährleisten. Die beiden Satelliten werden die Erde alle 100 Minuten umrunden und die gesamte Landfläche der Erde, alle großen Inseln und alle Binnen- und Küstengewässer alle fünf Tage neu erfassen. Der baugleiche Satellit Sentinel-2A wurde am 23. Juni 2015 gestartet.

Die Sentinel-2-Mission wird in enger Zusammenarbeit zwischen der ESA, der Europäischen Kommission, der Industrie, Dienstleistern und Datennutzern verwirklicht. An der Entwicklung des Projekts sind mehr als 40 Unternehmen unter der Federführung von Airbus in Deutschland für die Satelliten und Airbus in Frankreich für die multispektralen Instrumente beteiligt. Airbus in Spanien ist für die mechanische Satellitenstruktur verantwortlich.

Die französische Raumfahrtbehörde CNES steuerte Fachwissen im Bereich Bildverarbeitung und -kalibrierung bei und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) lieferte die Laser-Kommunikationsnutzlast, die von Tesat Spacecom entwickelt wurde, einer Tochtergesellschaft von Airbus in Deutschland. Diese Technologie gestattet es den Sentinel-2-Satelliten, Daten per Laser an geostationäre Kommunikationssatelliten zu übermitteln, die mit dem Europäischen Datenrelaissystem EDRS (European Data Relay System) ausgestattet sind, das Airbus für die ESA entwickelt hat. Diese Weltraum-Datenautobahn ermöglicht es, große Datenmengen mit hoher Geschwindigkeit zu übermitteln, um den Nutzern Informationen noch schneller bereitstellen zu können.

Seit Februar 2017 haben sich insgesamt 63.981 Nutzer auf dem Scientific Data Hub für die Sentinel-Satelliten angemeldet. Rund 484.000 Produkte mit einem Gesamtvolumen von 585 Terabyte sind zum Download verfügbar. Von den Nutzer-Communities wurde bereits ein Gesamtdatenvolumen von 2,74 Petabyte heruntergeladen.