Nach der Verhaftung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel hat der ZDF-Fernsehrat die Einschränkung der unabhängigen Berichterstattung in der Türkei kritisiert. Der Fernsehrat habe Yücel seine Solidarität ausgesprochen, "aber damit auch deutlich alle Journalisten einbezogen, die weltweit von Repressionen vom Staaten betroffen sind", sagte Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme nach einer Sitzung am 3. März. Yücel wird Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Nach Thiemes Angaben ist es das erste Mal, dass der Fernsehrat eine solche Solidaritätserklärung abgibt.

Der Fernsehrat, in dem Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen sowie Vertreter von Politik aus Bund, Ländern und Kommunen sitzen, kontrolliert das ZDF-Programm. Im Programm, sagte Thieme, finde sich "gute, regelmäßige und kritische Berichterstattung" über die Entwicklung in der Türkei und über die Verletzung von Meinungs- und Pressefreiheit dort.

Die Arbeitsbedingungen für die ZDF-Reporter in Istanbul seien derzeit gut, sagte Intendant Thomas Bellut. "Mir sind keine Klagen bekannt." Restriktionen gebe es nur in den Kriegsgebieten, wo die türkische Armee gegen die Terrororganisation PKK kämpfe. Ihm sei nicht bekannt, dass der türkische Staat auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen versuche. "Die Beiträge werden in keiner Weise zensiert." Das ZDF werde weiter über Yücels Inhaftierung berichten. "Wir bleiben an dem Thema dran."

Der Fernsehrat wählte am Freitag auch acht Mitglieder des ZDF-Verwaltungsrates. Zum ersten Mal setzt sich der Verwaltungsrat nun nach den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2014 zusammen. Das Gericht hatte entschieden, dass Aufsichtsgremien höchstens zu einem Drittel mit Vertretern aus Staat und Parteien besetzt werde dürfen.

Im neuen Verwaltungsrat sitzen der ehemalige Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Birgitta Wolff, die Rektorin der Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Gabriele Beibst, der ehemalige rheinland-pfälzische Staatssekretär Martin Stadelmaier und der Ehrenvorsitzende des dbb - beamtenbund und tarifunion, Peter Heesen. Hinzu kommen das Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, Bärbel Bergerhoff-Wodopia, der Ex-Hautgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Reinhard Göhner sowie die Professorin für Mediensysteme im internationalen Vergleich, Barbara Thomaß.