Sie klagen über verspätete Züge, verstopfte Strassen, nervige Mitreisende und Dichtestress. Millionen kämpfen sich in der Schweiz jeden Tag an den Arbeitsplatz. Aber: Es gibt tatsächlich auch Pendler, die den Arbeitsweg als Erholungszeit geniessen. Die «DOK»-Serie «Wir Pendler» begleitet Menschen, die mit unterschiedlichsten Verkehrsmitteln unterwegs sind. Was sind die grössten Aufreger? Was gefällt? Und: Warum tun sich all die Pendler das an?

In Zug, Auto oder Seilbahn, auf Schiff und Velo oder gar im Flugzeug – «SRF HE!MATLAND» heftet sich an die Fersen von zehn Menschen aus verschiedenen Regionen der Schweiz. Sie alle haben gute Gründe, unterwegs zu sein. Es geht um tolle Jobs, um das Eigenheim im Grünen, um Abstand zum Arbeitsplatz, um Verwurzelung und um die Liebe. Dafür nehmen sie auch lange Arbeitswege in Kauf.

Sie sind Routiniers und kennen die besten Tricks, um voranzukommen. Sie ärgern sich über ungeübte Mitpendler oder unsichere Autofahrer. Sie gehören mit ihrer sehr persönlichen Geschichte zur grossen, anonymen Gemeinschaft der Pendlerinnen und Pendler.

Flugzeugpendeln zwischen Zürich, Graz und Berlin
Catherine Walter-Laager beispielsweise, reist jede Woche von Zürich nach Graz, von dort nach Berlin und wieder zurück nach Zürich. Klingt anstrengend und ist es auch. Für die renommierte Erziehungswissenschaftlerin wiegt der tolle Job die Pendlermühe aber auf.

Kaj Evers ist Cheftechniker im Theater am Hechtplatz in Zürich, wohnt aber in Biel, seiner Heimatstadt, die er auf keinen Fall aufgeben will. Er ist zu unterschiedlichen Zeiten unterwegs, oft am Abend spät oder auch am Wochenende. Und er versucht, das Pendlerleben mit Erfahrung und Tricks erträglich zu machen. Er weiss, wie er den Wunschsitzplatz ergattern kann. Aber er tritt auch sofort den Rückzug an, wenn der Lärmpegel im Wagon steigt.

Eine Auszeit vom Stress?
Es gibt aber auch die privilegierten Pendlerinnen und Pendler, die ihr Glück kaum fassen können: Gabriele Knüsel setzt sich jeden Tag in aller Ruhe ins Schiff. Sie geniesst die Gespräche mit Mitreisenden, arbeitet oder beobachtet draussen auf dem Deck die Wetterstimmungen.

Und es gibt Pendler, die ihr Fortbewegungsmittel über alles lieben – so wie Silvan Grütter. Der 18-Jährige steckt im letzten Lehrjahr als Chauffeur, lebt abgelegen im Emmental und ist seit Kurzem stolzer Autobesitzer. Noch lieber als in seinem Mini, ist er aber im Lastwagen unterwegs. Hoch oben in der Fahrerkabine hat er die Übersicht über das Geschehen und kennt die Tücken des Alltagsverkehrs genau.

Pendlerinnen und Pendler sind aber auch jene Berufsleute, die auf der Strasse und im Zug arbeiten. Wie kommt eigentlich die SBB-Zugführerin an ihren Arbeitsplatz und wie erlebt sie die Pendlerzüge? Und wie pendelt die junge Frau, die im Autobahnunterhalt arbeitet? Die Profis haben ihren eigenen Blick auf das Pendlerleben.

Die Protagonistinnen und Progatonisten in der Übersicht


Kaj Evers
, der Profi-Pendler, 48, reist im Zug von Biel nach Zürich. Als Routinier kennt er jeden Kniff im Pendlerleben.

Gabriela Knüsel, 58, die Genuss-Pendlerin, reist mit dem Schiff von Weggis an den Arbeitsplatz in Luzern und geniesst die Fahrt jeden Tag.

Daniel Schuler, 45, der Sport-Pendler, fährt mit dem Velo möglichst jeden Tag von Birmenstorf AG nach Zürich. Im letzten Jahr hat er zum ersten Mal mehr als 10‘000 Velokilometer zurückgelegt – allein mit dem Arbeitsweg.

Catherine Walter-Laager, 48, ist die Langstrecken-Pendlerin. Die Erziehungswissenschaftlerin aus Lindau bei Effretikon fliegt jede Woche zunächst nach Graz und von dort nach Berlin. Am Freitagabend kommt sie für das Wochenende mit ihrer Familie wieder zurück nach Hause.

Ihr Mann, Urs Walter, pendelt ebenfalls. Mit Velo und Bahn reist der Spezialist für Langsamverkehr täglich nach Ittigen bei Bern.

Silvan Grütter, 18, der Autofan, ist Chauffeur-Lehrling. Er pendelt in die Berufsschule nach Lyss BE und hat dank seinem Beruf eine ganz eigene Sicht auf das Verkehrsgeschehen in der Schweiz.

Sophie Challandes, 20, ist Autobahn-Spezialistin. Mit ihrem Arbeitsweg von rund 15 Kilometern die Durchschnittspendlerin. Ganz und gar nicht durchschnittlich ist ihr Beruf: Sie arbeitet im Autobahnunterhalt und leistet harte Arbeit.

Raphaela Frei, 26, ist die Extrem-Pendlerin. Die Kindergärtnerin reist regelmässig von Nürensdorf ZH nach Brugg AG zur Pädagogischen Hochschule. Sie liebt ihr Auto und spult auch privat jede Woche Hunderte von Kilometern ab.

Priska Portmann, 52, leistet als SBB-Zugbegleiterin Schichtarbeit – für den Arbeitsweg ist sie deshalb auf das Auto angewiesen.

Andrea Gisler, 44, Pädagogin, steigt jeden Tag in die Seilbahn, um von der Alp Gitschenen im Urnerland nach Isenthal zu kommen. Von dort geht es weiter mit dem Postauto – auf einer der spektakulärsten Strecken der Schweiz.