Ausstrahlungsdatum: Mittwoch, 25. Oktober 2017, 22.25 Uhr, SRF 1
Cornelius Gurlitts Kunstsammlung und die Folgen: ein brisanter Fall. Es gibt Täter und Opfer, Schuld und Sühne – und viele Fragezeichen. Der «Kulturplatz» aus dem Kunstmuseum Bern beleuchtet neueste Entwicklungen und bietet Einblick in die ersten Gurlitt-Ausstellungen, noch bevor sie eröffnet sind. Eva Wannenmacher moderiert die Sendung.
Das Rätsel Cornelius Gurlitt
Am 28. Februar 2012 wird in München eine Privatwohnung durchsucht. Was man dort findet, wird fortan breite Kreise intensiv beschäftigen: die Öffentlichkeit, Staatsanwälte, die Politik, die Medien und nicht zuletzt das Kunstmuseum Bern. Zahlreiche Werke unterschiedlichster Art lagern in dieser Wohnung und zwei weiteren Immobilien, die alle Cornelius Gurlitt gehören. 60 Jahre hat niemand die Objekte zu Gesicht bekommen – der Verdacht auf Raubkunst ist schnell da. Bis heute bleibt dieser Fund in vielen Facetten rätselhaft. Seine Aufarbeitung ist noch längst nicht abgeschlossen.
Mit Spannung erwartete Ausstellung
Fast genau vier Jahre nachdem die Öffentlichkeit vom Schwabinger Kunstfund erfahren hat, kann sie die Werke endlich besichtigen. Die Ausstellung im Kunstmuseum Bern ist ein Spiegelbild der künstlerischen Vorlieben der Familie Gurlitt. Arbeiten stehen im Zentrum, die von den Nazis als «entartet» – als «undeutsche» Kunst – diffamiert wurden: Sie zählen zum Expressionismus, zur Neuen Sachlichkeit, zum Kubismus oder wurden von jüdischen Künstlern geschaffen. Der Beitrag taucht ein in die mit Spannung erwartete «Bestandsaufnahme Gurlitt».
Hochdiffizile Herausforderung
Viele von Gurlitts Bildern befanden sich bei ihrer Entdeckung in schlechtem Zustand. Das wurde für die Abteilung Konservierung und Restaurierung des Kunstmuseums Bern zur Herausforderung. Auch wenn sie sich auf die grosse Aufgabe vorbereiten konnten, musste es schnell gehen, denn nach der Anlieferung im Juli blieben nur wenige Wochen bis zur Ausstellungseröffnung. Spinnweben, Staub, Schimmelpilz, Risse im Papier: Es gab viel zu tun. 400 Arbeitstage fielen an – ein gewaltiger Effort und eine hochdiffizile Aufgabe.
Die Provenienzforschung – Eine Detektivarbeit
Über 1500 Werke umfasst die Sammlung Gurlitts. Bei vielen stellen sich heikle Fragen: Gelangten sie rechtmässig in den Besitz der Familie? Oder gehörten sie einst jüdischen Familien und wurden von Nationalsozialisten geraubt? Mit der Herkunft von Kunstwerken beschäftigt sich die sogenannte Provenienzforschung. Sie wird oft zum aufwendigen Puzzlespiel, bei dem sich längst nicht jede Lücke schliessen lässt.




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