Ausstrahlungsdatum: Donnerstag, 26. Oktober 2017, 20.05 Uhr, SRF 1

Kilian, Dominik und Celine leiden unter ADHS, dem sogenannten Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom. Vor sechs Jahren hat «DOK» die drei Kinder, damals neun-, zwölf- und vierzehnjährig, das erste Mal gefilmt. Bei jedem von ihnen äusserte sich die Veranlagung anders, aber alle hatten Mühe in der Schule und waren in Sachen Sozialkompetenz schnell überfordert. Nun steigen sie in die Berufswelt ein. Autorin Michèle Sauvain hat die Jugendlichen wieder besucht und dokumentiert, wie sie mit der neuen Herausforderung klarkommen. Anhand den Lebensgeschichten von Schauspieler und Theaterdirektor Daniel Rohr und Beatboxer Miguel Camero zeigt sie zudem, wie es trotz ADHS gelingen kann, damit umzugehen und erfolgreich zu sein.

Mittlerweile gilt als gesichert, dass ADHS genetische Ursachen hat. Also gilt es zu lernen, damit möglichst gut umzugehen, sagt Psychiater und ADHS-Spezialist Heiner Lachenmeier. Dass das sogar sehr gut gelingen kann, zeigen die Lebensgeschichten zweier bekannter Persönlichkeiten: Schauspieler und Theaterdirektor Daniel Rohr und Beatboxer Miguel Camero haben es trotz schwieriger Schulzeit geschafft, ihren Weg zu gehen und erfolgreich zu sein.

Daniel Rohr landete während seiner Schulzeit oft vor der Tür, weil er dauernd schwatzte und nicht still sitzen konnte. Er war ein Zappelphilipp, aber über ADHS sprach damals noch niemand. Als viel später bei seiner Tochter ein ADHS diagnostiziert wurde, wusste er sofort; das hat er auch. Er schildert, wie er im Laufe der Zeit damit leben gelernt hat und wie ihm seine Veranlagung heute hilft, als Theaterdirektor erfolgreich zu sein.

Auch Miguel Camero musste früher oft hören, er sei dumm und werde es zu nichts bringen. Die meisten Lehrer mochten ihn nicht, erinnert er sich heute. Trotzdem hat er sich nicht unterkriegen lassen; sein Hobby Beatboxen hat ihm Halt gegeben. Heute unterrichtet der ehemalige Briefträger an der Musikschule Schaffhausen Beatboxen, ohne je ein Lehrer- oder Musikpatent gemacht zu haben.

Celine, das älteste der Kinder, die wir vor sechs Jahren zum ersten Mal begleitet haben, steht inzwischen vor der Lehrabschlussprüfung. Die 19-Jährige hat sich nach einer schwierigen Schulzeit für eine Lehre als Polymechanikerin entschieden. Es kommt ihr entgegen, dass sie nun bei der Arbeit stehen und mit den Händen arbeiten kann. Dank guter Betreuung zu Hause und mit Unterstützung durch Ritalin, das ihre Mutter nur sehr widerwillig eingesetzt hat, hat sie heute ihr Leben gut im Griff und will nun sogar die Berufsmittelschule in Angriff nehmen.

Dominik ist mittlerweile 17 und hat eine Lehre als Landschaftsgärtner begonnen. Auch für den scheuen, introvertierten Teenager ist es wichtig, dass er sich bewegen kann, und in der Natur hat er sich schon immer wohlgefühlt. Privat läuft es rund, seit er eine Freundin hat, nur in der Schule hapert es immer noch, aber er hat einen verständnisvollen Lehrmeister. Wenn seine Leistungen nicht besser werden, muss er allerdings die Lehre in vier statt drei Jahren machen. Ritalin hat Dominik nur ganz kurz genommen.

Kilian hat in einer Privatschule mit der Oberstufe begonnen, aber bei ihm läuft es trotz Ritalin gar nicht rund. Er hat bereits dreimal die Schule gewechselt. Schon zwei Monate nach dem Oberstufen-Schulstar fliegt er erneut von der Schule, weil er sich mit einem Schulkollegen geprügelt hat. Die schlechte Impulskontrolle ist Kilians grösstes Problem. Es folgt ein Time-out von vier Monaten, bevor er an einer spezialisierten Sonderschule nochmals einen Neustart versuchen darf. Aber auch dort legt er sich bereits am ersten Tag wieder mit einem seiner Mitschüler an.

Bereits am Mittwoch, 25. Oktober 2017, um 22.55 Uhr, zeigt SRF 1 den «DOK»-Film «Hyperaktive Kinder – Modeerscheinung oder Warnsignal?», in welchem Kilian, Celine und Dominik im Alter von neun, vierzehn und zwölf Jahren porträtiert werden. In der Schweiz nimmt die Verschreibung des Medikaments Ritalin zu. Sind wirklich die heutigen Kinder krank, oder ist es vielleicht auch die heutige Gesellschaft? «DOK» sucht nach Antworten und begleitet die drei Kinder durch ihren manchmal sehr mühevollen Alltag.