Ausstrahlungsdatum: Sonntag, 29. Oktober 2017, ab 10.30 Uhr, SRF 1

Im Rahmen des diesjährigen Kulturschwerpunkts «Die Stunde der Wahrheit – 500 Jahre Reformation» greifen die Sternstunden am kommenden Sonntag das Thema auf. «Sternstunde Kunst» beginnt mit der Dokumentation von Barbara Seiler, die den Fernsehskandal «Ursula» neu beleuchtet. Darauf kommentiert und entziffert die Nachfolgerin Zwinglis am Grossmünster, Pfarrerin Käthi La Roche, den Skandalfilm «Ursula» aus heutiger Sicht. Ausserdem werden zwei Folgen der vierteiligen Serie «Tatorte der Reformation» ausgestrahlt, worin Verbrechensschauplätze aus der Zeit der Reformation besucht werden. In «Sternstunde Philosophie: Mein Glaube gehört mir» spricht Yves Bossart zudem mit zwei zentralen Figuren des diesjährigen Reformationsjubiläums über die Entdeckung des Gewissens und deren Folgen.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 10.00 Uhr, SRF 1
«Sternstunde Religion»: Spirituelle Wege der Schweiz (3/3) – Täuferweg im Jura
Norbert Bischofberger begibt sich auf spirituelle Wanderungen durch drei Berner Regionen. In der letzten Folge erkundet er die Wege der Täufer im Jura. Diese christliche Gemeinschaft ist aus der Reformation hervorgegangen. Die Gläubigen wurden während Jahrhunderten verfolgt.

Die Täufer bestehen auf der Erwachsenentaufe. Bald schon geraten sie in Konflikt mit den Reformatoren. Sie werden verfolgt und fliehen in den Jura, ins Elsass, nach Rheinland-Pfalz, nach Holland und nach Nordamerika. Im Jura finden die Täufer auf dem Gebiet des damaligen Fürstbistums Basel Schutz und bauen sich eine neue Existenz auf. Bis heute leben hier Täufergemeinschaften, auch Mennoniten genannt. Sie bilden eine Art Freikirche. Sind die Täufer die wahren Reformierten? Wie leben die Täufer ihren Glauben heute? Interessieren sich die Jungen für das Glaubensleben der Täufer? Norbert Bischofberger trifft junge und alte Täuferinnen und Täufer sowie einen Ältesten der Gemeinschaft und besucht geschichtsträchtige Hotspots der Gemeinschaft im Jura. Ein Film von Christian Walther.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 10.30 Uhr, SRF 1
«Sternstunde Religion»: Tatorte der Reformation (1/4) – Zürich und Genf
Die Zeit der Reformation: Eine Welt im Umbruch. Doch was fand wo statt? Viele Reformationsgeschichten sind Stoff für spannende Krimis. In der vierteiligen Dokumentation besucht Julian Sengelmann Tatorte der Reformation in Deutschland und der Schweiz. Teil 1 spielt in Zürich und Genf.

Erschlagen bei Zürich: Am 11. Oktober 1531 wird der Reformator Ulrich Zwingli ermordet. Auf dem Schlachtfeld bei Kappel in der Nähe von Zürich wird er erstochen, gevierteilt und verbrannt. Er stirbt als Ketzer und manche werfen ihm vor, er habe entscheidend zum Krieg zwischen reformierten und katholisch geprägten Kantonen beigetragen. Was steckt dahinter? Wer war dieser Mann, der so viel bewegt hat und bis heute verehrt wird? Warum endete sein Traum auf dem Schlachtfeld?

Verfolgt in Genf: Vor 500 Jahren ist ein junger Mann auf der Flucht. Einmal muss er sich sogar aus einem Fenster abseilen, um seinen Häschern zu entkommen. Er wird vom französischen König wegen seines Glaubens verfolgt, muss sich verstecken und nutzt Decknamen wie Martinus Lucanius und Charles d’Espeville. Sein richtiger Name: Johannes Calvin. Zuflucht findet der Reformator schliesslich in Genf. Hier lebt er bis zu seinem Tod und versucht aus der Stadt eine Art «evangelisches Rom» zu machen. Später heisst es, der einstige Glaubensflüchtling Calvin habe später selbst zur Verfolgung Andersgläubiger angestiftet. Wie wurde aus dem Gejagten ein Glaubenstyrann? Was ist genau geschehen?

Julian Sengelmann geht in Zürich und Genf diesen Geschichten von Ulrich Zwingli und Johannes Calvin nach und will wissen, wie wir Schweizer heute zu unseren Reformatoren stehen.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 11.00 Uhr, SRF 1
«Sternstunde Philosophie»: Mein Glaube gehört mir – 500 Jahre Reformation
Vor 500 Jahren hat Martin Luther gegen Papst und Kirche gewettert. Sein Gewissen wollte es so. Welches Erbe hat er damit in unserer Kultur hinterlassen? Yves Bossart spricht mit den evangelischen Theologinnen Margot Kässmann und Christina Aus der Au über die Aktualität von Luther, Zwingli und Co.

Martin Luther glaubte nicht an die menschliche Freiheit, dafür an Hexen und an den Teufel. Er hasste die Juden ebenso wie die Vernunft. Dennoch wird er gefeiert. Vor genau 500 Jahren hat er seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel veröffentlicht und damit die Reformation eingeleitet. Wer war dieser Luther? Und steht Ulrich Zwingli, der Zürcher Reformator, zurecht in seinem Schatten? Yves Bossart spricht mit zwei zentralen Figuren des diesjährigen Reformationsjubiläums über die Entdeckung des Gewissens und deren Folgen: Margot Kässmann ist ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland und Landesbischöfin von Hannover, aktuell Botschafterin der Lutherdekade. Christina Aus der Au ist Schweizer Philosophin, evangelische Theologin und Präsidentin des diesjährigen Deutschen Evangelischen Kirchentags.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 11.55 Uhr, SRF 1
«Sternstunde Kunst»: «Ursula» – Der Fernsehskandal
Die Entrüstung beim Publikum war gross. Der Fernsehfilm «Ursula», 1978 mit dem Fernsehen der DDR koproduziert, sei «unschweizerisch» und «pornographisch», die Zürcher Reformation werde in den Dreck gezogen. Die Dokumentation von Barbara Seiler beleuchtet den Fernsehskandal neu.

Wohl selten hat ein Fernsehfilm einen so grossen Scherbenhaufen hinterlassen wie «Ursula» von DDR-Regisseur Egon Günther: Im Osten verschwindet der Film nach der Erstausstrahlung 1978 im Giftschrank. In der Schweiz provoziert «Ursula» eine Flut von Leserbriefen. Der Film sei pornografisch, unschweizerisch und verzerre die Darstellung der Reformation – so der Tenor der empörten Zuschauerrufe. Als Liebesgeschichte hatten die Programmverantwortlichen «Ursula» verkauft und ausgerechnet am Reformationssonntag um 20.00 Uhr programmiert. Zu sehen bekamen die Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer eine sehr freie Verfilmung von Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle, die den Konflikt zwischen einer Täufergemeinde und dem Reformator Zwingli – gespielt von Matthias Habich – darstellt. Der Dokumentarfilm von Barbara Seiler befragt die ehemalige Hauptdarstellerin von Ursula, Suzanne Stoll, und weitere Zeitzeugen. Er beleuchtet den Skandal und die Hintergründe dieser Koproduktion zwischen dem Schweizer Fernsehen und dem Fernsehen der DDR aus heutiger Sicht.

SRF zeigt den umstrittenen Spielfilm «Ursula» in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 2. November 2017, um 00.40 Uhr auf SRF 1 im Rahmen des Kulturschwerpunktes «Die Stunde der Wahrheit – 500 Jahre Reformation». Ausserdem wird der Spielfilm ab dem Sonntag 29. Oktober online abrufbar sein.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 12.25 Uhr, SRF 1
«Sternstunde Kunst»: «Skandalfilm» Ursula – Staub von gestern?
Der Spielfilm «Ursula» hat 1978 die Gemüter in der Schweiz und in der DDR erregt. Die ehemalige Pfarrerin Käthi La Roche, Nachfolgerin Zwinglis am Grossmünster, entziffert und kommentiert den «Skandalfilm» über die Zürcher Reformation aus heutiger Sicht.

Was für ein Szenario: Die Zürcher Söldner stapfen über die Alpen. Sie haben dem Papst geholfen. Daheim im Oberland treiben es die Wiedertäufer wild und schreien «Wir sind das Volk». Derweil begutachtet Zwingli die druckfrischen Bibelblätter bei Froschauer und sinniert über den Fortschritt. In der Kirche echauffiert er sich gegen Reisläuferei, Ablass, Beichte, Zölibat und Fegefeuerangst. Der Mob vollführt den Bildersturm. Zwingli übt Staatsraison, Ursula verliert den Verstand und der Soldat Hansli Gyr versucht, das alles zu verstehen. Am Schluss kreuzen sich ihre Wege auf dem Schlachtfeld, wo der Reformator im Hauen und Stechen am Albis den Tod findet. Was hat das mit uns zu tun? Pfarrerin Käthi La Roche hat Ende der 70er-Jahre mit Schülerinnen über «Ursula» diskutiert. Warum hat der Film damals gerade in kirchlichen Kreisen so viel Staub aufgewirbelt, und wie wirkt er heute? Juri Steiner im Gespräch mit Käthi La Roche.

Sonntag, 29. Oktober 2017, 14.55 Uhr, SRF 1
«Sternstunde Religion»: Tatorte der Reformation (2/4) – Worms und Wartburg
Eine Welt im Umbruch: die Zeit der Reformation. Doch was fand wo statt? Viele Reformationsgeschichten sind Stoff für spannende Krimis. Julian Sengelmann verfolgt in Worms und auf der Wartburg die Spuren jenes Geschehens, das Weltgeschichte geschrieben hat.

Angeklagt zu Worms: Im April 1521 ist Martin Luther vor den Reichstag zu Worms geladen, um dem Kaiser Rede und Antwort zu stehen. Wird der Abtrünnige seine Schriften widerrufen? Mit den 95 Thesen fing es an, weitere Schriften folgten. Martin Luther stellt erst den Ablass, dann die Papstkirche insgesamt in Frage. Das provoziert Kaiser und Papst. Und nun soll sich Luther auf dem Reichstag zu Worms verteidigen. Er ist als Ketzer angeklagt. Zwei Tage soll das Verfahren dauern. Ein kleiner Mönch aus der deutschen Provinz wird vor den Kaiser und die mächtigsten Männer des Reiches zitiert. Eine Sensation! Aber steht das Urteil nicht schon fest? Kann man einen solchen riskanten Auftritt mit heiler Haut überstehen?

Entführt auf die Wartburg: Da Marthin Luther 1521 in Worms nicht widerruft, was er in seinen Schriften behauptet, wird er mit der Reichsacht belegt. Sein Heimweg von Worms nach Wittenberg ist eine gefährliche Reise, denn er ist vom Kaiser als Ketzer verurteilt worden. Er gilt als vogelfrei. Und dann geschieht es: In einem Wald werden er und seine Reisegefährten überfallen, es kommt zu einer mysteriösen Entführung. Heimlich bringen ihn die Häscher auf die Wartburg. Während ganz Deutschland glaubt, dass Martin Luther tot sei, verbringt er einsame Stunden auf der Wartburg und stellt sich dort seinen inneren Dämonen.

Julian Sengelmann verfolgt in Worms und auf der Wartburg die Spuren jenes Geschehens, das Weltgeschichte geschrieben hat.