Ausstrahlungsdatum: Mittwoch, 1. November 2017, 22.25 Uhr, SRF 1

Würde der Reformator Martin Luther heute twittern? Wäre Zürichs Glaubenserneuerer Ulrich Zwingli bei Facebook? «Kulturplatz» begibt sich auf eine Reise vom gesprochenen Wort der Predigt über den Buchdruck, welcher der Reformation zum durchschlagenden Erfolg verhalf, bis hin zu den sozialen Medien. Welche Parallelen gibt es zwischen der Gegenwart und der Geschichte, und ist es überhaupt legitim, solche Parallelen zu ziehen? Eva Wannenmacher moderiert die Sendung.


Martin Luther Superstar – So ging die Reformation viral
Reformation und Buchdruck befeuerten sich gegenseitig. Den Buchdruck gab es schon vorher, aber mit der Reformation nahm die Geschwindigkeit, mit der die Schriften sich verbreiteten, erheblich zu. Dies wusste Martin Luther zu nutzen, seine Thesen waren gemäss eigenen Angaben innert zwei Wochen in ganz Deutschland bekannt. Und er wurde überall von den Menschen erkannt. Dafür brauchte es aber das Bild, in erster Linie eines der vielen Porträts Luthers aus der Malerwerkstatt von Lucas Cranach, das zur Ikone wurde. Und Luther damit zur grossen Lichtgestalt der Reformation.

Gottesstrafe Klimawandel – In der «Wickiana» regnet es Blut vom Himmel
Die Sensationen des 16. Jahrhunderts waren Wunderzeichen. Die Menschen staunten über seltsame Wetterphänomene und Naturkatastrophen im Zusammenhang mit der Kleinen Eiszeit. Überschwemmungen deuteten sie als Boten des Weltuntergangs, genauso wie Kometen am Himmel. Das Medium für solche Nachrichten war das Flugblatt. 13 000 prachtvolle Sensationsblätter hat der Zürcher Geistliche Johann Jakob Wick gesammelt. Ein Blick auf diese «Wickiana» lohnt in einer Zeit, in der erneut ein Klimawandel Realität wird. «Kulturplatz» über den Blick auf Katastrophen heute und vor 500 Jahren.

Digitale Medienrevolution – Brachte uns das Internet den erhofften Fortschritt?
Kann man die Erfindung des Internets mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichen? Ja, das kann man, denn beides hat unseren Zugang zu Wissen und unser Denken verändert. Mit Reformation und Buchdruck wurde dem Denken des Mittelalters endgültig ein Ende gesetzt. Das Internet jedoch, so der niederländische Medientheoretiker Geert Lovink, hat uns in eine düstere Ära der Überwachung und der Abhängigkeit von sozialen Medien geführt – in ein digitales Mittelalter. Gibt es daraus ein Entkommen? «Kulturplatz» hat Geert Lovink, den Autor von «Im Bann der Plattformen» dazu befragt.

Die gesamte Programmübersicht zum Kulturschwerpunkt: «Die Stunde der Wahrheit – 500 Jahre Reformation» ist hier als PDF zum Download verfügbar.