Das Plenum des ORF-Stiftungsrats ist heute erstmals nach der Nationalratswahl zusammengetreten. Nicht Teil der Tagesordnung, aber dennoch Thema der Plenarsitzung am Donnerstag, waren die derzeit laufenden Regierungsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ. Auf der Tagesordnung stehen Dauerthemen wie Budget, Programm und Standort - Beschlüsse sind in diesen Punkten aber keine geplant.

Heinz Lederer, Leiter des SPÖ-„Freundeskreises“, erklärte gegenüber Journalisten, dass Norbert Steger, FPÖ-Vertreter im Stiftungsrat, „moderate Reformpläne“ verfolgen würde. Steger, der im Rahmen der Regierungsverhandlungen für die FPÖ auch das Medienkapitel mit der ÖVP mitverhandelt, habe im obersten Aufsichtsgremium des ORF eine moderate Einschätzung gegeben, meinte Lederer. Plänen in Richtung Ausdünnen des ORF würde Lederer jedenfalls „stark entgegen treten“, betont er. Laut Lederer soll Steger erklärt haben, dass es nicht „um einen Kahlschlag“ im ORF gehe, sondern um eine „Evaluierung der Gremien“. Steger selbst hat sich vorerst nicht zum Inhalt der Plenarsitzung geäußert.

Stärken der Landesstudios stärken

Die Regierungsverhandlungen nicht kommentieren wollte Thomas Zach, Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“. Zach beschäftigen indessen Themen wie die Digitalisierung des Unternehmens und das Standort-Projekt. Er appellierte, dass der ORF „die Chancen der Digitalisierung noch viel mehr nutzen“ müsse, damit dieser nicht in Gefahr laufe, „als Dinosaurier durch das 21. Jahrhundert zu laufen“. Konkret gehe es darum, diese im Bereich Technik zu nützen und dort Abläufe du digitalisieren und zu straffen. Das Standortprojekt bezeichnet Zach als „Zukunftsprojekt“, immerhin habe man nicht „300 Millionen Euro für ein Projekt genehmigt, das unter dem Titel 'Sanierung'“ laufe. Die Grundidee sei die Bündelung der Trimedialität an einem Standort gewesen, jetzt brauche es ein Konzept, „möglicherweise einen Plan B, um dieses Ziel sicherzustellen“.

In den Landesstudios gehe es darum, „Stärken weiter zu stärken“, das heißt mehr Programm aus den Landesstudios. Viele Regionale Sendungen, wie etwa „9 Plätze, 9 Schätze“ kämen nämlich auch im bundesweiten Programm gut an. Nach wie vor ausständig ist auch die Ausschreibung der „Channel Manager“ für ORF eins und ORF 2. Auf die Frage, wann diese denn kommen werde, verwies Zach auf ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Er jedenfalls habe „niemanden gehört, der die Channel Manager für keine gute Idee hält“.

Herausforderung für den ORF

Auch Marie Ringler, Grüne-Vertreterin im Stiftungsrat„, hat von einer “konstruktiven, nicht angriffigen Diskussion„ gesprochen. Die größte Herausforderung des ORF sei, dass dieser sich “in einem immer schwieriger werdenden Marktumfeld behaupten„ müsse, meinte Ringler. Sich mit der Frage zu beschäftigen, wie viel Zuspruch man bei bestimmten Themen von einer politischen Partei bekomme, sei “total falsch„, zudem mache es laut Ringler auch wenig Sinn, sich mit anderen Öffentlich-rechtlichen zu vergleichen. “Ich glaube wirklich, dass man sich auf das Wesentliche fokussieren muss, nämlich die Positionierung des Unternehmens in diesem Marktumfeld„, betont Ringer.

Es ist eine der letzten Sitzungen, an denen das von den Grünen entsandte Mitglied teilnimmt, weil die Grünen nicht mehr im Nationalrat vertreten sind. Ringler werde “bis zu meiner letzten Minuten in meiner Funktion im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrags agieren„, sieht ihren Abgang aber optimistisch: “Ich halte es mit Pink Panther: Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage.„