Ausstrahlungsdatum: Sonntag, 17. Dezember 2017, 22.10 Uhr, SRF 1
Kurt Aeschbacher macht sich auf den Weg nach Deutschland: Er backt in Dresden als Lehrling den berühmten Christstollen, stellt im Erzgebirge einen originalen Nussknacker her und entdeckt im Thüringer Wald den Geburtsort der Weihnachtskugel. Eine Reise ins Weihnachtswunderland, wo die weihnachtliche Handwerkskunst eine lange Tradition hat.
Wenn ab dem ersten Advent in der sächsischen Region die Kerzen auf den Schwibögen, den hölzernen Lichterbögen leuchten, die Räuchermännchen qualmen und sich auf jedem Dorfplatz die Holzfiguren-Pyramide dreht, verfällt die Bevölkerung einem kollektiven Weihnachtsenthusiasmus. Kurt Aeschbacher reiste zwei Monate vor Weihnachten ins Weihnachtswunderland von Dresden, ins Spielzeugdorf Seiffen im Erzgebirge und weiter nach Lauscha im Thüringer Wald, und traf folgende Personen:
Stollenmädchen Hanna Haubold
Das 23. Dresdner Stollenmädchen ist als Markenbotschafterin und Repräsentantin vom Christstollen unterwegs. Sie ist im zweiten Lehrjahr zur Konditorin und vertritt die jahrhundertalte Tradition und die Liebe zum Handwerk. Dem Dresdner ist Hanna ganz persönlich verbunden: «Der Christstollen ist für mich eine Herzenssache.»
Meisterbäcker Henry Mueller
Der Chef der Feinbäckerei Müller im Dresdner Ortsteil Langebrück ist Stollenfachmann und Vorstandsvorsitzender des Schutzverbandes Dresdner Stollen. Er glaubt, der Erfolg des Stollens habe mit der saisonalen und daher begrenzten Erhältlichkeit zu tun. Und mit dem sächsischen Königshaus, welches Süssem schon immer zugeneigt war und das Hefegebäck förderte. Der Meisterbäcker stellt in Handarbeit pro Saison knapp tausend Christstollen her.
Nussknacker-Hersteller Markus Füchtner
Ihre Vorfahren waren Zimmerleute. Im Sommer auf dem Bau, im Winter arbeitslos. Die Not zur Tugend gemacht, musste das Schnitzmesser und Drechseleisen für den Lebensunterhalt der vielköpfigen Familie sorgen. Als Vater des Nussknackers wird Wilhelm Füchtner (1844 bis 1923) aus Seiffen genannt. Die von ihm geschaffenen Figuren wurden zu Urtypen des erzgebirgischen Nussknackers. Die Figuren galten einst als Persiflage und dienten dem Spott der Obrigkeit. Die Körperform wird aus einem Stück Holz in Handarbeit an der Drechselbank hergestellt. Der Familienbetrieb steht in der achten Generation und wird vom gelernten Drechsler und Holzspielzeugmacher Markus Füchtner geführt.
Holzkünstler Friedmar Gernegross
Nüsse, die vom Nussknacker verschont bleiben, werden vom gelernten Holzgestalter zu kleinen Kunstwerken verarbeitet. Er hat die Nussminiaturen zwar nicht erfunden, ist aber der Einzige, der sich darauf spezialisiert hat und davon leben kann. Er drechselt kleinste Holz-teilchen und inszeniert kleine Welten in den Hohlraum der Nüsse. Aber nicht mehr lange: Bald geht der Holzkünstler in den Ruhestand und als letzter seiner Art ist die einzigartige Drechselkunst vom Aussterben bedroht.
Stübelmacher Cornelia und Gunter Flath
Auch die Stübelmacher fertigen von Meisterhand Miniaturwelten – auch eine Form der erzgebirgischen Volkskunst. «Schon meine Oma und Uroma haben geschnitzt», erzählt Stübelmacher Gunter Flath, der schon 1975 seine Meisterprüfung als Holzspielzeugmacher absolvierte und sich seitdem auf filigrane Miniaturen spezialisierte. Heute hat er zahlreiche Stübchen im Sortiment, darunter Apotheke, Drechslerei, Hochzeitsstube und Weihnachts-krippe. Seit 2002 unterstützt Tochter Cornelia den Familienbetrieb.
Weihnachtskugeln-Hersteller Gerd Ross
Es war 1847 ein armer Thüringer Glasbläser in Lauscha, der in Ermangelung echter Äpfel und Nüsse, die damalige Dekoration von Weihnachtsbäumen, die ersten Vorreiter der heutigen Christbaumkugeln schuf: Früchte und Nüsse aus bunt bemaltem Glas. Dies war die Geburtsstunde des gläsernen Christbaumschmucks, der von Lauscha aus seinen Siegeszug um die ganze Welt antrat. Heute blickt Lauscha auf mehr als 160 Jahre Tradition zurück.
Glasbläser Michael Haberland
Sein Betrieb gehört zu den wenigen von Lauscha, welche die Christbaumkugeln noch von Hand herstellen und aufwändig bemalen. Sein Glück war es, dass der gelernte Kunstglasbläser 1991 im Hausschuppen alte Porzellanformen seines Grossvaters und Urgrossvaters entdeckte, die in einer Holzkiste die Jahrzehnte überstanden hatten.




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