Ausstrahlungsdatum: Mittwoch, 20. Dezember 2017, 22.25 Uhr, SRF 1

«Was tue ich hier, was hat das alles für einen Sinn?» – Wer kennt nicht dieses Gefühl absoluter Sinnlosigkeit, tiefster Ratlosigkeit. Der Philosoph Novalis meinte einst: «Nur ein Künstler kann den Sinn des Lebens erraten». Also fragt «Kulturplatz» bei Kulturschaffenden nach, und bei anderen. Eva Wannenmacher moderiert die Sendung.

Tristan Garcia – Warum wir Sinn in der Intensität suchen
Intensität ist der moderne Treibstoff des Lebens, das höchste Gut der menschlichen Existenz, sagt der französische Philosoph Tristan Garcia. Doch die ständige Suche nach Intensität ist anstrengend: Süchtig jagen alle neuen Höhepunkten und Extremen nach. Kein übergeordneter Sinn, kein paradiesisches Jenseits sei mehr wichtig, so Garcia. Es gehe nur darum, das sinnliche Erleben stetig zu steigern, das Dasein stärker zu erfahren. In seinem Buch «Das intensive Leben: Eine moderne Obsession» erläutert er, warum wir der Intensität nachjagen, und was dabei auf der Strecke bleibt.

Aimee Mullins – Auf Prothesen zu höherem Sinn
Aimee Mullins ist seit ihrer Kindheit auf Beinprothesen angewiesen. Aus dieser Behinderung zieht sie ihren Antrieb: Sie hat Weltrekorde im Sprint errungen und nutzt ihre Popularität, um die Gesellschaft immer neu zu überraschen. Sie modelt auf kunstvoll geschnitzten Holzprothesen über die Laufstege, mimt für Kunstfilmer Matthew Barney als laszive Catwoman und trumpft als Darstellerin in der Erfolgsserie «Stranger Things» auf. Weltweit verkündet sie die Botschaft von den unbegrenzten Möglichkeiten, die in uns allen stecken. «Kulturplatz» hat die Powerfrau in Genf getroffen.

David Suivez – Wie jeder Moment neuen Sinn generiert
David Suivez legt an den hippsten Events Musik auf, arbeitet als Yogalehrer und Therapeut, ist Mitglied einer Hiphop-Band, Vater und umtriebiger Influencer auf Social Media-Kanälen. Was er beruflich tut, kann und will er nicht definieren. Der 35-Jährige hat sich für ein Leben jenseits der Konventionen entschieden und sagt von sich, dass er immer versucht, im Jetzt zu leben und «easy waves» zu erwischen. «Kulturplatz» begleitet ihn und erfährt, wie es ist, wenn die Aufträge einmal ausbleiben und er sich mit einem «Lifestyle für Fortgeschrittene» behilft.

Lucky – Wie man in Würde bis ans Ende geht
Ein alter Mann lebt seine tägliche Routine in einem gottverlassenen Nest irgendwo in den USA. Bis er eines Tages einfach umfällt. Kündigt sich das Ende seines Lebens an? Um diese Frage kreist der Film «Lucky» von John Carroll Lynch. Unspektakulär, doch Darsteller Harry Dean Stanton verleiht dem alten Mann magische Würde. «Lucky» war seine letzte Arbeit, sein schauspielerisches Testament. Auch deshalb entwickelt der Film grosse Eindringlichkeit: Enthüllt sich ein Sinn, wenn das Ende naht? «Kulturplatz» hat mit dem Regisseur John Carroll Lynch gesprochen.