Ausstrahlungsdatum: Mittwoch, 31. Januar 2018, 22.25 Uhr, SRF 1

Die Stimme sagt über die Stimmung eines Menschen mehr aus als Mimik oder Gestik. Doch sie verrät nicht nur einiges über das Individuum, sondern auch über dessen Umgebung. Welchen Einfluss hat der gesellschaftliche Wandel auf sie? Und wie beeinflusst sie die Gesellschaft? Die Stimme: ein Seismograph. Eva Wannenmacher moderiert die Sendung.

Frauen- und Männerstimmen – Der Abstand hat sich halbiert
Stimmung und Veränderungen in der Gesellschaft spiegeln sich in unseren Stimmen wider. Genauer: in den weiblichen. Frauen sprechen durchschnittlich um einige Töne tiefer als noch vor 50 Jahren; nähern sich also den Männerstimmen an. Der Grund: die Emanzipation. Das sind die jüngsten Studienergebnisse des Leiters der Sektion Phoniatrie und Audiologie am Universitätsklinikum Leipzig, Michael Fuchs. Der Stimmforscher klärt auf, welchen Einfluss unsere Stimmen auf die Gesellschaft und die Gesellschaft auf unsere Stimmen hat.

Der frühe Stimmbruch – Über Gründe und Konsequenzen
Im 18. Jahrhundert leitete Johann Sebastian Bach den heute weltbekannten Thomanerchor in Leipzig. Damals hatten Jungs den Stimmbruch mit circa 17. Heute liegt das Durchschnittsalter bei frühen 13. Michael Fuchs, früher selbst Mitglied des Knabenchores und seit 2004 Leibarzt der jungen Sänger, kann den Stimmwechsel ziemlich exakt vorhersagen und weiss, was dessen Verlagerung in junge Jahre für Chor und Gesellschaft bedeutet.

Wer spricht denn da? – Synthetische Stimmen täuschend echt
Stellen Sie sich vor, jemand spricht mit Ihrer Stimme. Stellen Sie sich vor, man könnte Ihnen alles in den Mund legen, weil sich Ihre Stimme kopieren lässt. Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, die synthetisch erzeugte Stimme menschlich tönen zu lassen. Doch bisher mit wenig Erfolg. Letztes Jahr hat ein kanadisches Start-up eine Software entwickelt, die mit fünf Minuten Material einer Stimme jeden beliebigen Satz sprechen kann. Wird man bald jede Stimme kopieren können? Wird es die Stimme als einmaliges Erkennungsmerkmal bald nicht mehr geben?