Ausstrahlungsdatum: Donnerstag, 1. März 2018, 22.25 Uhr, SRF 1

Seit bald sieben Jahren tobt in Syrien ein grausamer Bürgerkrieg. Als einzige Region war Afrin unter kurdischer Selbstverwaltung davon verschont geblieben. Bis die türkische Armee und islamistische Milizen am 20. Januar den Krieg gegen Afrin eröffneten – ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Im Studio von «#SRFglobal» begrüsst Moderator Florian Inhauser den deutschen Politologen und Historiker Ismail Küpeli, Dozent an der Uni Bochum und Spezialist für Konflikte im Nahen Osten und der Türkei. Ausserdem analysieren die SRF-Korrespondenten, ob es Möglichkeiten gibt, den neuen blutigen Konflikt um Afrin zu beenden oder wenigstens einzudämmen.

Die meisten Bilder aus dem Spital von Afrin möchte man gleich wieder vergessen. Insbesondere jene von Kindern, denen ganze Körperteile fehlen. Sie sind Opfer türkischer Luftangriffe geworden oder vom Artilleriebeschuss islamistischer Gruppierungen, die Seite an Seite mit der türkischen Armee im Einsatz sind. Krieg ist immer grausam – und dieser ist es ganz besonders.

Afrin war bisher ein geglücktes multi-ethnisches und -religiöses Experiment: Es zählt heute rund 400’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Mehrheitlich Kurden, aber auch Araber, Tscherkessen, Turkmenen und 200’000 Binnenflüchtlinge aus Syrien haben seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Afrin Unterschlupf gefunden. Verteidigt wurde die Region von den sogenannten Volksverteidigungseinheiten der YPG und den Frauenmilizen der YPJ: Vereinzelte Angriffe des IS und islamistischer Rebellen schlugen sie erfolgreich zurück.

Die Türkei begründet ihren Angriff auf Afrin, indem sie die YPG- und YPJ-Einheiten mit der PKK in der Türkei gleichsetzt. Diese ist in der Türkei und der EU verboten, nicht aber in der Schweiz. In der Tat gibt es zwischen PKK und YPG enge Verbindungen; die YPG aber ist bis zum Ausbruch des Krieges um Afrin nie auf türkischem Boden aktiv geworden. İlhan Saygili, der Botschafter der Türkei in Bern, fordert in «#SRFglobal», dass die YPG Afrin verlasse und sich aufs Ostufer der Euphrat zurückziehe. Ansonsten werde die Türkei ihren Angriff in Syrien ausdehnen. Der Botschafter bestreitet, dass auch Zivilisten Opfer des türkischen Angriffs sind. Ein Bericht aus dem Spital von Afrin deutet auf das Gegenteil hin: Ein leitender Arzt sagt, 178 Zivilisten seien bisher getötet, mehr als 600 weitere verwundet worden.

Im Studio von «#SRFglobal» begrüsstFlorian Inhauser den deutschen Politologen und Historiker Ismail Küpeli. Er ist Dozent an der Uni Bochum und Spezialist für die Konflikte im Nahen Osten und der Türkei; er ist auch Herausgeber des Buches «Kampf um Kobane». Zu Wort kommt auch İlhan Saygili, der Botschafter der Türkei in Bern. Die SRF-Korrespondenten schliesslich analysieren, ob es Möglichkeiten gibt, den neuen blutigen Konflikt zu beenden oder wenigstens einzudämmen.