Vor 80 Jahren 1938 wurde sterreich Teil von Hitlerdeutschland. Was bedeutet die Mitschuld an den nationalsozialistischen Verbrechen fr die Verantwortung sterreichs heute? Anlsslich des ORF-Zeitgeschichteschwerpunkts 1938 Der Anschluss (Details unter http://presse.ORF.at) zeigt kreuz und quer am Dienstag, dem 13. Mrz 2018, um 22.35 Uhr in ORF 2 die Dokumentation Gr Gott und Heil Hitler Kirche unter dem Hakenkreuz von Bettina Schimak und Peter Pawlowsky. Der Film versteht sich als Reflexion ber sieben dunkle Jahre der sterreichischen Kirchengeschichte, als Auseinandersetzung mit historischen Brchen der Tradition, mit Widersprchen, mit gelebter Zivilcourage und der spten Einsicht in die Unvereinbarkeit von Nazi-Ideologie und Christentum.

Um 23.15 Uhr folgt ein von Mathilde Schwabeneder moderiertes Gesprch zum Gedenkjahr, in dem Kardinal Christoph Schnborn und Regierungsbeauftragter Heinz Fischer ber die Rolle sterreichs als Opfer und Tter, ber das Verhltnis von Staat und Religion, Kirche und Judentum sowie ber Herausforderungen der Demokratie sprechen.

Gr Gott und Heil Hitler Kirche unter dem Hakenkreuz Ein Film von Bettina Schimak und Peter Pawlowsky
Anbiederung, Zustimmung, Bedrohung, Opposition: Ein Kardinal, der zu Hitlers Ankunft in Wien die Kirchenglocken luten lsst. Ein mit Heil Hitler unterzeichneter Hirtenbrief der sterreichischen Bischfe, der den Glubigen empfiehlt, fr den ,Anschluss zu stimmen. Ein Rosenkranzfest im Wiener Stephansdom, das zum grten regimekritischen Protest der gesamten NS-Zeit wird. Fanatisierte Hitlerjugend, die das erzbischfliche Palais strmt. Transparente bei einer NS-Kundgebung am Wiener Heldenplatz: Nieder mit Innitzer, hngt die Pfaffen. All das ereignet sich zwischen Mrz und Oktober 1938.Noch am 10. Mrz hatte Kardinal Theodor Innitzer Kanzler Kurt Schuschnigg volle Untersttzung der Kirche fr die geplante Volksabstimmung ber sterreichs Unabhngigkeit zugesichert. Welche Motive, welche Strategien verbergen sich hinter der darauffolgenden Kehrtwende? Was erhoffte sich die sterreichische Amtskirche? Anpassung und misslungene Anbiederung als Strategie, um Macht und Einfluss zu behalten? Darauf versucht die Dokumentation Gr Gott und Heil Hitler Antworten zu geben sowie Ursachen, Folgen und Wirkungen zu beleuchten. Auch jene auf die vielen katholischen NS-Gegner, bei denen sich sptestens nach dem JA Theodor Innitzers Resignation breit machte.

Die Gestalter stellen erstmals vergleichende Bezge zur deutschen Kirche und zum Vatikan her. Die sterreichischen Bischfe kannten die leidvollen Erfahrungen des deutsche Episkopats nach der Machtbernahme Hitlers im Jahr 1933, sie wussten von Repressionen und Vermgensraub, auch die Enzyklika Mit brennender Sorge war ihnen vertraut, in der Papst Pius XI. fast genau ein Jahr vor dem Einmarsch, am 14. Mrz 1937, den Nationalsozialismus klar verurteilte. Trotzdem versuchte der Episkopat einen eigenen sterreichischen Weg zu gehen, einen Ausgleich mit Hitler zu finden und tappte damit in die Falle. War die Kirche seit Jahrhunderten eine Sttze der Machthaber, vor allem auch im autoritren christlichen Stndestaat, so geriet sie nach dem Mrz 38 recht schnell auf die Gegenseite und in die Mhlen nationalsozialistischer Repression. Ob gutglubige Naivitt, gekoppelt mit dem Mangel an politisch-strategischem Geschick und selbstbewusster Zivilcourage, zur Niederlage gegen den NS-Staat fhrte, will die Dokumentation klren. Ebenso, warum der Konflikt zwischen Hitler, NS-Ideologie und katholischer Kirche tiefere Wurzeln hat.

Erst im August 1938 gaben die Bischfe die fruchtlosen Verhandlungen um einen modus vivendi endgltig auf. Nach den dramatischen Protesten beim Jugendgottesdienst im Stephansdom blieb der Widerstand weitgehend eine Sache der Basis. Der Kampf ums berleben fand in Sakristeien statt, in verbotener Jugendarbeit, in der Sorge um getaufte Juden, in mutigen Predigten. Engagierte Laien wurden ebenso verhaftet, deportiert, ermordet oder hingerichtet wie Hunderte Priester. ber Widerstandskmpfer in der Soutane wurden auch Landesverweisungen und Predigtverbote verhngt.

Der inhaltliche Bogen der Dokumentation wird ber die gesamten NS-Jahre bis zum Kriegsende 1945 gespannt. Nach Kriegsende dauerte es Jahrzehnte, bis die mutigen Widerstandsleistungen von Franz Jgersttter und Schwester Restituta gewrdigt wurden. Whrend die beiden heute einer breiten ffentlichkeit bekannt sind, schlummert das tragische Schicksal anderer noch immer in Archiven und unaufgearbeiteten Nachlssen. Die Dokumentation holt Lebensgeschichten solcher Menschen aus dem Dunkel, Zeitzeugen geben ber den Kirchenkampf des NS-Regimes Auskunft.