Ausstrahlungsdatum: Freitags, ab 18. Mai 2018, 21.00 Uhr, SRF 1
In «Abenteuer Moskau» begleitet «DOK» Schweizerinnen und Schweizer, die in Moskau leben. Rund zweihundert Schweizerinnen und Schweizer leben in der russischen Hauptstadt – 2500 Kilometer von der Heimat entfernt. Umso interessanter ist zu erfahren, welche Menschen Moskau trotzdem zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht haben und wieso. Ist es ein Herz- oder ein Kopfentscheid? «DOK» begleitet sechs von ihnen, die den Mut hatten, sich im «Wilden Osten» niederzulassen.
Da ist Svetlana Guggenbühl, jung, schön, intelligent und im Moment damit beschäftigt, in Moskau ein Kaffeebusiness im grossen Stil aufzuziehen. Die studierte Ökonomin hat russische Wurzeln, aber lange in der Schweiz und in London gelebt. Vor einem Jahr nun hat sie sich entschieden, in ein total verändertes Russland zurückzukehren, wo sie den ersten Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Beruflich muss sie sich einer doppelten Herausforderung stellen. Zum einen muss sie ihr Kaffeebusiness vorantreiben, zum anderen möchte ihr Vater George, ebenfalls ein Unternehmer, auch nicht auf das Verkaufstalent seiner Tochter verzichten. Ob das gut geht? Dafür ist privat alles bestens. Seit Kurzem ist die 26-Jährige mit Keiran liiert. Der gebürtige Australier hat sich auf das Rösten von Kaffeebohnen spezialisiert. Zudem ist er der ruhende Pol in der Beziehung und unterstützt Svetlana, wo er kann.
Julie Bächtold hat die ganzen Veränderungen in Russland miterlebt. Seit es sie – nach dem Studium in Moskau Anfang der 90er – vor 14 Jahren der Liebe wegen endgültig nach Moskau verschlagen hat, lebt sie ein klassisch russisches Leben, allerdings mit enger Verbindung zur Schweiz, denn sie arbeitet auf der Schweizer Botschaft. Die 41-jährige Bernerin hat eine Tochter, die den Sommer – ganz nach russischer Manier – bei den Grosseltern auf der Datscha verbringt. So oft es möglich ist, besucht Julie ihre Tochter. Auf der anderen Seite geniesst Julie mit ihrem russischen Mann Andrej auch mal einen freien Abend im Kino oder im Theater. Mit ihrem Mann teilt sie zudem ihre Leidenschaft für Fotografie. Ist sie selbst noch Schweizerin oder Russin? Sie sieht sich irgendwo dazwischen, versucht aber, aus beiden Kulturen das Beste mitzunehmen: Aus Russland das Emotionale, aus der Schweiz das Rationale.
Ihr neuer Chef ist Lorenz Widmer. Der 40-jährige Ökonom kommt mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern frisch aus der Schweiz. Er ist allerdings schon russlanderprobt. Als Student hat er schon einige Jahre hier verbracht, zudem ist er bereits Teilhaber einer Datscha in der Nähe von Kaluga. Als sich nun die Gelegenheit bot, als neuer Leiter des Swiss Hub Schweizer Unternehmen zu beraten, die sich für den russischen Markt interessieren, hat er sie beim Schopf gepackt. Ein Abenteuer auf Zeit, schliesslich gilt der neue Job zunächst für vier Jahre. Doch der Alltag mit der Familie in einem Land, das sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat, ist eine Herausforderung.
Ganz in einem anderen Business ist Dominique Godat. Der Hotelier hat vor fünf Jahren von einem russischen Oligarchen den Auftrag erhalten, das Hotel Metropol wieder zur ersten Adresse in Moskau zu machen. Die Zimmer sollen grösser und luxuriöser werden. Und der Service muss von Grund auf verbessert werden. Seither baut Dominique um und versucht, seinen Angestellten ein paar Schweizer Tugenden beizubringen. Die Herausforderung: Die große Renovation darf den Betrieb des Hotels nicht beeinträchtigen. Diese Vorgabe hat Dominique vom Hotelbesitzer erhalten. Dominique lebt für seinen Job. Doch das hat seinen Preis. Seine Frau und seine Tochter wollten nicht nach Moskau ziehen, deshalb pendelt er alle zwei Wochen in die Schweiz. Ganz selten besucht ihn die Familie auch in Moskau. Ein schwieriger Spagat, doch die Entscheidung für den Beruf lässt sich nicht so einfach rückgängig machen.
Der Bauunternehmer Roland Lei hingegen gehört schon fast zum Inventar in Moskau. Im Moment baut er die neue Schweizer Botschaft. Der Bauingenieur, zu dessen Kunden renommierte Firmen wie Nestlé, Coop, Holcim und VW gehören, hat schon manche Krise in Russland überstanden, die jüngste macht ihm allerdings zu schaffen. Roland arbeitet hauptsächlich für Firmen aus dem Westen, und die sind wegen der Sanktionen sehr zurückhaltend mit Investitionen. Akquirieren ist schwierig momentan, Lei musste schon Stellen abbauen, nun hofft er auf einen neuen Auftrag. In der Schweiz hätte er nie eine solche Karriere gemacht, sagt er. Darum kann sich der 61-Jährige auch nicht mehr vorstellen, zurückzukehren. Seine erste Familie hat das Russland-Abenteuer allerdings nicht überstanden. Ein hoher Preis, doch der Kontakt zu seinen beiden Söhnen ist heute gut. Jedes Jahr fährt Roland mit ihnen die Snowboard-Ferien – oder die Söhne besuchen ihn auf seiner Datscha in Rjasan. Dort verbringt Roland die knappe Freizeit mit seiner langjährigen Freundin Katja und dem gemeinsamen Hund.
In die Heimat zurückkehren? Die Westschweizerin Dorothea Kolde muss sich diese Frage stellen. Nach 20 Jahren ist ihre Ehe am Ende. Ihre Tochter Sophia ist jedoch in Moskau aufgewachsen und will nicht weg. Zudem hängt Dorothea an ihrem Job. Die 53-Jährige arbeitet als Beobachterin für Menschenrechte. Sie stellt sicher, dass die Arbeiter auf den Baustellen, wo die Arbeiten für die WM voll im Gang sind, menschenwürdig behandelt werden. Eine sinnvolle Aufgabe, doch privat ist Dorothea ein bisschen auf Sinnsuche. Die Trennung von ihrem Mann ist frisch, wie geht es weiter? Dorothea versucht, sich mit Hobbys auf andere Gedanken zu bringen. Und wenn sie einen sympathischen Mann kennenlernen würde? Wer weiss, vielleicht wäre irgendwann auch eine neue Beziehung denkbar. Doch vorerst ist und bleibt Tochter Sophia der wichtigste Mensch in ihrem Leben.
Moskau – eine Millionenmetropole mit zwei Gesichtern: weltoffen und modern, aber zugleich streng und traditionell. Wer hier lebt und arbeitet, muss sich darauf einlassen, genauso wie auf einen Präsidenten, der von vielen Russen geliebt und im Westen eher kritisch beäugt wird. Traum oder Albtraum? – Abenteuer Moskau!




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