Mit der zweiten, von Ed Charles (deutsche Bearbeitung: Doris Hochmayr) gestalteten Folge der neuen sechsteiligen BBC-Erfolgsserie „Planet Earth – Das Wunder Erde“ präsentiert „Universum“ am Dienstag, dem 26. Juni 2018, um 20.15 Uhr in ORF 2 ein bildgewaltiges Porträt der trockensten Orte unseres Planeten. Flugaufnahmen und Zeitraffer, beeindruckende Panoramabilder und bisher selten festgehaltene Nahaufnahmen der Tierwelt im Wüstensand bieten die umfassende Beschreibung einer weitgehend unbekannten Lebenswelt. Der bildlich festgehaltene Alltag spitzfindiger Überlebenskünstler in arider Umgebung zeigt die Wüste nicht als Ort des Schreckens, sondern als faszinierend andere Spielart des vielfältigen Lebensraums Erde. Teil 3 folgt am Dienstag, dem 3. Juli, um 20.15 Uhr in ORF 2, die weiteren drei Episoden stehen ab 11. September auf dem „Universum“-Programm.

Für die BBC-Reihe „Planet Earth“ haben sich mehrere internationale Kamerateams drei Jahre hindurch auf härteste Herausforderungen eingelassen, um diese geheimnisvolle Welt aus nächster Nähe zu erfassen: Mit Drohnen durchdringen sie Wälder und Schluchten, mit Kamerafallen, superstarken Teleobjektiven und Hochgeschwindigkeitskameras dokumentieren sie erstmals bisher unentdeckte und kaum wahrnehmbare Abläufe. Nicht weniger als 117 Drehreisen führten die Teams durch rund 40 Länder, insgesamt absolvierten sie 2.089 Drehtage für die neue Reihe.

Sand, Steine, Felsen – so weit das Auge reicht. Tagsüber herrscht extreme Hitze, nachts umhüllt klirrende Kälte die öde Landschaft. Nichts kann gedeihen, da die Lebensgrundlage fehlt – Wasser. Mehr als ein Fünftel der Landmasse der Erde ist Wüste, eine der lebensfeindlichsten Landschaftsformen unseres Planeten. Leer sind Wüsten allerdings keinesfalls: Hier behaupten sich geniale Anpassungskünstler, die mit den extremen klimatischen Bedingungen perfekt zurande kommen. Löwen setzen ihr Leben bei der Giraffenjagd aufs Spiel, Bussarde gehen zwischen spitzen Kakteenstacheln auf gefahrvollen Beutezug, Fledermäuse liefern sich Kämpfe mit höchst giftigen Skorpionen – wer hier überleben will, ist mutig oder einfach clever. Flughühner etwa transportieren Wasser aus Dutzenden Kilometern Entfernung im Brustgefieder zu ihren Jungen. Und Wüstenelefanten erinnern sich an jedes einst selbst gegrabene Wasserloch – auch wenn sie es viele Jahre lang nicht aufgesucht haben. Manchmal ist die Wüste sogar übervoll: beim Wanderzug von Milliarden Wüstenheuschrecken.

Die Namib in Westafrika ist wiederum die älteste Wüste der Welt. Seit etwa 55 Millionen Jahren zählt sie zu den trockensten Gegenden unseres Planeten, obwohl sie direkt am Ozean liegt. Eine kalte Meeresströmung und warme Passatwinde verhindern die Wolkenbildung. Dafür aber gibt es gebietsweise reichlich Nebel. Dann klettern kleine Wüstenbewohner wie etwa der Nebeltrinkerkäfer die 350 Meter hohen Sanddünen empor, um die feuchte Luft am Körper kondensieren zu lassen. Kleinste Noppen und Rillen am Panzer führen das kühle Nass direkt zum Maul.

Die Namib beherbergt aber auch Säugetiere; Oryxantilopen kommen zum Beispiel über längere Zeit ganz ohne Wasser aus, indem ihre Körpertemperatur über 40 Grad steigen kann. Feine Blutbahnen um die Halsschlagader fungieren als Kühlsystem. Dieses funktioniert allerdings nur, wenn sich die Antilopen nicht zu schnell bewegen müssen. Etwa, um vor Wüstenlöwen zu flüchten. Die seltenen Raubkatzen sind oft tagelang hinter Beute her – und bei dem spärlichen Angebot nicht wählerisch. In Gruppen jagen sie sogar Giraffen, die mehr als eine Tonne wiegen und kräftige Hufschläge austeilen können – ein lebensgefährliches Unterfangen. Nachts streift der sogenannte „Dünenhai“ durch das Sandmeer: der Wüstengoldmull. Er gräbt knapp unter der Erdoberfläche Tunnel, die hinter ihm sofort wieder zerfallen – so „schwimmt“ der blinde kleine Jäger förmlich durch den Sand. Er nimmt feinste Vibrationen wahr und ortet zielgenau Beutetiere wie Termiten und kleine Reptilien.

Der mit Abstand trockenste Ort der Erde ist – neben den polaren Kältewüsten – die Atacama im Westen Südamerikas. Nur alle sieben bis zehn Jahre stürzen, bedingt durch das Wetterphänomen El Niño, enorme Regenmassen auf die staubige Erde und bringen sie zum Ergrünen. Dann lebt die Wüste in kürzester Zeit in überbordender Üppigkeit auf. Zu viel Wasser kann jedoch mancherorts zu regelrechten Plagen führen. Etwa dann, wenn im Südwesten Madagaskars die von massiven Regengüssen wachgeküsste Natur auch die Insektenwelt zu maßloser Vermehrung animiert. Bis zu eine Milliarde Heuschrecken geht dann gemeinsam auf Futtersuche und hinterlässt einen kilometerbreiten Pfad der Verwüstung.

Der Mangel an Nahrung und Wasser hat in den verschiedenen Wüstengebieten der Erde zu unterschiedlichen Anpassungen in Lebensweise und Verhalten geführt: Während im Südwesten der USA Mustang-Hengste erbitterte Kämpfe um die wenigen Wasserstellen austragen, bauen die sonst einzelgängerischen Wüstenbussarde auf Gemeinschaft und bilden schlagkräftige Jagdgruppen. In der israelischen Negev jagen Fledermäuse am Boden statt in den Lüften. Sie schlagen Beute, die üblicherweise von allen gemieden wird: den Gelben Mittelmeer-Skorpion. Gegen sein hochwirksames Gift sind die geflügelten Nachtjäger im Laufe der Entwicklung immun geworden. Und in Mexiko nutzen kleine Singvögel die langen Stacheln der Kakteen als Aufbewahrungsort für ihren Nahrungsvorrat. Die Wüste: ein Testlabor für die Evolution.

Die Wüsten der Erde wachsen – Jahr für Jahr um etwa 70.000 Quadratkilometer. Diese Desertifikation entsteht in hohem Maße durch den Einfluss des menschlichen Lebensstils: Waldrodung, intensive Landwirtschaft, Überweidung, verschwenderischer Umgang mit Grundwasser. Rechnet man die stetig wachsenden Halbwüsten zu den bestehenden ariden Gebieten hinzu, ist bereits ein Drittel der Landmasse des Planeten staubtrocken.