Im Rahmen der von 22. bis 30. September 2018 laufenden ORF-Initiative „Bewusst gesund –Stressfrei durch Bewegung“ (Details unter presse.ORF.at) bringt der ORF am Sonntag, dem 23. September, im „dokFilm“ um 23.05 in ORF 2 ein Dakapo der 2009 entstandenen Dokumentation „Herbstgold“ von Jan Tenhaven. Der berührende Film ist eine liebevolle Hommage an das Leben und erzählt die Geschichte von fünf Leichtathletinnen und Leichtathleten zwischen – damals – 80 und 100 Jahren, die sich auf die Weltmeisterschaft vorbereiten. Die rüstigen Seniorinnen und Senioren, darunter auch ein Österreicher, wollen es noch einmal wissen. Mit Ehrgeiz und Humor trotzen sie der eigenen Vergänglichkeit und geben auf der Zielgeraden des Lebens noch einmal alles für die Goldmedaille im finnischen Lahti. Ihr Motto: „Kopfstand statt Ruhestand! Ausruhen können wir uns nach dem Tod.“
Illustre Runde: 100-jähriger Diskuswerfer, 85-jährige Kugelstoßerin, 82-jähriger Hochspringer etc.
„Ich fühle mich nicht annähernd 100. Wieso, warum, was soll das sein, wenn man auf einmal 100 ist?“, fragt sich Alfred Proksch, der damals 100-jährige Diskuswerfer aus Wien, im Film. Der passionierte Aktzeichner lässt sich ein halbes Jahr vor der WM ein künstliches Kniegelenk einsetzen, denn er will „irgendwie weitermachen“ und fühlt sich zu jung für den Ruhestand. Doch wird er bis zum Wettkampf wieder auf den Beinen stehen? Jiři, 82-jähriger Hochspringer aus Tschechien, trainiert seine Ausdauer beim Treppenlauf im Plattenbau. Der ehemalige Pferdezüchter träumt davon, noch einmal die Ein-Meter-Marke zu knacken. Seine Frau massiert den buckligen Rücken und mahnt: „Sei vorsichtig, du musst doch kein Held mehr sein!“ Ilse, 85-jährige Kugelstoßerin aus Kiel, läuft zu neuer Hochform auf, seitdem ihr Mann verstorben ist und sie ein neues Leben in einer neuen Stadt begonnen hat. Herbert, 93, aus Stockholm rennt gegen die Einsamkeit an und vermisst „das Sexuelle“ in seinem Witwerleben. Und Gabre aus Italien verkündet mit halbgespielter Empörung, dass sie niemandem ihr Alter verrät, bis eine Sportkameradin sie aus Versehen vor laufender Kamera outet.
Es ist ein Wettkampf gegen das Alter und andere kleine Hindernisse. Die Senioren wollen noch ein letztes Mal auf dem Treppchen stehen oder einfach nur dabei sein. Wer wird in Finnland ankommen? Wer wird sich in Würde zurückziehen? Wer wird verbittert bis zum Ende kämpfen? Eine Geschichte vom Verlieren und Gewinnen, von Rückschlägen und großen Triumphen. „Herbstgold“ ist eine Hommage an das Leben, wie es sein kann: nicht glatt und faltenfrei, aber voller Humor und Willenskraft.
„Ich meine, ein, zwei Jahre, habe ich so das Gefühl, müsste es eigentlich noch gehen. Viel weiter will ich nicht darüber nachdenken“, resümiert Diskuswerfer Alfred Proksch am Ende des Films. Im Jänner 2011, wenige Wochen nach seinem 102. Geburtstag, ist er in Wien gestorben.




Reply With Quote