Ausstrahlungsdatum: Freitag, 21. Dezember 2018, ab 22.50 Uhr, SRF zwei
SRF zwei präsentiert zum sechsten Mal «Die lange Nacht der kurzen Filme», eine vielfältige Auslese an Schweizer und internationalen Kurzfilmperlen. Die 18 Werke unternehmen Streifzüge durch herzerwärmende, absurde und heitere Welten. Durch die längste Nacht im Jahr begleitet die Kulturredaktorin Cynthia Ringgenberg.
Die Reise startet opulent und natürlich «All Inclusive» auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff. Der gleichnamige Doku-Kurzfilm der Schweizer Regisseurin Corina Schwingruber Ilić dekonstruiert gekonnt den Gute-Laune-Wahnsinn des Massentourismus. Es erstaunt nicht, dass «All Inclusive» seine Premiere dieses Jahr am Filmfestival Venedig feiern durfte.
Der belgische Kurzfilm «Wildebeest – Savannenfieber» (Fantoche-Gewinner 2018) besticht mit einem Mix aus Real- und Animationsfilm. Die realen Bilder der wilden Tiere sind so gut auf die gezeichneten Figuren abgestimmt, dass man das Gefühl bekommt, dass Gnus und Jaguare auf die beiden Trickfilmfiguren reagierten. In «Watu Wote: All of Us» tritt Jua, eine Christin, die gefährliche Reise zu ihrer kranken Mutter in den Norden Kenias an. Als der Bus von der militanten islamistischen Al-Shabaab angegriffen wird, gelingt den Passagieren ein beispielloser Akt der Menschlichkeit. Die auf wahren Begebenheiten beruhende deutsch-kenianische Produktion war 2018 für einen Oscar nominiert. Auch eine Wanderung im Grünen birgt Überraschungen: In «Die Herberge» verirrt sich ein Ehepaar in einen seltsamen Landgasthof, wo es statt Bratwurst Hummus und Fladenbrot gibt.
Ausser einem animierten Weihnachtsbaum im preisgekrönten Werk «Weekends» des US-Amerikaners Trevor Jimenez ist in der Kurzfilmnacht weder Lametta noch Engelshaar zu finden. Zum vorweihnächtlichen Einkaufsstress passen die beiden Supermarkt-Komödien «Gratis» und «Kleptomami». Der holländische Kurzfilm «Gratis» stellt die alles entscheidende Frage: Trüffelkäse oder Goji-Beeren? In «Kleptomami» hat Lucy es satt, die perfekte Mutter spielen zu müssen und klaut mit ihrem kleinen Sohn, was in den Kinderwagen passt.
Kathartisch mutet auch die Filmanimation «Enough» aus Grossbritannien an. Der Zweiminüter liefert Ideen, wie man so richtig Dampf ablassen kann. Es hat gewirkt: Am Fantoche erhielt er dafür den Publikumspreis.
Mysteriös geht es in drei Kurzfilmen zu und her: «Ruah» des Schweizer Regisseurs Flurin Giger feierte 2016 seine Premiere am Filmfestival Venedig. In einem schneebedeckten Tal in den Bergen liegt etwas Unerklärliches in der Luft. In «Eva» von der Regisseurin Xheni Alushi manifestiert sich die Gefühlswelt der Hauptfigur in einer ominösen Pfütze, und der finnische Kurzfilm «Die Decke» bringt die Lebenskrise eines Mannes mit einer plötzlich zu tief hängenden Decke zum Ausdruck. Für Spannung und Interpretationsspielraum ist gesorgt.
Ein willkommenes Ablenkungsmanöver vor den Festtagen.




Reply With Quote