Ein beleidigter Hund, eine hilfsbereite Ratte, ein mitfühlender Schimpanse: Können sich Tiere in andere hineinzuversetzen? Haben sie Mitgefühl? Sind sie fair oder gar gerecht? Neue Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung revidieren, was man bisher über die Gefühlswelt der Tiere wusste.

Dass es schlaue Tiere gibt, ist mittlerweile bekannt. Auch Primäremotionen wie Freude oder Trauer sind in der Tierwelt verbreitet. Im Nationalpark «Taï», tief im Regenwald der Elfenbeinküste, hat ein junger Schimpanse seine Mutter verloren, Leoparden haben die Äffin gerissen. Nun ist der Kleine auf sich allein gestellt. Am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig werten Verhaltensforscher die Beobachtungen aus. Sie wollen herausfinden, ob die anderen Schimpansen aus Mitgefühl für das Junge sorgen. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass sich Tiere, die genetisch nicht verwandt sind, um die Jungtiere von anderen kümmern.

Der Verhaltensbiologe Frans de Waal erforscht an der Emory University in Atlanta, ob Tiere fair sind und wie sie kooperieren. Für ihn ist klar: «Wenn sich ein Individuum egoistisch verhält, wird es in Zukunft Schwierigkeiten haben. Auf lange Sicht lohnt sich Egoismus nicht». Die Kooperationsfähigkeit von Tieren wird mit dem sogenannten String-pulling-Test überprüft. Dabei kommen Tiere nur an Futter, wenn sie zusammenarbeiten. Für Schimpansen und Elefanten kein Problem, sogar Raben und Wölfe meistern diese Aufgabe.

Ausstrahlung: Sonntag, 18. August 2019, 15.45 Uhr, SRF 1