Die verheerenden Brände im Amazonasgebiet haben den Blick auf Brasilien und auf den Präsidenten und früheren Fallschirmjäger-Hauptmann Jair Bolsonaro gelenkt. Seinen Wahlsieg verdankt er dem gemeinsamen Machtkampf der Grossgrundbesitzer, der Evangelikalen und der Armee.
Der französische Filmemacher François Cardona spürt den wichtigsten Exponenten dieser Machtzirkel nach. Da ist etwa der reiche evangelikale Prediger Silas Malafaia, Freund und Sprachrohr von Bolsonaro, der mit seinem Medienimperium und seinen Predigten einer der einflussreichsten Brasilianer ist. Malafaia wird nicht müde, Bolsonaros zweiten Vornamen Messias zu zitieren und den neuen Präsidenten als Erlöser zu preisen.
Brasilien ist eigentlich ein katholisches Land, aber im Laufe der vergangenen Jahrzehnte sind die Anhänger der Evangelikalen auf fast einen Drittel der Bevölkerung gestiegen. Auch Bolsonaro selbst war einst Katholik, liess sich dann aber medienwirksam im Fluss Jordan zum Evangelikalen taufen. Er wird nicht müde, Jesus und Gott zu zitieren, scheut sich aber auch nicht, mit den Militärs zu liebäugeln und ihnen wichtige Posten zu überlassen. Beispielweise ernannte er einen General, der noch vor Kurzem öffentlich über einen Militärputsch nachgedacht hat, zum Vizepräsidenten. Und dass Bolsonaro die Militärdiktatur verherrlicht und deren Verbrechen verharmlost, macht vielen im Land Angst – nicht zuletzt den Landlosen, die jetzt fürchten müssen, von den Grossgrundbesitzern weiter an den Rand gedrängt zu werden.
Ausstrahlung: Mittwoch, 2. Oktober 2019, 20.50 Uhr, SRF 1




Reply With Quote