Wie die heimischen Medienhäuser mit der Ausnahmesituation umgehen: Der ORF als infrastruktur-kritisches Unternehmen bereitet alternative Sendemöglichkeiten vor, die Printredaktionen des Landes arbeiten von zuhause aus. Ein Überblick.
Als der HORIZONT ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz Dienstag dieser Woche am Telefon erreicht, ist er nur ausnahmsweise im Büro, denn auch der ORF-Chef arbeitete dieser Tage von zu Hause aus. Die täglichen Krisenstäbe im öffentlichen-rechtlichen Sender – es gibt zwei davon, einen die Sicherheitsmaßnahmen betreffend, einen für Programmfragen – kommen per Videokonferenz zusammen.
„Schon zu einem frühen Zeitpunkt“, so *Wrabetz, „haben wir begonnen, uns auf diese Situation vorzubereiten.“ Konkret wird am Küniglberg nun jede Tätigkeit in „sendungsrelevant“ oder eben nicht unterschieden. „Die Gesundheit der Mitarbeiter und die Erhaltung der Sendefähigkeit des ORF als kritische Infrastruktur sind zentral.“ Rund 50 Prozent der Mitarbeiter würden deshalb bereits von zu Hause aus arbeiten, die Redaktion von orf.at etwa sei bereits zur Gänze „remote“. Der Aktuelle Dienst in Radio und TV ist nun in mehrere Teams aufgegliedert, die sich räumlich und zeitlich trennen müssen. Motto auch hier: Kontaktverbot. Fällt eines wegen einer Infektion und der folgenden Quarantänemaßnahmen aus, kommt das jeweils andere zum Einsatz. Diese Regeln reichen bis hin zu den Teams der Untertitelung.
Kontaktverbot unter Moderatoren
Die Moderatoren der wichtigsten Nachrichtensendungen dürfen *darüber hinaus keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen. Eigene – desinfizierte – Taxis stehen dem Vernehmen nach zur Verfügung. Auch hier gilt Kontaktverbot. Im ORF-Zentrum selbst herrschen ebenfalls strenge Regeln. Am Eingang wird Fieber gemessen, die Caféteria ist geschlossen, in der Kantine sind die Tische weit auseinandergerückt. Nehmen zwei Mitarbeiter am selben Tisch Platz, müssen sie das an gegenüberliegenden Enden tun.
Und was passiert, wenn im ORF-Zentrum dennoch Infektionen auftreten? Wrabetz verweist auf gleich mehrere Szenarien, wie im schlimmsten Fall weitergesendet werden kann: „Wir können das ORF-Zentrum unterteilen und einzelne Bereiche unter Quarantäne stellen, dafür werden gerade 40 Schlafplätze eingerichtet. Hier muss auch die Lebensmittelversorgung (am Küniglberg gibt es ein Lebensmittelgeschäft; Anm.) sichergestellt sein.“ Weitere Studios, aus denen im Notfall gesendet werden könnte, gibt es im Funkhaus in der Argentinierstraße, im Parlament und natürlich in den Landesstudios. Wrabetz: „Fällt ein Studio aus, können wir im Fall des Falles auch mehrere Landesstudios zusammenlegen.“ Das dieser Tage in der *Boulevardpresse drastisch geschilderte „Ausweichmanöver“ in die Wiener Stiftskaserne findet Wrabetz übertrieben: „Dieses Studio wurde einfach nur aktiv gestellt.“
,Nachhaltige Änderung‘
Die Maßnahmen, die der ORF bereits getroffen hat und weiter treffen müsse, würden, erklärt der ORF-Chef, bisher wenige 100.000 Euro kosten: „Da muss man auch die über 60 Sondersendungen der vergangenen Tage mit berücksichtigen.“ Einnahmenseitig, sprich bei den Werbeeinnahmen, gibt es erste Stornierungen, aber: „Wir versuchen ja die Werbeplätze nach Möglichkeit zu erhalten, einzelne Kampagnen, wie zum Beispiel eine des Lebensmittelhändlers Hofer, sind sogar zusätzlich eingebucht worden.“
In Summe, so Wrabetz, sei der ORF im Moment so sehr gefordert wie das gesamte Land. „Aber es ist eine Zeit, in der wir unsere Stärken zeigen können. Ich denke, dass jetzt sowohl die Politik als auch die Menschen sehen, wie wichtig die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist – bei all dem, was auch die Privatsender im Moment leisten.“ Und, meint * Wrabetz: „Ich denke, dass sich die Position des ORF nachhaltig verändern wird.“
Worst-Case-Szenarien
Die angesprochenen Privatsender – konkret Puls 4/ATV und der Newskanal Puls 24 beziehungsweise ServusTV – befinden sich derzeit ebenfalls in absoluter Ausnahmesituation. Beim Sender in Wien St. Marx arbeiten „je zwei Teams, die einander nicht sehen, in allen Einheiten“. Die internen Sicherheitsmaßnahmen sind rigoros, so eine Sprecherin: „Wir haben schon vor Längerem einen internen Krisenstab initialisiert und einen guten, mehrstufigen Maßnahmenplan vorbereitet. Außerdem sind wir gut mit dem Konzern verknüpft, werden da gut unterstützt und sind mit den zuständigen Ministerien in regem Austausch. Gleichzeitig setzen wir vermehrt nochmals erhöhte *Hygienevorkehrungen sowie auch Fiebermessungen beim Eingang.“
In Sachen Sales ist man ebenfalls gefordert, kämpft mit den Folgen der Ausgangsbeschränkungen: „Die erforderliche Schließung einer Vielzahl von Geschäften wirkt sich natürlich auch auf uns aus. Wir sehen seit letzter Woche daher auch viele Anfragen unserer Kunden um Verschiebung oder Berücksichtigung ihrer Strategien. Wir haben einen sehr guten Krisenplan, unsere Teams arbeiten aus dem Home Office beziehungsweise bei jenen Teams, wo dies nicht möglich ist, teilweise auch im *Unternehmen. Wir können somit weiterhin sehr schnell auf die Wünsche unserer Kunden eingehen und diese individuell bearbeiten.“
Bei ServusTV in Salzburg wiederum darf der zentrale Sendebereich mit den Studios nur noch von Personal betreten werden, das für die aktuellen Sendungen notwendig ist. Dieser Bereich wird bereits gesondert versorgt, es gelten strengste Hygieneregeln. „Im Worst Case“, so ServusTV-Intendant Ferdinand Wegscheider, „wird das Sendergebäude unter Quarantäne gestellt und die Mitarbeiter bleiben rund um die Uhr vor Ort.“
Und welche Vorsorge wird für *Reporter getroffen, die aus Gebieten berichten, die höheres Risiko haben? „Das wird von Fall zu Fall entschieden. Einsätze gibt es nur, soweit es möglich ist, dass sich die Kollegen durch die bekannten Maßnahmen schützen.“
Print @home
Unter den heimischen Tageszeitungen sind die meisten schon vergangene Woche auf Minimal-Präsenz in den Redaktionen, Videokonferenzen und Heimarbeit umgestiegen. Die Umfänge werden vielfach – auch wegen ausbleibender Inserate – reduziert. Aber auch „weil Kultur- und Sportressorts deutlich weniger zu berichten haben“, wie Bernd Olbrich, Redaktionsmanager der Kleinen Zeitung in Graz erzählt. Vorteil der Kleinen: Sie könnte die Produktion entweder aus Graz oder Klagenfurt, den beiden Hauptstandorten, bestreiten.
Im Kurier arbeitet seit Montag im Newsroom nur noch ein gutes *Dutzend statt rund 150 Mitarbeitern. Alle anderen sind zu Hause, ähnlich ist es bei Presse und Standard. Bei ersterer will man demnächst auf 100 Prozent Home Office umstellen.
Auch die APA, der wohl eine ähnliche Funktion wie dem ORF zukommt, hat mittlerweile auf Home Office umgestellt. Derzeit sind nur mehr zehn bis 15 Prozent der Arbeitsplätze belegt.




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