Neubau in St. Marx oder Zusammenführung aller ORF-Standorte und -Sender am Küniglberg? Die ORF-Entscheidung für letzteres Szenario, mit Kosten von 303 Millionen Euro, wurde vom Rechnungshof überprüft. Der Endbericht liegt seit heute vor.
Im Jahr 2012 beschloss der ORF die Zusammenführung seiner drei Wiener Standorte (Küniglberg, Heiligenstadt, Argentinierstraße) an einen gemeinsamen Standort. In seinem heute publizierten Bericht "ORF: Standortkonsolidierung – 1. Bauphase" kritisiert der Rechnungshof, dass die Geschäftsführung des ORF "die Entscheidung für die Konsolidierung am Standort Küniglberg ohne umfassende Analyse der Vor- und Nachteile für einen Neubau traf". Überprüft wurden dabei nur die Jahre 2012 bis 2016.
'Breite Mehrheit fehlte'
Seit 2004 waren dem ORF Schäden an den Gebäuden des ORF-Zentrums bekannt. In der Folge, so der Rechnungshof in einer Aussendung, wurden drei Szenarien entwickelt: der Neubau in Wien St. Marx, eine konsolidierte Sanierung und die Zusammenführung aller ORF-Standorte am Küniglberg sowie die unkonsolidierte Sanierung mit einer Beibehalten der Standorte Argentinierstraße (Ö1) und Heiligenstädter Straße (Ö3). Während einige Aspekte für einen Neubau in Wien-Erdberg sprachen (keine Einschränkungen durch den Denkmalschutz, Synergieeffekte oder die gute Verkehrsanbindung) war im ORF-Stiftungsrat "eine breite Mehrheit für eine Konsolidierung an einem neuen Standort nicht gegeben", so der Rechnungshof den ORF zitierend. Hintergrund: die (Neu)Bauentscheidung war auch Teil eines politischen Kräftemessens zwischen den SPÖ- und ÖVP-Fraktionen im ORF-Stiftungsrat, die Gemeinde Wien hatte ursprünglich einen Neubau in Wien Erdberg favorisiert.
Positiv: Kein Sendeausfall
Der Rechnungshofbericht urteilt darüber folgendermaßen: "Der Rechnungshof Österreich kann die Argumente für die Entscheidung der Konsolidierung am Standort Küniglberg - die Kosten belaufen sich auf 303 Millionen Euro - nicht ausreichend nachvollziehen. Alle Szenarien hätten hinsichtlich Kosten, Risiken sowie Vor- und Nachteilen bewertet und beurteilt werden müssen. Eine umfassende Risikoanalyse und -bewertung fehlte." Positiv gewürdigt wird zumindest, "dass es bis zum Ende der Gebarungsüberprüfung zu keinen Produktions- und Sendeausfällen kam".
Verkehrskonzept fehlt
Wenig zufrieden ist der Rechnungshof auch mit der Verkehrsplanung für den nun stark aufgewerteten Standort Küniglberg. Zitat: "Die Standortkonsolidierung am Küniglberg erfordert auch eine Festlegung auf ein Verkehrskonzept zwischen der Stadt Wien und dem ORF. Denn: Bis zu 860 Beschäfigte des ORF sollen bei Zusammenführung der zentralen Unternehmensfunktionen zusätzlich am Küniglberg tätig sein. Der Rechnungshof Österreich kritisiert, dass die zuständige Stadträtin, die Bezirksvertretung von Hietzing sowie der ORF sich bisher noch auf kein Verkehrskonzept einigen konnten." Dieses wird für die Zeit nach Corona eingefordert.




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