Der ORF fährt weiter drastische Sicherheitsmaßnahmen am Küniglberg. Nun sollen die internen Studioproduktionen rigide kontrolliert werden. Im Haus selbst stößt das auf Widerstand.
Ein siebenseitiges Memo der ORF-Konzernsicherheit unter der *Leitung von Pius Strobl sorgte Anfang der Woche für Aufregung am Küniglberg. Das Papier „Corona-Sonderbetrieb II“, das HORIZONT vorliegt, will exakt geregelt wissen, wie TV-Studioproduktionen künftig unter Corona-Bedingungen abzulaufen haben. Demnach sei „die frühestmögliche Einbindung der Konzernsicherheit durch die Produktion unabdingbar“, man wolle „möglichst detailliert über die Produktionsabsichten informiert werden“. Zentraler Punkt: Erst nach Freigabe kann die Umsetzung der jeweiligen TV-Produktion erfolgen.
Was ORF-Mitarbeitern sauer aufstößt, ist nicht nur die Genehmigungspflicht von hausinternen Drehs durch eine nicht redaktionelle Abteilung und „bürokratischer Overkill“, sondern auch die geforderte Erfassung aller Mitwirkenden mit „Name, Funktion, E-Mail-Adresse sowie Mobilnummer“. Und: Sofern Betriebsfremde nicht direkt einer Produktionsfirma angehören, dürfen diese sich „ausschließlich in Begleitung innerhalb des ORF-Zentrums bewegen – dies gilt vom *Eintreffen bis zum Verlassen des Areals“. Zur Umsetzung aller Sicherheitsmaßnahmen sei externes Security-Personal für die Produktion und auf deren Kosten beizuziehen.
'Konzernsicherheit darf nicht zu einer Art interner Polizei werden'
ORF-Redakteursrat Dieter *Bornemann sieht, vom HORIZONT mit dem Papier konfrontiert, die Maßnahmen als „sehr überzogen“ an. „Diese sind im ORF weiter sehr restriktiv und passen nicht mit den Maßnahmen im gesamten Land zusammen.“ Im Übrigen sei die Redakteursvertretung hier nicht eingebunden gewesen, Mitspracherechte würden ignoriert. Weiterer Kritikpunkt: „Hier geht es um sensible Daten“, in der Folge sei nicht ersichtlich, was mit diesen Daten passiere. Und Bornemann erinnert an den aktuellen Fall im Landesstudio Vorarlberg, wo ein Mitarbeiter wegen angeblichen Ignorierens der Sicherheitsbestimmungen fristlos entlassen wurde. Seine Warnung: „Die Konzernsicherheit darf nicht zu einer Art interner Polizei werden.“
Von ORF-Unternehmensseite jedenfalls beruhigt man und meint: „Oberstes Ziel des ORF ist die Absicherung des Sendebetriebs, aus diesem Grund gelten entsprechende Vorsichtsmaßnahmen auch für betriebsfremde Besucher, an die sich diese administrative Regelung richtet. Es geht hier nicht um journalistische Interviewgäste von Redaktionen, sondern um Gruppen wie Publikumsgäste von Live-Sendungen oder sonstige Besucher, die beruflich zu Terminen ins ORF-Zentrum kommen.“




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