Der ORF präsentierte – in abgespeckter Form – seine Programmhighlights für die Saison 2020/2021. Das Revival von ,Starmania‘ steht im Mittelpunkt.
Wir singen, wir tanzen, wir raten, lachen und staunen.“ Was nach Eskapismus klingt in den Worten von ORF-eins-Channelmanagerin Lisa Totzauer, ist das Unterhaltungskonzept des ORF für Coronazeiten. Und auch Generaldirektor Alexander Wrabetz hatte bei der ORF-Programmpräsentation Dienstag dieser Woche (diesmal ohne großes Event und nur vor Journalisten) durchwegs gute Nachrichten parat. Wichtigste Botschaft: „Der ORF investiert ins Programm, obwohl die Werbung temporär zurückgegangen ist.“ Aber auch hier ist Licht am Ende des Tunnels: Derzeit halte man bei den Werbeeinnahmen im Fernsehen bei einem Minus von zehn bis zwölf Prozent unter Vorjahr, „vor dem Sommer haben wir aber sogar mit einem Rückgang von 25 bis 30 Prozent gerechnet“. Die derzeitige Stimmung der Werbewirtschaft sei dennoch gut. Ins nächste Jahr geht man mit „gemäßigt positivem Szenario“. Und dank nun gelungener 75 Millionen Euro Einsparungen werde man, so Wrabetz, im November auch ein ausgeglichenes Budget für 2021 vorlegen können.
Größtes Sportjahr aller Zeiten
Eine „schwarze Null“ zu schaffen im Budget, ist vor allem deshalb herausfordernd, weil 2021 „eines der größten Sportjahre aller Zeiten“ im ORF bevorstehe, wie Wrabetz bei der Präsentation meinte: die verschobenen Großevents Olympia und Fußball-EM, dazu alpine und nordische Ski-Weltmeisterschaften, die Formel 1 und ATP-Tennis mit Dominic Thiem. Für die beiden letzteren Bewerbe hält der ORF freilich nur einen Teil der Rechte.
Einen starken Akzent will Wrabetz auf die Unterhaltung setzen – und dort aufs Comeback der Castingshow „Starmania“, die zuletzt 2009 Teil des ORF-Programms war und deren Erfinder Mischa Zickler zurzeit ein zeitgemäßes Konzept entwickelt. Diese Woche war Bewerbungsstart für die „nächste Generation von Nachwuchskünstlern“, der Sendestart erfolgt dann am 26. Februar. Bei ORF eins setzt Lisa Totzauer aber auch aufs (einmalige) Comeback von „Wetten, dass..?“ mit Thomas Gottschalk, mehr Folgen der Eigenentwicklung „Fakt oder Fake“, für das auch die BBC Interesse zeigt, das neue, länderübergreifende „Quiz ohne Grenzen“ und das Dokutainment-Format „A Team für Österreich“ mit der ehemaligen RTL-Dschungelcamp-Teilnehmerin Marissa Marolt in tragender Rolle. Dort sollen „gesellschaftspolitisch relevante Themen wie Fast Fashion, Bienensterben oder psychische Krankheiten“ für die jüngere Zielgruppe thematisiert werden. Einem gleichlautenden Format mit Armin Assinger als Präsentator war vor acht Jahren kein großer Erfolg beschieden. Damals kümmerte sich der ORF um Menschen in misslichen Lagen.
Ein spannendes Experiment startet Moderatorin Lisa Gadenstätter mit einer Spezialausgabe ihres „Dok 1“ schon am 28. Oktober. „Sind wir Rassisten? Der Test“ zeigt einen „Blue Eyed“-Workshop, bei dem zwei Kandidatengruppen gegeneinander positioniert werden, die eine ist privilegiert, die andere wird stark diskriminiert. Ein potenzieller Aufreger im Programm.
Weihestunde
Die zwei tragenden Säulen des komplementär programmierten ORF 2 sind laut dessen Channelmanger Alexander Hofer „Information und österreichische Unterhaltung“. Von Zweiterer gibt es 2020/2021 jede Menge zu sehen: Am Nationalfeiertag die rot-weiß-rote Landschaftsweihestunde „9 Plätze 9 Schätze“, dazu Hansi Hinterseer im Tuxertal, Andreas Gabalier zu Weihnachten und – nach früherem Zerwürfnis – eine Show für Schlager-Star Andy Borg zum 60. Geburtstag. Die Corona-bedingten Absagen von Villacher Fasching und Opernball – zwei der zuschauerstärksten Sendungen im ORF – fängt Hofer mit speziell gestalteten Sendungen aus dem Archiv auf.
Information als Säule von ORF 2 wird mit einem zusätzlichen Sendeplatz für die Chronikberichterstattung („Aktuell nach 5“) am Sonntag gestützt. Eben erst hatte der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Hauptnachrichten und Chronikmagazine mit neuer Dramaturgie und Sendungsdesigns versehen. Die stärkere Rolle der Landesstudios als Contentlieferant wird noch einmal ausgebaut. Positive Nachrichten auch aus der fiktionalen Produktion des ORF, wie Programmdirektorin Kathrin Zechner zuletzt betonte: Man habe trotz Coronadrehstopps „keine Produktion verloren“, sogar Neues sei neben „Vorstadtweibern“ und Co in der Pipeline: etwa die Serienentwicklungen „Letzter Wille“, „Wir müssen reden“ und drei neue Landkrimis.




Reply With Quote