23 Grand-Prix-Übertragungen, aber auf zwei Sendern. Erstmals teilen sich ORF und ServusTV die Rechte an der Königsklasse des Motorsports. Ein Ausblick und die Pläne der Sender.
Mehr als ein halbes Jahrhundert Formel 1 im österreichischen Free-TV und nur beim ORF – es ist eine Ära, die da am Sonntag zu Ende geht. Erstmals muss sich der Öffentlich-Rechtliche die Senderechte für die höchste Motorsportklasse als Sublizenznehmer mit einem Privatsender teilen – auch wegen „ökonomischer Vorgaben“, wie ORF-Generaldirektor Aexander Wrabetz betonte. Der neue Rechtehalter ServusTV (für drei Jahre), der zuletzt massiv in Sportübertragungsrechte investierte, überträgt nun wie der ORF zwölf Rennen pro Saison, darunter den Saisonauftakt in Bahrain am Wochenende, den „Klassiker“ in Monaco im Mai und – parallel zum ORF – den Österreich-Grand-Prix Anfang Juli.
Die neue Konkurrenzsituation befruchtet jedoch beide Sender, wie ein HORIZONT-Rundruf ergab. Redaktionsteams und Begleitberichte werden ausgebaut, neue Formate geschaffen. ServusTV-Redaktionsleiterin Tanja Bauer und der ORF-Formel-1-Verantwortliche Marc Wurzinger sind einig darin, sich nicht als Konkurrenz zu sehen: „Der größte Gewinner wird der Zuschauer sein.“
Investments bei beiden Sendern
Formel-1-Rookie ServusTV hat jedenfalls kräftig investiert, auch in ein neues, von Stuart Veech entworfenes Hightech-Studio, das laut Bauer alle Stücke spielt: „Animationen mit Augmented Reality und die Möglichkeit, gleich mehrere Autos virtuell im Studio zu zeigen.“ Im Team wurde ebenfalls aufgerüstet. Moderatorin Andrea Schlager und Experte *Christian Klien melden sich mit aktuellen Infos und Interviews aus den Boxengassen, Kommentator Andreas Gröbl und Experte Nico Hülkenberg führen aus dem Studio in Salzburg durch die Sendungen. Bauer will beim Storytelling auch auf ihre Zeit im Mercedes-Rennstall zurückgreifen, wo sie ab 2018 als Broadcast- und Video-Consultant hautnah am Geschehen war. Zusätzliche Inspiration, so Bauer: die aktuelle Netflix-Serie „Formula 1“, die auch bei den Formel-1-Teams „ein neues Bewusstsein für Berichterstattung“ geschaffen habe.
Im ORF kontert man ServusTV und seiner Sendung „Speed – Das Motorsportmagazin“ (inklusive MotoGP-Berichten) mit dem neuen „Formel 1 Motorhome“, das ebenfalls am Sonntag Premiere feiert. Ernst Hausleitner und Alexander Wurz analysieren hier nach Rennende die wichtigsten Szenen. Rennstallbesitzer Robert Lechner und Nachwuchsfahrer *Ferdinand Habsburg sind für Analysen zuständig, mit den Rennfahrerinnen *Corinna Kamper und Bianca Steiner, die ebenfalls Expertise (und Social-Media-Meinungen) beisteuern, setze man, so Marc Wurzinger, bewusst auf „viele verschiedene Typen von Protagonisten, die ein breites Publikum abdecken sollen“. In der vergangenen Saison erreichte der ORF im Schnitt 591.000 Zuseher und 36 Prozent Marktanteil mit Formel 1 live.
'ORF in der Poleposition'
Für die ORF-Vermarktung betont Enterprise-Geschäftsführer Oliver Böhm die starke Stellung des ORF: „Bei den Zwölf- bis 29-Jährigen kommen wir auf einen Marktanteil von 53,7 Prozent. Damit ist der ORF in der Poleposition!“ Neben der Klassik biete man aufmerksamkeitsstarke Sonderwerbeformen oder Sponsorings und Gewinnspiele in extra.ORF.at an. Letztere seien bereits ab 2.500 Euro und Sponsorings ab 2.800 Euro buchbar.
ServusTV offeriert ebenfalls umfangreiche Sponsoring-Pakete über alle Kanäle von TV- und On-air-Promotion bis Digital und Social Media. Möglich sei auch der Erwerb eines maßgeschneiderten Gewinnspiel-Trailer-Packages. Dieses schließt die Erstellung einer redaktionellen Sub-Site als Teilnahme-Plattform und eine verstärkte Social Media Bewerbung mit ein. Weitere Einbindungsmöglichkeiten gibt es in Form von Rubriken-Sponsorings.
Digital Offensive bei ServusTV
Knapp vor dem Formel 1-Start am Wochenende kündigte ServusTV zudem ein neues digitales Sportportal an, bei dem via SmartTV- und Mobile Apps exklusive Live-Streams, aktuelle Sportnachrichten oder On-Demand-Inhalte ausgespielt werden sollen. Das Sportportfolio des Senders umfasst mittlerweile Formel 1, MotoGP, Live-Tennis, den DFB Pokal, die Fußball-Champions beziehungsweise die Europa League.




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