Vom hohen Interesse an Nachrichten während der Corona-Pandemie profitieren Streaming-Angebote mit entsprechenden Inhalten. Die Online-Video-Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender wurden Anfang 2021 von deutlich mehr Personen genutzt als im Herbst 2020. Auch die Nutzung von Videos auf Nachrichtenportalen ist stark gestiegen. Dies sind Ergebnisse der Plattformstudie 2021-I. „Das gesteigerte Informationsinteresse treibt die Bewegtbildnutzung insgesamt“, sagt Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung.
Fast ein Drittel (30,2 Prozent) der für die Studie vom Marktforschungsinstitut Kantar im Auftrag der AGF Befragten gab während des Befragungszeitraums an, in den letzten vier Wochen Angebote öffentlich-rechtlicher Sender genutzt zu haben, die neben den Informationsinhalten im Befragungszeitraum auch erfolgreiche fiktionale Formate in den Mediatheken hatten. In der vorhergehenden Welle 2020-II waren es noch 23,1 Prozent. Entsprechend stieg auch die Nutzung der Angebote von Broadcastern insgesamt deutlich an und zwar von 29,5 Prozent auf 35,9 Prozent. Damit liegen diese Angebote in Summe erstmals über Netflix (32,3 Prozent).
Ähnlich kräftig ist der Anstieg bei Videos auf Nachrichtenportalen wie Bild.de und Spiegel.de, die verstärkt Videos einbauen. Diese nutzten 21,5 Prozent der Befragten (2020-II: 16,4 Prozent). „In den Zahlen spiegelt sich der Pandemie-Verlauf: Auf den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 folgte ein fast schon ,normaler' Sommer mit nur wenig Einschränkungen im öffentlichen Leben. Der zweite Lockdown ab November 2020 war hingegen mit hohen Unsicherheiten und deutlichen Einschränkungen für den Handel, Schulen und die Gastronomie verbunden. Diese dauerten zudem wesentlich länger an als die Beschränkungen im Frühjahr 2020. Diese Situation hat sehr wahrscheinlich zu einem höheren Bewegtbild- und insbesondere auch Nachrichtenkonsum geführt“, so Kerstin Niederauer-Kopf.
Nachdem Netflix in den vorherigen beiden Wellen spürbar wachsen konnte, geht die Nutzung nun leicht um knapp einen Prozentpunkt auf 32,3 Prozent zurück. Dafür schaltet in der aktuellen Welle 2021-I Prime Video einen Gang hoch: 24,1 Prozent und damit fast jeder Vierte gab an, in den letzten vier Wochen Amazons Streaming-Dienst genutzt zu haben. Damit verkürzt sich der Abstand zu Netflix sichtlich. Der Prime-Video-Zuwachs korrespondiert mit insgesamt steigenden Amazon-Prime-Kundenzahlen des Online-Händlers, der in den vergangenen Monaten vom Mangel an physischen Einkaufsmöglichkeiten profitiert hat. Zudem dürfte sich die stetige Ausweitung des Prime-Video-Angebots positiv in den Nutzungszahlen widerspiegeln.
Ebenfalls auf Wachstumskurs ist Disney+. Von den Befragten gaben 8,6 Prozent an, Disney+ in den letzten vier Wochen genutzt zu haben (2020-II: 6,6 Prozent). Insgesamt ist die Anzahl der Streaming-Angebote, die im Schnitt genutzt werden, von 1,3 auf 1,5 gestiegen.
Auch in der Nutzung in den letzten 3 Monaten zeigt sich dieses Bild. Netflix ist auch in dieser Zeitspanne erstmals ohne Zugewinne (33,4 Prozent). Prime Video (25,3 Prozent), Disney+ (9,8 Prozent) und Dazn (3,6 Prozent) wachsen. Erstmals in der Top 5 vertreten ist die Megathek Magenta TV mit 2,7 Prozent.
Der Anteil der Haushalte, die mindestens ein mit dem Internet verbundenes Fernsehgerät haben, ist kräftig auf 47,2 Prozent gestiegen (2020-II: 42,0 Prozent). „In den letzten drei Jahren hat sich der Anteil damit nahezu verdoppelt“, sagt Kerstin Niederauer-Kopf.




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