Kontinuität, Kontrastierung, Komplementarität. Wenn Stefanie Groiss-Horowitz nach bald 100 Tagen als Programmdirektorin des ORF zum Gespräch mit Journalisten lädt, dann geht es erst einmal um die neue „Flottenstrategie“, sprich darum, wie sich die einzelnen TV-Kanäle des Öffentlich-Rechtlichen zueinander positionieren und im Programmablauf ergänzen, um „möglichst viele Zielgruppen in möglichst unterschiedlichen Genres zu bedienen“.

Die 45-Jährige ist mittendrin in diesem Prozess, der sowohl strukturelle Flexibilität als auch Teamgeist und Kooperationsbereitschaft in den Führungsetagen des ORF verlangt. Zumindest Zweiteres ist dem Vernehmen nach in der seit Jänner agierenden neuen Geschäftsführung deutlich besser ausgeprägt als in der vorherigen.

Baustellen – auch wenn sie Groiss-Horowitz nicht als solche benannt haben will – gibt es dennoch.

'ORF 1-Feierabend'
Allen voran die Neupositionierung und Reform von ORF 1, die die Programmchefin in ihrer Interimsfunktion als Channelmanagerin zu sich gezogen hat. Wichtigstes und erstes Vorhaben hier: Die Bespielung des ORF 1-Vorabends ab 17.35 Uhr (später ab 17.00 Uhr) ausschließlich mit Eigenproduktionen. Konkret ist ab Ende April ein zweites Quiz geplant, das „ZiB“-Magazin“ feiert zudem ein Comeback um 20.00 Uhr. Einen „ORF 1-Feierabend“ nennt es die Programmdirektorin, der zu aktuellen Anlässen mittwochs um ein Magazin „ORF 1-Spezial“ im Hauptabend verlängert werden kann. Groiss-Horowitz führt hier den Begriff der „journalistischen Unterhaltung“ ein. Früher hätte man wohl Infotainment gesagt.

Die Wiederauferstehung der „ZiB 3“ als Schlussstein im täglichen Informationsangebot des ORF: ein weiterer Schritt im Reformprozess, der „im Windschatten des Leitmediums ORF 2“ erfolgen soll. Wiewohl: Groiss-Horowitz betont, dass ORF 1 in seiner Primetime-Performance stabil sei, die Kernzone zwischen 17.00 und 23.00 Uhr müsse freilich mit Investitionen abgesichert werden.

Im fiktionalen Bereich kommen deshalb neue Serien wie die Blackout-Miniserie „Alles Finster“, „Kaiser“ Robert Palfrader feiert das Thronjubiläum der englischen Queen, der Sport setzt auf die Frauen-Fußball-EM (gleichwertig zur WM der Herren im Winter). Und: Eine neue „Planet-Show“ (ab Herbst; wöchentlich) wird sich dem Thema Klima und Nachhaltigkeit unterhaltend widmen.

Noch ungelöst ist die Frage nach der Neuaufstellung der Daytime und der Zukunft des Kinderprogramms auf ORF 1. Letzteres soll jedenfalls eng mit dem Kids-Bereich am neuen ORF-Player vernetzt werden.